Wo bleibt dreckiges Wasser?
Nichts für schwache Nasen

Lüdinghausen -

Die Führung über das Gelände der Kläranlage in Ermen hat die Teilnehmer zum Staunen gebracht. Und so manchen in Sachen Geruch überrascht.

Freitag, 03.11.2017, 18:11 Uhr

Geruchsintensive Führung: Ulrich Enning erläuterte den Besuchern die einzelnen Stationen der Kläranlage und lieferte Wissen, das mitunter überraschte.
Geruchsintensive Führung: Ulrich Enning erläuterte den Besuchern die einzelnen Stationen der Kläranlage und lieferte Wissen, das mitunter überraschte. Foto: Justus Zentek

Jeder Mensch verbraucht am Tag unzählige Liter an Wasser – sei es beim Duschen, Kochen oder durch die Toilettenspülung. Doch was passiert mit dem Nass, nachdem es die Häuser verlassen hat und in den Tiefen der Abflüsse verschwunden ist? Dieser Frage gingen jetzt die Teilnehmer einer Führung durch die Kläranlage Lüdinghausen auf den Grund, die vom Biologischen Zentrum und dem Lippeverband angeboten wurde.

Gemeinsam mit Ulrich Enning erkundete die Gruppe die verschiedenen Stationen, die aus Abwasser sauberes Wasser mit Trinkqualität machen. Schon zu Beginn lenkte Enning die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf die vielen „blinden Passagiere“, die jeden Tag mit dem Wasser in die Kläranlage gepumpt werden. „Egal ob Q-Tips, Rasierer oder Cremereste, alles kommt bei uns an“, betonte der Lippeverband-Mitarbeiter und löste bei den Teilnehmern Erstaunen aus. „Besonders schlimm sind Feuchttücher und Medikamente, die mit der Toilettenspülung in das Abwasser gelangen“, fügte er hinzu. „Feuchttücher lösen sich kaum auf und erschweren unsere Arbeit. Am besten sollte man sie in den Müll werfen und niemals wegspülen.“ Auf die Frage eines Teilnehmers, ob der ganze Rhythmus aus dem Gleichgewicht geraten könne, antwortete der Fachmann, dass dies nur durch Gift im Abwasser passieren könne.

Jeden Tag kommen hier circa 50 Kubikmeter Fäkalienschlamm zustande.

Ulrch Enning

Nach der kurzen Einführung und einer Übersicht über die verschiedenen Vorgänge in der Anlage machte sich die Gruppe auf den Weg durchs Gelände, um die Stationen näher zu betrachten. Der erste Stopp wurde beim Zulauf gemacht, bei dem das Wasser, wie der Name vermuten lässt, von den Pumpwerken Paterkamp, Valve, Vossweg und Tüllinghof die Kläranlage erreicht. Als nächstes werden Toilettenpapier und andere Überreste durch den Rechen aus dem Wasser gefiltert, damit diese weder die Pumpen der Kläranlage verstopfen, noch das Reinigungsergebnis verschlechtern.

Das Wasser fließt weiter in das Sandfangbecken, welches Verunreinigungen wie Sand oder kleine Steine vom Wasser trennt. Diese Stoffe setzen sich am Boden des Beckens ab und werden so verarbeitet, dass der Sand am Ende wieder genutzt werden kann.

Die folgende Stufe ist die Vorklärung. In diesem Becken wird das Abwasser mechanisch gereinigt, wobei Schlammablagerungen entstehen, die dann in den Faulturm geleitet werden, um unter Sauerstoffentzug „ausgefault“ zu werden. „Jeden Tag kommen hier circa 50 Kubikmeter Fäkalienschlamm zustande, das entspricht der Ladung von zwei großen Lkw“, hob Enning hervor.

Bakterien im Einsatz

Nachdem dann in den „Belebungsbecken“ unter Einsatz verschiedener Bakterien die biologischen Verunreinigungen im Wasser abgebaut werden, gelangt es in die Nachklärung. Dort wird der noch vorhandene Schlamm zurück in das Belebungsbecken gepumpt, das gereinigte Wasser wird schließlich in einen Teich und letztendlich in die Stever geleitet, erfuhren die Besucher.

„Ganz schön aufwendig“, fanden die Teilnehmer die Abläufe. Sie beendeten die geruchsintensive Führung mit dem wertvollen Wissen, in Zukunft besser keine unnötigen Materialien in der Toilette zu entsorgen.

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