Lüdinghauserin macht ein FSJ in Ecuador
Weihnachtsbaum aus Plastik und öfter mal kein Strom

Lüdinghausen -

Der Weihnachtsbaum ist aus Plastik und der Strom fällt ab und zu aus. Doch das stört Judith Bünder nicht. Die Lüdinghauserin absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) in Ecuador. Einen Kulturschock hat sie beim Wechsel von der Stever an die Westküste Südamerikas nicht erlebt.

Montag, 01.01.2018, 05:01 Uhr

Judith Bünder mit ihrer Klasse, die sie in Englisch unterrichtet.
Judith Bünder mit ihrer Klasse, die sie in Englisch unterrichtet. Foto: privat

Seit August lebt Judith Bünder jetzt in Ecuador. Dort leistet sie an einer Schule ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ab, unterrichtet Kinder in Englisch. Über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichtet sie in den Westfälischen Nachrichten :

„Soweit das Auge reicht gibt es um mein Haus herum Kakaopflanzen. Wenn ich mal Hunger auf eine Banane, Mandarine oder Orange habe, kann ich einfach zwischen die Kakaopflanzen gehen und mir eine Frucht pflücken. Mittlerweile ist es einige Monate her seit ich zu meinem Abenteuer ,Freiwilligendienst in Ecuador‘ aufgebrochen bin. Die ersten zwei Wochen habe ich – so wie die anderen 19 Freiwilligen von ,Experiment‘ in Quito, der Hauptstadt des Landes, in einer Gastfamilie gewohnt. Dort hatten wir morgens Spanischunterricht, und nachmittags wurden wir auf unsere Projekte vorbereitet. Wir haben zum Beispiel den Englischunterricht der Ferienkinder übernommen. Dadurch haben wir in den Alltag eines Lehrers reinschnuppern können.

Jetzt kann ich so gut wie alles verstehen.

Judith Bünder

Dann ging es endlich in unsere Projekte. Für mich und vier andere Freiwillige ging es von 2850 Meter Höhe herunter auf circa 160 Meter Höhe. Von einer Stadt mit 2,2 Millionen Einwohnern in einen Landkreis mit 17 129 Einwohnern auf einer Fläche von 719 Quadratkilometern. Es ging von einer Stadt, die umgeben ist von Bergen, immer weiter ins Grüne. Mit meinen geringen Spanischkenntnissen ging es für mich, von einer Familie, in der der Vater Englisch sprach, in eine Familie, die kaum Englisch spricht. Jetzt kann ich so gut wie alles verstehen, nur mich selber auf Spanisch auszudrücken, fällt noch etwas schwer.

Es ist schon erstaunlich, wie viel man in ein paar Monaten lernt. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Tag erinnern, an dem ich bestimmt alle drei Minuten das Wörterbuch in der Hand hatte. Also wer in der Schule in einer Fremdsprache Schwierigkeiten hat, sollte definitiv einen Austausch machen.

Nach ungefähr drei Stunden Fahrt sind wir in Puerto Quito angekommen. Der erste Eindruck war erstmal ungewohnt. Jeder Freiwillige wurde von seiner Gastfamilie abgeholt und es ging in die Häuser. Seit zwei Monaten wohne ich hier auf einer Kakaofarm.

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Englisch- und Computerunterricht

In meinem Projekt unterrichte ich in der Woche vier Tage in einer Schule in dieser ,Bauerschaft‘ und arbeite an einem Tag in einem Umweltprojekt. Die Schule wird von 14 Schülern von der ersten bis zur siebten Klasse besucht. In der Schule unterrichte ich an drei Tagen Englisch und an einem Tag gebe ich Computerunterricht. Für den Englischunterricht habe ich die Schüler in zwei Gruppen eingeteilt, die ungefähr den gleichen Stand haben. Es ist unglaublich, wie anstrengend unterrichten sein kann. Ich habe den größten Respekt für Lehrer, die es immer wieder schaffen, ihren Schülern etwas Neues beizubringen. In der Schule ist noch ein anderer Lehrer, mein Gastvater. Wenn ich mit meinem Unterricht fertig bin, unterstütze ich im anderen Unterricht. In Mathe funktioniert das schon ganz gut, in anderen Fächern sind meine Spanischkenntnisse noch zu gering. An einem Tag in der Woche arbeite ich in Puerto Quito in einem ökologischen Projekt der Wiederaufforstung.

In den ersten Tagen war mein Konsum von Mückenspray so hoch, dass ich mich vier Mal am Tag eingesprüht habe. Trotzdem hatte ich überall rote Flecken und dachte, ich hätte einen Ausschlag. Nachdem mir meine Gastfamilie eine Creme gegen Mücken empfohlen hat, reduzierten sich die Stiche. Mittlerweile haben sich die Mücken wohl an mich gewöhnt.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich keinen wirklichen Kulturschock erlebt habe.

Judith Bünder

Zum Ausgleich zum großen Handy- und TV Konsum fällt hier ab und zu auch der Strom aus, meist, wenn es in der Nacht viel geregnet hat.

Ich muss ehrlich sagen, dass ich keinen wirklichen Kulturschock erlebt habe. Ich konnte mir zwar nicht wirklich vorstellen, wie das Leben hier sein wird, aber ich habe mich auf etwas komplett Neues eingestellt und konnte mich dadurch gut eingewöhnen. Zusätzlich ist die Hauseinrichtung meiner Gastfamilie recht europäisch. Dadurch hatte meine tägliche Umgebung etwas Gewohntes.

Auch etwas an die Heimat Erinnerndes gibt es: Bei 27 Grad steht hier der Weihnachtsbaum aus Plastik. Die einzigen Nadelbäume die in Ecuador wachsen, sind keine Tannen und vom Aussterben bedroht.“

Zum Thema

Auf YouTube führt Judith Bünder ein Videotagebuch. Wer mehr über ihr FSJ in Ecuador erfahren möchte, kann dort vorbeischauen. Zu finden ist ihr Kanal unter dem Namen fairfashiontalk.

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