Afrikanische Schweinepest
Unter den Landwirten geht die Angst um

Lüdinghausen -

Unter den Landwirten in Lüdinghausen und Seppenrade geht die Angst um, die Angst vor der Afrikanischen Schweinepest. Experten sind sich einig, dass der Ausbruch auch in Deutschland immer wahrscheinlicher wird. Antonius Vormann, Vorsitzender des LOV Seppenrade, ist überzeugt: „Die Frage ist nicht, ob die Schweinepest kommt, sondern wann sie kommt.“

Mittwoch, 10.01.2018, 06:01 Uhr

Trotz intensiver Bejagung: Die Wildschweinbestände breiten sich auch im Münsterland weiter aus. In Osteuropa sind mehr und mehr Tiere mit dem ASP-Virus infiziert.
Trotz intensiver Bejagung: Die Wildschweinbestände breiten sich auch im Münsterland weiter aus. In Osteuropa sind mehr und mehr Tiere mit dem ASP-Virus infiziert. Foto: dpa

Die Rotte Wildschweine, die am Sonntag von Seppenrade nach Lüdinghausen unterwegs war, hat viele Bürger verunsichert. Dabei sind die Tiere selbst von Natur aus schreckhaft. „Sie gehen Menschen aus dem Weg und greifen nur an, wenn sie Jungtiere haben“, weiß Antonius Vormann . Der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes (LOV) Seppenrade ist auch passionierter Jäger. Sein Tipp: „Wer Wildschweinen in der freien Natur begegnet, sollte laut rufen und zur Seite gehen.“

Ihn und seine Kollegen treibt bei dem Thema jedoch noch eine ganz andere Sorge um, und die heißt Afrikanische Schweinepest (ASP). Diese breitet sich gerade in den Wildschweinbeständen Osteuropas immer weiter aus. Die Angst davor, dass das Virus auch nach Deutschland gelangen könnte, ist groß. Vormann gibt sich da keiner Illusion hin: „Die Frage ist nicht, ob die Schweinepest kommt, sondern wann sie kommt.“ Und sein Pendent vom LOV Lüdinghausen, Berthold Schulze Meinhövel, fügt hinzu: „Die Afrikanische Schweinepest ist eine große Gefahr für die Bestände im Münsterland.“ Denn sobald der erste Fall auftrete, hätte der sofort einen Exportstopp von Schweinefleisch zur Folge, das von Deutschland aus überwiegend nach Südostasien ausgeführt werde, so Schulze Meinhövel.

Die Landwirte haben einfach massive Angst vor der Schweinepest.

Antonius Vormann

Für betroffene Zuchtbetriebe kann das Virus schnell existenzgefährdend werden, wenn die Bestände komplett getötet werden müssen. „Viele Kollegen sichern sich da bereits über private Versicherungen ab, da die Tierseuchenkasse den Verdienstausfall nicht komplett ausgleichen würde“, beschreibt Vormann die aktuelle Lage. „Die Landwirte haben einfach massive Angst vor der Schweinepest.“

Kein Wunder also, dass das Thema auch auf der Generalversammlung des LOV Lüdinghausen am 16. Januar einen breiten Raum einnehmen wird, wie Schulze Meinhövel ankündigt. Die Tierseuchenkasse weist in diesen Tagen per Rundschreiben an die Landwirte bereits eindringlich auf Schutzmaßnahmen hin. „Dazu gehört die Minimierung des Personenkreises, der Zutritt zu den Ställen hat, ebenso wie das Tragen von Schutzkleidung. Und natürlich müssen auch die Tierärzte bei ihren Besuchen auf den Höfen entsprechende Hygienemaßnahmen ergreifen“, listet Schulze Meinhövel auf. Für den Fall, dass das Virus auch in Deutschland auftritt, wünscht er sich eine genauso konsequente Herangehensweise wie jetzt in Tschechien. „Dort werden die Wildschweine in einem Sperrbezirk effektiv bejagt, auch durch Scharfschützen“, berichtet der LOV-Vorsitzende.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine große Gefahr für die Bestände im Münsterland.

Berthold Schulze Meinhövel

Apropos: Auch auf dem ehemaligen Truppenübungsgelände Borkenberge, das jetzt der DBU Naturerbe GmbH – einer Tochter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt – gehört, werden Wildschweine intensiv bejagt. „Wir stehen da in ganz engem Kontakt mit Dr. Heinz Otto Denstorf von der DBU Naturerbe und dem Bundesforst“, berichtet Vormann. Gemeinsam bemühe man sich intensiv um eine Reduzierung des Wildschweinbestandes in dem rund 1600 Hektar großen Gelände. Bei der ersten sogenannten Drückjagd Anfang Dezember hätten die über 100 Teilnehmer 66 Wildschweine erlegt. Seit Beginn des Jagdjahres am 1. April 2017 wurden bereits über 120 Schwarzkittel geschossen. Im Jahr zuvor waren es insgesamt 83. Dass sich die Bestände trotz höherer Abschusszahlen nicht wesentlich verringern, hat vor allem zwei Gründe: „Die Wildschweine finden hier ein gutes Nahrungsangebot und haben in den milden Wintern keine Probleme, zu überleben“, berichtet Vormann.

Afrikanische Schweinepest

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist für Menschen und andere Haustiere rein medizinisch nicht gefährlich. Laut Landestierärztekammer Mecklenburg-Vorpommer birgt selbst der Verzehr von infiziertem Schweinefleisch kein gesundheitliches Risiko. Die größte Gefahr bei der Übertragung des ASP-Virus stellt der Mensch dar: durch illegale Einfuhr oder Entsorgung von kontaminiertem Material. Da reicht beispielsweise schon ein achtlos weggeworfener Rest von Wildschweinsalami aus betroffenen osteuropäischen Beständen, der dann von einem hiesigen Wildschwein gefressen wird. Das Risiko der Einschleppung durch den Jagdtourismus und das Mitbringen von Jagdtrophäen aus betroffenen Regionen schätzen Fachleute als mäßig ein. Gleiches gilt für den direkten Kontakt zwischen infizierten Wildschweinen. Ist ein Tier nachweislich an der ASP erkrankt oder gestorben, greifen mehrere Maßnahmen. Um den Standort des Betriebes, dessen Bestand komplett getötet werden muss, wird ein Sperrbezirk eingerichtet, in dem ein Verbot der Freilandhaltung von Hausschweinen gilt. Außerdem dürfen Gras, Heu und Stroh aus dem gefährdeten Gebiet nicht in Hausschweinbestände geliefert werden – und das alles für sechs Monate. Zudem gelten für das erweiterte Umfeld des Sperrbezirks strenge Handels- und Transportverbote.

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