Managerleben gegen Erzieherausbildung getauscht
„Kinder sind das Wichtigste“

Seppenrade -

Michael Hanna Shaikh hat als Manager in Dubai und Bahrain gearbeitet. Dieses (Berufs-)Leben hat er an den Nagel gehängt. Jetzt absolviert der 40-jährige zweifache Familienvater eine Ausbildung zum Erzieher im St.-Monika-Kindergarten am Hüwel.

Donnerstag, 15.02.2018, 07:02 Uhr

Michael Hanna Shaikh (l.) und Joshua Heymann gehören aktuell zum Betreuerteam des St.-Monika-Kindergartens. Über diesen männlichen Zuwachs freuen sich Leiterin Mareike Reismann und die Kinder sehr..
Michael Hanna Shaikh (l.) und Joshua Heymann gehören aktuell zum Betreuerteam des St.-Monika-Kindergartens. Über diesen männlichen Zuwachs freuen sich Leiterin Mareike Reismann und die Kinder sehr.. Foto: Bettina Laerbusch

Die Chemie stimmt. Beide verstehen sich sichtlich gut. Mareike Reismann , Leiterin der St.-Monika-Kita, und der Neue. Betriebswirtschaft hat der studiert, mit Frau und Töchtern in Dubai und Bahrain gelebt. Dort war Michael Hanna Shaikh selbstständig, hat im Management- und Controllingbereich gearbeitet. Das ist Vergangenheit. Zurzeit absolviert der 40-Jährige sein Anerkennungsjahr als Erzieher in der Kita. Was ist passiert?

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Aus Ehrenamt wird Beruf

Als sich die Familie entschloss, zurück nach Deutschland zu gehen, bezogen Mann, Frau und Kinder ein Haus in Senden. Die Frau von Michael Hanna Shaikh war dran mit ihrem beruflichen Leben. Es war der Vater, der die Mädchen morgens zur Kita brachte. So kam er ganz automatisch mit dieser Lebenswelt in Berührung. Er fühlte sich wohl dort, wurde Elternvertreter, engagierte sich auch in anderen Bereichen ehrenamtlich.

Irgendwann war dann die Idee da, sich zum Erzieher ausbilden zu lassen. Vielleicht ist dieser Wunsch auch langsam gewachsen. Sicher ist: „Ich bin da so hereingerutscht“, sagt er und schmunzelt. „Du hast einen Cut gemacht“, bringt es Mareike Reismann auf den Punkt. Das Wort „Reset“ fällt. Freunde hätten schon – mal mehr, mal weniger – mit dem Kopf geschüttelt ob seiner beruflichen Entscheidung, erzählt der Mann im Anerkennungsjahr wieder schmunzelnd und souverän.

Kinder sind das Wichtigste, was man hat – und für die bin ich jetzt verantwortlich.

Michael Hanna Shaikh

Früher war alles strukturiert

Wer mit Mareike Reismann und Michael Hanna Shaikh zusammensitzt, ihnen zuhört, wie sie von ihrem Alltag erzählen, versteht indes schnell, warum sie ihren Beruf lieben. „Alles, was ich ’rein­stecke, kriege ich zurück“, sagt er. „Kinder sind das Wichtigste, was man hat – und für die bin ich jetzt verantwortlich“. Wenn ihm das bewusst werde, fügt der angehende Erzieher hinzu, werde ihm immer wieder klar, wie wichtig dieser Beruf ist. Und auch diese Sätze fallen im Büro von Mareike Reismann: „Ich komme hier morgens rein und weiß nicht, was passiert. Früher war alles strukturiert. Vorhersehbar. Auf sechs Monate war der Kalender voll.“ Mit Kindern zu arbeiten, betont der 40-Jährige, „ist für mich wertvoller als mit Zahlen zu jonglieren“.

Die ersten drei Wochen haben wir ihn geschont.

Mareike Reismann

Endlich eine männliche Bezugsperson

Im vergangenen Sommer hatte Mareike Reismann im Gespräch mit unserer Zeitung angekündigt, dass es bald eine männliche Betreuungsperson in der Kita geben werde. Keine Frage: Sie empfindet den Zuwachs als absolute Bereicherung. „Michael ist ein Männermagnet“ für die Kinder. Sie war im Sommer sehr gespannt darauf, wie sich das Team durch einen Mann wohl verändern werde. Sie freute sich für die Kinder, für die männliche Bezugspersonen so wichtig seien. „Die ersten drei Wochen haben wir ihn geschont“, erzählt sie jetzt lachend und fügt launig hinzu: „Danach musste er sich alles anhören.“

Auch ein männlicher Praktikant

Die St.-Monika-Kita gehört zu den wenigen in der Republik, in denen es einen männlichen Betreuer gibt. Momentan sogar zwei: Joshua Heymann macht gerade ein Praktikum dort. Mareike Reismann versucht an einem Beispiel klarzumachen, inwiefern Frauen und Männer unterschiedlich ticken und sich so gegenseitig bereichern: „Frauen machen viele Dinge gleichzeitig – Spülmaschine ausräumen, Tisch decken, die Kinder mit einbeziehen.“ Männer erledigten eine Aufgabe nach der anderen. „Uns“, sie meint die Kolleginnen und sich, „wird klar, dass Geduld manchmal auch nicht schlecht ist“.

Der neue Kollege hingegen musste lernen, dass er sich als Erzieher zwar mit drei oder vier Kindern sehr wohl auf eine Sache konzentrieren kann und soll, dabei aber gleichzeitig die anderen Kinder nicht aus dem Blick verlieren darf. Das sei in seinem vorherigen Beruf eben absolut anders gewesen, erzählt Michael Hanna Shaikh lächelnd. Kinder hätten täglich, ja stündlich andere Bedürfnisse, brauchten eine andere Art von Unterstützung. Zahlen sind da deutlich anspruchsloser.

Ich wollte etwas machen, was Sinn macht.

Michael Hanna Shaikh

„Ich wollte etwas machen, was Sinn macht“, sagt der zweifache Familienvater. „Die Mann-Frau-Sache“ sei ihm überhaupt nicht bewusst gewesen“, macht er deutlich, dass er kein Problem damit hat, nur mit Frauen zusammenzuarbeiten.

Ansehen des Berufes wächst

Der Beruf der Erzieherin/des Erziehers werde „nicht mehr so verkannt, wie das der Fall war“, sagt Mareike Reismann. Sie nennt das Stichwort Entwicklungspsychologie. Wo steht das Kind, wo kann es am besten gefördert werden?, sei eine Frage, der Erzieher sich stellen müssten. Auch hier sei die Sichtweise von Männern anders, ihre Wahrnehmung eine andere. „Michael sieht andere Bedürfnisse bei Kindern, als es die Kolleginnen tun“, hat Reismann festgestellt. Und ergänzt: „Ich glaube, dass mehr Männer als Erzieher tätig würden, wenn sie mehr über den Beruf wüssten.“ „Die Vielfalt haben viele ganz sicher nicht auf dem Schirm“, fügt Michael Hanna Shaikh hinzu. „Von Elterngesprächen, über die Auftragsvergabe für Gartenarbeiten, die Kinderbetreuung bis hinzu zu Gesprächen mit Handwerkern über Rohre in der Fußbodenheizung“, zählt Reismann auf. „Du hättest es in der freien Wirtschaft weit gebracht“, sagt er anerkennend.

Keine Frage: Die Chemie stimmt zwischen den beiden.

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