Cani-Literaturkurs führt „Der zerbrochene Krug“ auf
Die Affäre des Dorfrichters Adam

Lüdinghausen -

„Der zerbrochene Krug“ sorgt für mächtig viel Wirbel im leben des Dorfrichters Adam. Das Kleist-Stück brachte jetzt der Literaturkurs des Canisianums auf die Bühne.

Dienstag, 13.03.2018, 12:03 Uhr

Der Stein des Anstoßes: Ein zerbrochener Krug sorgt für mächtig Wirbel bei Richter Adam und Gerichtsrätin Walter.
Der Stein des Anstoßes: Ein zerbrochener Krug sorgt für mächtig Wirbel bei Richter Adam und Gerichtsrätin Walter. Foto: ll

Ein amüsantes Lustspiel bot die Aufführung des Stückes „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist durch den Literaturkurs des Gymnasiums Canisianum unter Regie von Michael Leibold am Sonntagabend in der Cani-Aula. Im Mittelpunkt des Stückes, das in dem fiktiven niederländischen Dorf Huisum Ende des 17. Jahrhunderts spielt, steht der jähzornige und manipulative Dorfrichter Adam (gespielt von Noah Contino), der in der Nacht zuvor die Dorfschönheit Eve (Nina Hattrup) in ihrem Zimmer zwangsweise verführen wollte.

Er drohte ihr, dass ihr Verlobter Ruprecht (Florian Hölmer) eingezogen und in Ostindien stationiert werde und nur Adam selbst dies aufhalten könne – mit Hilfe eines gefälschten ärztlichen Attests. Als Ruprecht, der seinen Nebenbuhler Lebrecht dort vermutet, vor Wut die Tür eintritt und dem Richter zwei Schläge mit der Türklinke verpasst, muss dieser aus dem Fenster fliehen und zerbricht dabei den Krug.

Adam möchte eigentlich nur seine Wunden pflegen und die ganze Sache vergessen. Dumm nur, dass ausgerechnet an diesem Tag Gerichtsrätin Walter (Laura Schweizer) ins Dorf kommt, um nach eigener Aussage die „Rechtspflege auf dem platten Land zu verbessern“ und dem Gerichtstag beizuwohnen. Als dann auch noch die Eigentümerin des zerbrochenen Kruges, Frau Marthe (Nele Bußkamp), vor Gericht auftaucht und fälschlicherweise ihren Schwiegersohn in spe beschuldigt, ist das Chaos komplett.

Dorfrichter Adam versucht, sich nun aus der Affäre zu ziehen und jeden Verdacht von sich fernzuhalten. Dabei wird er von allen Seiten bedrängt, so dass man als Zuschauer fast Mitleid entwickelt. Angefangen mit der pedantischen Gerichtsrätin, die immer genau dann einschreitet, wenn der Richter glaubt, es gehe gut für ihn aus. Sein ehrgeiziger und neugieriger Schreiber Licht (Doreen Brune), der die Stelle des Dorfrichters selbst übernehmen möchte und ihm immer wieder Fragen nach dem vorherigen Abend stellt. Und natürlich die hysterische Matrone, Frau Mar­the, die sich über ihren zerbrochenen Krug echauffiert und vehement Gerechtigkeit einfordert.

Im Laufe des Stückes lässt Adam keinen Trick unversucht, um die Angelegenheit heil zu überstehen, und führt dabei die richterliche Unabhängigkeit ad absurdum. So bietet er seinem Gerichtsschreiber Licht an, dass „eine Hand die andere wäscht“ und der Schreiber seinen Ehrgeiz für einen Tag zurücknehmen solle. Im Gegenzug würde er sich für seine Beförderung zum Richter stark machen.

Dem Angeklagten droht er unverhohlen mit Gewalt („Soll ich dir die Faust in den Rachen stopfen?“), Eve will er gar nicht als Zeugin zulassen („Das, was sie sagt, gilt nicht.“), als diese im Begriff steht, die Wahrheit aufzudecken. Und der Gerichtsrätin Walter versucht er mit Wein den Kopf zu vernebeln. Als die betagte Frau Brigitte (Sophia Lenfers) jedoch seine Perücke und seine Fußspuren am Haus des Opfers findet, zieht sich die Schlinge um seinen Hals nach und nach zusammen.

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Die zweite Aufführung findet am Sonntag (18. März) ebenfalls in der Cani-Aula statt. Beginn ist um 18 Uhr.

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