Vorsitzende der KFD Lüdinghausen lässt (fast) keinen Kirchentag aus
Franziska allein unterwegs

Lüdinghausen -

Franziska Ritter ist schon viel in Deutschland herumgekommen. In Sachen Katholikentag ist die 80-Jährige weitgereist und kann entsprechend viel berichten – von Übernachtungen in einer Studenten-WG in Leipzig oder bei einem Rentnerpaar in Berlin.

Dienstag, 10.04.2018, 09:04 Uhr

Auf dem Esstisch die Programmhefte vergangener Kirchentage, vor sich die Dauerkarte für den Kirchentag in Münster im Mai – Franziska Ritter freut sich schon auf spannende Tage. Ein Quartier muss sie sich dieses Mal aber ausnahmsweise nicht suchen.
Auf dem Esstisch die Programmhefte vergangener Kirchentage, vor sich die Dauerkarte für den Kirchentag in Münster im Mai – Franziska Ritter freut sich schon auf spannende Tage. Ein Quartier muss sie sich dieses Mal aber ausnahmsweise nicht suchen. Foto: ben

Nächtliche Gespräche über den Glauben in fremden Wohnzimmern, unerwartete technische Hilfe von bedrohlich aussehenden U-Bahnfahrern oder die durchaus ernst gemeinte Einladung, doch mit zur Studentenfete eine Etage höher zu kommen: Franziska Ritter hat mit ihren 80 Jahren schon vieles erlebt, wenn sie mal wieder allein irgendwo in Deutschland unterwegs war. Dabei sind die Städte, die sie besucht, so unterschiedlich wie der Anlass immer derselbe ist. Die langjährige Vorsitzende der KFD Lüdinghausen ist eine begeisterte Kirchentagsbesucherin.

Ich bin halt schrecklich neugierig auf Menschen, das war ich schon immer.

Franziska Ritter

Ob Berlin, Hamburg, Ulm, München oder Leipzig – kaum einen Kirchentag hat sie verpasst. Und immer sucht sie sich dabei ein privates Quartier. „Ich bin halt schrecklich neugierig auf Menschen, das war ich schon immer“, erzählt Ritter mit einem Schmunzeln. Und genau deswegen findet sie es auch jedes Mal so spannend, bei wem sie wohl im Kinderzimmer oder auf der Gästecouch landet. „Das sind alles zunächst mal sehr offene Menschen, schließlich lassen sie einen völlig fremden Gast in ihr Heim“, weiß Ritter. Diese Offenheit mag sie und hat sie schon bei ganz unterschiedlichen Gastgebern erlebt.

Da war zum Beispiel das nette Rentnerpaar beim Kirchentag 2003 in Berlin. „Stefan und Eva, er war schon über 70 und sie saß im Rollstuhl“, erinnert sich Ritter. Jeden Abend habe ihre Gastgeberin extra auf sie gewartet, um dann mit ihr die halbe Nacht über Gott und die Welt zu reden.

Meine Unterkunft war ein Zimmer in einer WG mit vier jungen Studentinnen.

Franziska Ritter

Mitten im Studentenleben landete die Lüdinghauserin 2016 beim Kirchentag in Leipzig. „Meine Unterkunft war ein Zimmer in einer WG mit vier jungen Studentinnen. Die haben mir nach meiner Ankunft alles gezeigt, wo die Marmelade und der Kaffee sind, haben mir den Wohnungsschlüssel gegeben und sind zur Uni verschwunden.“ Keine von ihnen habe zwar den Kirchentag besucht, „aber gute Gespräche über den Glauben haben wir trotzdem gehabt.“ Nur die Einladung, mit zur Party in der WG eine Etage höher zu gehen, habe sie dann doch lieber abgelehnt. „Ich war schon so völlig groggy.“

Überraschende Begegnungen gehören für Ritter zu ihren Kirchentagserlebnissen wie das Salz in die Suppe. Dabei ist sie stets alleine unterwegs. „Nur so lernt man doch neue Menschen kennen.“ Und manchmal bekommt sie dabei auch Unterstützung, mit der man nie gerechnet hätte. So wie damals in Berlin. Als sie in der U-Bahn beim Versuch, eine neue SIM-Karte in ihr Handy zu friemeln, beinahe verzweifelt wäre. „Da stiegen drei ziemlich bedrohlich aussehende junge Kerle ein. Als die mein Malheur bemerkten, stand einer auf und kam zu mir rüber“, erinnert sich Ritter. „Das mache ich auch immer für meine Mama“, habe der junge Mann gesagt, sich ihr Handy geschnappt und das Problem gelöst.

Also gar keine Angst davor, in einer fremden Großstadt allein unterwegs zu sein? „Was soll denn schon passieren? Wenn ich mal in die falsche Bahn steigen, fahre ich halt eine Runde mehr“, zeigt sie sich ganz gelassen.

Dabei – passiert ist ihr tatsächlich schon was. Auf einer Rolltreppe in Essen hat man ihr mal den Rucksack mit allen Papieren geklaut. „Aber da wollte ich zu einer Tagung und nicht zum Kirchentag“, schiebt sie mit einem Zwinkern noch hinterher.

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