Einblick in Architekturgeschichte
Trafoturm ist nicht gleich Trafoturm

Lüdinghausen -

Wenn man einmal einen Trafoturm gesehen hat, kennt man sie alle? Dass dem nicht so ist, ließ schon der Titel „Vielfalt“ vermuten, mit dem das Zen­trum für historische ländliche Baukultur jetzt zu einem Vortrag eingeladen hatte.

Dienstag, 01.05.2018, 15:05 Uhr

Abseits von Hauptstraßen oder prominenten Örtlichkeiten wie zum Beispiel Burg Vischering wurden Trafotürme aus preiswerten industriegenormten Fertigelementen errichtet, wie hier in der Bauerschaft Elvert.
Abseits von Hauptstraßen oder prominenten Örtlichkeiten wie zum Beispiel Burg Vischering wurden Trafotürme aus preiswerten industriegenormten Fertigelementen errichtet, wie hier in der Bauerschaft Elvert. Foto: Schröer

Wenn man einmal einen Trafoturm gesehen hat, kennt man sie alle? Dass dem nicht so ist, ließ schon der Titel „Vielfalt“ vermuten, mit dem das Zen­trum für historische ländliche Baukultur jetzt zu einem Vortrag über die oft übersehene Kleinarchitektur ins „Hotel zur Post“ eingeladen hatte.

Dass aber eine solch große Vielzahl an unterschiedlichen Turmmodellen besteht, war dann doch für die Zuhörer sehr überraschend. Da gibt es Türme aus Backstein, aus Sandstein, mit Verputz, in verschieden farbiger Fassung, mit Fachwerk, mit Sandsteineinfassungen an Fenstern und Türen oder mit einer Art Henkel auf dem Dach. Einige weisen kleine Fensterluken auf, einen anderen zierte früher ein großes gläsernes Oval, und wieder ein anderer stach durch ein großes Spitzbogenfenster im Stil einer Kirche hervor.

„Plattenbau auf dem Lande“

Dr. Ludger Schröer, Vorstand des Zentrums, hatte sein reichhaltiges Bildarchiv geöffnet und präsentierte viele Beispiele dieser besonderen Kleinarchitektur in Lüdinghausen und Umgebung. Dazu erläuterte er den geschichtlichen Hintergrund und wies auf die architektursprachlichen Besonderheiten hin.

So erzählte er, welch großen Einfluss vor rund 100 Jahren die westfälische Heimatbewegung hatte, um ein „heimatgerechtes“ Bauen „in schlichter und ehrlicher Baugesinnung“, wie es damals hieß, umzusetzen. Und wie sich die Elektrizitätswirtschaft entweder mit ihrer selbstbewussten Industriearchitektur oder auch mit einfachem „Plattenbau auf dem Lande“ durchsetzen konnte. Für die Trafotürme in und um Lüdinghausen wurden Vorlagen aus der Schweiz und Berlin übernommen und mit regionalem Kolorit versehen.

In der anschließenden lebhaften Diskussion waren sich die Teilnehmer mit den Veranstaltern schnell einig, dieses besondere historische Erbe anzunehmen und sich schützend vor diese gefährdete Baukultur zu stellen. Auch wenn es nicht einfach sei, sollte es den Lüdinghausern gelingen, kreative Nachnutzungen der heimischen Transformatorenstationen zu finden. Denn viele dieser Bauwerke seien bereits oder würden mittelfristig von der Stromwirtschaft aufgegeben.

Und einmal in den Fokus gerückt, würden den Teilnehmern des Infoabends künftig vermehrt Trafotürme ins Auge fallen. Am Tag des offenen Denkmals (9. September) besteht dazu eine besondere Gelegenheit. Dann nämlich bietet das Zentrum eine Fahrradtour „Von Turm zu Turm“ an.

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