Historischer Hof Grube in Lüdinghausen wächst
Wie ein Puzzle – nur ohne Himmel

Lüdinghausen -

Historische ländliche Gemäuer – vor allem im Münsterland – haben es Karin und Johannes Busch angetan. Zuletzt hat das Ehepaar den Hof Grube in jahrelanger Arbeit restauriert. Kaum fertig, wollen die Buschs jetzt das nächste Projekt in Angriff nehmen.

Samstag, 21.07.2018, 10:00 Uhr

Ein Zeugnis der frühen Indus­trialisierung der Landwirtschaft: die aus der Zeit von 1875 bis 1880 stammende Scheune des Hofs Ahlmann in der zu Schöppingen gehörenden Bauerschaft Tinge.
Ein Zeugnis der frühen Indus­trialisierung der Landwirtschaft: die aus der Zeit von 1875 bis 1880 stammende Scheune des Hofs Ahlmann in der zu Schöppingen gehörenden Bauerschaft Tinge. Foto: privat

Hof Grube wächst: Auf der großen Freifläche zwischen dem denkmalgeschützten Haupthaus aus dem Jahr 1517 und dem einstigen Schweinestall vis a vis wollen Karin und Johannes Busch eine Scheune bauen. Wer die beiden kennt, weiß, dass das nicht einfach eine gewöhnliche Scheune, wie es sie auf allen Bauernhöfen im Münsterland gibt, sein wird, sondern eine mit langer Geschichte. Schließlich ist der Hof in der Bauerschaft Tetekum Sitz des 2017 gegründeten Vereins „Zen­trum für historische ländliche Baukultur im Münsterland“ und erst vor einigen Monaten im Rahmen des rheinisch-westfälischen Staatspreises für Denkmalpflege ausgezeichnet worden.

Rückblick: 2008 steckte das Ehepaar mitten im Umzug vom Hof Große Aldenhövel in der gleichnamigen Bauerschaft zum Hof Grube. Gebäude, die die Buschs über Jahre selbst restauriert haben. „Über die Interessengemeinschaft Bauernhaus bin ich damals auf eine Scheune des Hofs Ahlmann in der zu Schöppingen gehörenden Bauerschaft Tinge gestoßen“, erzählt Johannes Busche. Der drohte ein jähes Ende – im Kamin. Der Lüdinghauser, der als Fachpfleger für Psychiatrie beruflich so gar nichts mit alten Gemäuern zu tun hat, musste nicht lange überlegen: Er griff zu. Und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Beim Abbau haben wir entdeckt, dass das Dach mit Ziegeln der Lüdinghauser Brennerei Musshövel und Jansen eingedeckt war.

Johannes Busch

Mit Unterstützung vieler freiwilliger Helfer und einer Zimmerei baute er die knapp 32 Meter lange und 7,50 Meter breite sogenannte Durchfahrtscheune ab. So heißt sie deshalb, weil die Durchfahrt eine Dreschmaschine aufnehmen konnte. Außerdem bot sie unter anderem Platz für Maschinen, eine Hofwerkstatt und eine Saisonarbeiterwohnung. Aus der Zeit von 1875 bis 1880 stammend, ist die Scheune ein Zeugnis der frühen Indus­trialisierung der Landwirtschaft. „Beim Abbau haben wir entdeckt, dass das Dach mit Ziegeln der Lüdinghauser Brennerei Musshövel und Jansen eingedeckt war“, freut sich Johannes Busch auch heute noch über Details wie dieses.

Apropos Abbau: Jeder Balken des auf Sandstein stehenden Fachwerkgebäudes wurde penibel gekennzeichnet und dokumentiert, die Steine sorgfältig zusammengepackt. „Eine extrem aufwendige Aktion“, weiß Dr. Ludger Schröer. Der pensionierte Lehrer teilt die Leidenschaft für historische Bauten und bildet zusammen mit Johannes Busch und Liane Schmitz den Vorstand des „Zentrums für historische ländliche Baukultur im Münsterland“. Die gemeinsame Triebfeder für dieses Engagement beschreibt der Pädagoge so: „Die historische Kulturlandschaft droht, sich so stark zu verändern, dass wir künftig keine Identifikationsanker mehr haben.“

Karin und Johannes Busch haben ein Faible für historische Gemäuer.

Karin und Johannes Busch haben ein Faible für historische Gemäuer. Foto: Anne Eckrodt

Holzbalken, Steine, Dachpfannen und Co. wurden auf dem weitläufigen Gelände des Hofs Grube eingelagert. „Das Holz ist sogar schon wieder bewohnt“, scherzt Johannes Busch. „Das haben die Eulen für sich entdeckt.“ Der seit 2008 währende Dornröschenschlaf der Einzelteile soll nun bald ein Ende haben. Der Bauantrag beim Kreis Coesfeld ist gestellt. „Jetzt müssen wir auf die Genehmigung warten, ehe es weitergehen kann“, sagt Karin Busch. Allerdings fehlt noch etwas anderes, sehr Wesentliches: Geld. „Wir hoffen auf Mittel aus dem neuen Förderprogramm der Landesregierung ,Heimatzeugnis‘. Allerdings kann man dafür zurzeit noch keine Anträge stellen. Sobald das möglich ist, werden wir das machen“, betont Johannes Busch. Und der 61-Jährige fügt hinzu: „Ohne Förderung ist der Aufbau der Scheune nicht möglich.“ Auch wenn die Buschs das Meiste selbst beziehungsweise mit ehrenamtlicher Unterstützung machen, müssen Materialien nachgekauft werden. Und die Zimmerei, die beim Abbau geholfen hat, wird auch für den Aufbau benötigt. „Die Leute wollen natürlich bezahlt werden“, so Johannes Busch.

Die Arbeit selbst habe dann etwas von einem Puzzle. Alle Teile sind gekennzeichnet. Außerdem gibt es alte Zeichnungen, an denen sich die Handwerker orientieren können. „Im Gegensatz zu Puzzlen hat die Scheune glücklicherweise wesentlich weniger Teile, und es gibt keinen Himmel, der es immer so schwer macht“, blickt Johannes Busch dem Aufbau gelassen entgegen. Seine Frau sieht das ähnlich. „Wir teilen die Leidenschaft für historische Gebäude, sonst hätten wir es gar nicht so lange miteinander ausgehalten“, sagt die 58-Jährige mit einem Augenzwinkern.

Die Agrargeschichte für die Nachwelt zu erhalten, ist uns wichtig. Dafür machen wir das alles, nicht für uns.

Johannes Busch

Wenn Baugenehmigung und Fördermittel nicht allzu lange auf sich warten lassen, könnte es in den Sommermonaten 2019 was werden mit dem Wiederaufbau der historischen Scheune. „Wir sind bereit“, betont Johannes Busch. Dabei ist ihm die Vorfreude auf das neue Projekt anzumerken.

Parallel zu den Planungen dafür haben er und seine Frau bereits das nächste Objekt ins Auge gefasst: die denkmalgeschützte Scheune des Hofs Hanrott. Der Hof soll für die Erweiterung des Gewerbegebietes Tetekum weichen. „Die Stadt hat schon mal vorgefühlt, ob wir die Scheune haben wollen“, erzählt Johannes Busch. Es versteht sich von selbst, dass er nicht lange überlegen musste. Denn: „Die würde das Gesamtensemble hier hervorragend abrunden. Damit gäbe es auf dem Hof Grube eine zumindest im Münsterland einzigartige Dokumentation von 500 Jahren Agrargeschichte. Die für die Nachwelt zu erhalten, ist uns wichtig. Dafür machen wir das alles, nicht für uns.“  

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