Kabarettistin beim Sommerfestival des KAKTuS Kulturforums
Eine Putzfrau darf das

Lüdinghausen -

Sie schaut den Menschen aufs Maul und stellt Fragen, die wehtun. Esther Münch darf das, denn sie bestreitet ihr Kabarettprogramm als Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert. Am Samstagabend gastierte sie auf Einladung des KAKTuS Kulturforums mit derben Witzen und markigen Sprüchen im Kapitelsaal.

Freitag, 17.08.2018, 15:33 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.08.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 17.08.2018, 15:33 Uhr
Ob kleinkariert oder großgeblümt: Kabarettistin Esther Münch (M.) verschonte als Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert niemanden – sehr zur Freude des Publikums, das sich im Kapitelsaal am Samstagabend köstlich amüsierte.
Ob kleinkariert oder großgeblümt: Kabarettistin Esther Münch (M.) verschonte als Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert niemanden – sehr zur Freude des Publikums, das sich im Kapitelsaal am Samstagabend köstlich amüsierte. Foto: Arno-Wolf Fischer

Mit schnodderiger Ruhrpottart, Menschenkenntnis, viel Biss und jeder Menge Herz überzeugte die Bochumer Kabarettistin Esther Münch in der Rolle der Reinigungsfachkraft Waltraud Ehlert das Publikum im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Von Beginn an hatte „Walli“, die im Rahmen des KAKTuS-Sommerfestivals am Samstagabend in der Steverstadt gastierte, die Lacher der Zuhörer auf ihrer Seite. „Schön, dass sie alle hier am Herkommen gewesen waren“, begrüßte Waltraud Ehlert die Lüdinghauser und begann sogleich, von ihren „45 Jahren schwerer Ehe“ zu erzählen.

Dabei stand immer wieder die Interaktion mit dem Publikum im Vordergrund. Mal bekam ein Zuschauer mit Karohemd den Titel „der Kleinkarierte“ verpasst. In Richtung eines jungen Pärchens gab sie zu bedenken: „Am Anfang spielen im Himmel nur die Geigen, aber später kommen da noch ganz andere Instrumente dazu.“ Niemand im Publikum war vor den schlagfertigen und markigen Sprüchen der Kabarettistin sicher. Als ein Zuschauer auf die Bühne gebeten wurde, merkte Waltraud Ehlert in Richtung der Ehefrau und unter johlendem Gelächter an: „Der ist aber gut erzogen. Haben Sie den als Welpen bekommen?“

Da gibt es heutzutage keinen Unterschied mehr zu den Suppenhühnern auf dem Markt.

Waltraud Ehlert über die Körperbehaarung moderner Männer

Auch ihr Gesangstalent stellte die Kabarettistin am Samstag unter Beweis und ließ Waltraud Ehlert bekannte Klassiker verballhornen. So wurde beispielsweise aus Dusty Springfields „Son of a preacher man“ ein Lied für ihren fiktiven Ehemann: „Sohn von einem Metzgermann“. Von Tupperpartys und Nordic Walking über Beckenbodengymnastik und Shopping ließ die Kabarettistin kaum ein Thema aus. Die Mischung aus Nicken und Lachen bestätigte immer wieder, wie sehr sie mit ihren patzig vorgetragenen Beobachtungen ins Schwarze traf. Über die Körperbehaarung moderner Männer wusste Waltraud Ehlert etwa: „Da gibt es heutzutage keinen Unterschied mehr zu den Suppenhühnern auf dem Markt.“ Doch auch sie selbst ließ sich nicht außen vor: „Früher hatte ich ja auch eine Figur wie eine Acht. Heute ist es eher eine Null.“

Ihr Programm „Am besten Walli“ stellt eine Auswahl der besten Gags und Sketche aus mehr als 20 Jahren als Waltraud Ehlert dar. Warum die Wahl damals auf eine Reinigungsfachkraft fiel, weiß Esther Münch ganz genau: „Reinigungskräfte und Hausmeister können den Leuten aufs Maul schauen. Sie sehen mehr als andere.“ Genau diese Erfahrung hat die Kabarettistin selbst gemacht, denn zur Vorbereitung auf ein neues Programm gehört bei ihr ein Praktikum. Als Praktikantin putzte sie nachts in verschiedenen Betrieben und kam so zu der Erkenntnis: „Viele Leute fahren ihre PCs nicht herunter. Die denken gar nicht daran, was wir Putzkräfte so alles sehen.“ Eine Putzfrau wie Waltraud Ehlert darf aber vor allem eines: frech sein. „Man kann Fragen stellen, die wirklich weh tun und gesellschaftskritisch sind“, erläuterte Esther Münch. Von diesem Privileg machte sie am Samstagabend ausgiebig Gebrauch.

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