Kabarettabend mit Christian Ehring
Wenn jede Pointe sitzt

Lüdinghausen -

Vor ausverkauftem Haus präsentierte am Samstagabend der Kabarettist Christian Ehring sein Programm „Keine weiteren Fragen“. Eingeladen hatte die Kulturinitiative „Freunde der Kleinkunst“.

Mittwoch, 12.09.2018, 16:38 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 09.09.2018, 18:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 12.09.2018, 16:38 Uhr
Kabarettist Christian Ehring überzeugte am Samstag in der Realschulaula.
Kabarettist Christian Ehring überzeugte am Samstag in der Realschulaula. Foto: mkle

Welcher Kabarettbesucher erkennt sich da nicht selber wieder? Links-liberal, durchaus kritisch, aber mit einem gewissen Wohlstand, den man nicht missen möchte. Aber natürlich weltoffen. Und da will die eigene Ehefrau in die Einliegerwohnung, die der eigene Sohn nach dem Abitur räumen soll, einen Flüchtling einquartieren.

Die Geschichte, in die Christian Ehring sein Kabarettprogramm „Keine weiteren Fragen“ einbettet, besticht. Denn sie lässt den Besucher nicht in der Wohlfühl-Ecke. „Wie würde ich mit einer solchen Situation umgehen?“ – Das wird sich wohl fast jeder Besucher am Samstagabend in der restlos ausverkauften Realschulaula gefragt haben. Auf Einladung der Lüdinghauser Kulturinitiative „Freunde der Kleinkunst“ – das sei schon vorweg gesagt – überzeugt der Düsseldorfer Kabarettist, den viele aus dem Fernsehen durch seine Moderation von „Extra 3“ und seine Auftritte in der „Heute-Show“ kennen.

Immer wieder kommt Ehring auf den Grundkonflikt zurück – eigentlich weltoffen zu sein, allerdings dann doch, wenn es ums eigene Leben und die eigene Bequemlichkeit geht, den Bedenkenträger zu geben. Nahtlos springt er allerdings auch zwischendurch immer wieder in die Rolle des Kabarettisten, der sich einerseits über tagespolitische Themen auslässt, die er mit Hilfe einer aktuellen Tageszeitung abarbeitet. Andererseits nimmt er sich auch beliebter Kabarett-Themen an – beispielsweise die Lust auf Landlust, die Pubertät des eigenen Sohnes, die Vorbehalte gegen das Impfen oder aber der Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern. All das, um die Stimmung zu heben. Das funktioniert prächtig, zumal wirklich jede Pointe sitzt. Und gerne gibt er da den Zyniker, den er auch auf dem TV-Bildschirm verkörpert. Handwerklich ist das, was Christian Ehrung zweieinhalb Stunden ohne eine Minute Langeweile auf die Bühne bringt, ohne Zweifel erste Liga.

Bleibt nur ein wenig die Verwirrung, wann er denn nun Kabarett macht und wann er in die Rolle des Familienvaters schlüpft, der sich doch letztlich durchringt, einen Vorzeige-Flüchtling aufzunehmen (der dann allerdings doch selber nicht mehr kommen will). Diese Verwirrung greift er selber zum Finale im fiktiven Zwiegespräch mit seinem Sohn auf – und macht damit deutlich, dass auch diese Pointe durchaus gewollt ist und sitzt.

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