„Tag des Kaffees“
Lüdinghauser röstet 500 Kilo im Monat

Lüdinghausen -

Zum 13. Mal wird am Montag der „Tag des Kaffees“ begangen. Aus diesem Anlass hat die WN-Redaktion dem Lüdinghauser Kaffeeröster Ulrich Kellmann über die Schulter geschaut – und ihm das Geheimnis entlockt, was das Getränk bekömmlich macht.

Montag, 01.10.2018, 11:03 Uhr
Veröffentlicht: Samstag, 29.09.2018, 10:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 01.10.2018, 11:03 Uhr
Länger und bei geringeren Temperaturen werden die Bohnen an der Mühlenstraße geröstet. Das mache den Kaffee bekömmlicher, sagt Inhaber Ulrich Kellmann.
Länger und bei geringeren Temperaturen werden die Bohnen an der Mühlenstraße geröstet. Das mache den Kaffee bekömmlicher, sagt Inhaber Ulrich Kellmann. Foto: Christian Besse

Kaum ein Getränk hat im Leben der Menschen auch im Münsterland einen so festen Platz, wie der Kaffee. Das Getränk, das im 16. Jahrhundert aus seinem Ursprungsland Äthiopien über Arabien und die heutige Türkei nach Europa gelangte, ist aus dem Alltag, den Küchen und der Gastronomie nicht wegzudenken – ob schwarz, mit Milch und/oder Zucker, ob zum Frühstück oder zum Kuchen am Nachmittag: Das schwarze Gebräu ist allgegenwärtig. Vielleicht hat deshalb der Deutsche Kaffeeverband 2006 erstmals den „Tag des Kaffees“ ausgerufen. Am 1. Oktober, dem kommenden Montag, wird er zum 13. Mal begangen.

Das Wort „Gebräu“ würde Ulrich Kellmann aber wohl nie aussprechen. Der Lüdinghauser, der im vergangenen Dezember die „Kaffeerösterei Röstkunst“ an der Mühlenstraße übernommen hat, ist ein Kenner des Getränks – und ein Genießer. Selbstverständlich ist das nicht: „Ich hatte früher ex­treme Magenprobleme, wenn ich Kaffee getrunken hatte. Das lag aber daran, dass er industriell ganz anders gefertigt wird.“

Wir rösten 20 bis 40 Minuten und höchstens bis 200 Grad.

Ulrich Kellmann

Heißt konkret: „Die Industrie röstet einen Kaffee vier bis sechs Minuten bei einer Temperatur bis zu 600 Grad.“ Dadurch aber, so der Fachmann, blieben Säure und Öl im Kaffee noch erhalten. In seiner Rösterei an der Mühlenstraße sei es anders: „Wir rösten 20 bis 40 Minuten und höchstens bis 200 Grad.“

Kellmann ist ein „Barista“. Das Wort steht im Italienischen für „Barkeeper“, nördlich der Alpen bezeichnet er aber einen Experten für die Zubereitung von Kaffee und Espressi einschließlich der entsprechenden Kenntnisse von Herkunft, Aromen oder Geschmack. Kellmann ist aber weit mehr als das: Der 54-jährige Diplom-Betriebswirt ist freiberuflicher Lebensmittelentwickler, der vor allem für Unternehmen in den Niederlanden arbeitet. Damit hat der Lüdinghauser sein Hobby zum Beruf gemacht. „Ganz egal, ob ich Kaffee trinke oder etwas esse: Ich bin ein Genussmensch.“

Als ein guter Freund ihm Ende vergangenen Jahres anbot, die Kaffeerösterei an der Mühlenstraße zu übernehmen, griff Kellmann zu. Gemeinsam mit seiner Frau betreut er heute insgesamt rund 150 Stammkunden – Kunden, die ihren Kaffee vor Ort kaufen und auch oft als Gäste in der Rösterei, die gleichzeitig auch ein Café ist, trinken, und Kunden, die er beliefert – in einem Umkreis von rund 25 Kilometern, zwischen Dülmen, Recklinghausen und Münster. „Das sind Anbieter hochwertiger Gastronomie, die Wert auf einen guten Espresso legen“, sagt der Lüdinghauser.

Wir fahren zweimal im Jahr zu ihm, probieren die Sorten durch und wählen dann aus.

Ulrich Kellmann

Sein größter Kunde ist kein Gastronom, sondern ein Industrieunternehmen in Hamburg, das dem Lüdinghauser monatlich 180 Kilo Kaffee abkauft – für Mitarbeiter und eigene Kunden. Insgesamt rösten Kellmann und seine Frau rund 500 Kilo im Monat.

Mit Hamburg ist das Paar aus Lüdinghausen gleich zweifach verbunden, denn von einem Händler aus der Hansestadt bezieht es die Kaffeebohnen. „Der hat mein Vertrauen“, sagt Ulrich Kellmann. „Wir fahren zweimal im Jahr zu ihm, probieren die Sorten durch und wählen dann aus.“

So kommt die große, weite Welt des Kaffees an die Stever. Aktuell befinden sich an der Mühlenstraße Bohnen aus Honduras, Kolumbien, Guatemala, Indien, Uganda und dem Ursprungsland des Getränks, Äthiopien, auf Lager.

Was macht Kaffee für ihn aus? Kellmann überlegt kurz, antwortet dann: „Der Geruch, der Geschmack, die Bekömmlichkeit, die Vielfalt an Aromen . . . Wenn Sie an einem gerösteten Kaffee riechen – das ist ein schönes Gefühl.“ Und sein Lieblingskaffee? Kellmann lacht. „Da gibt es mehrere. Aber besonders gerne trinke ich zurzeit äthiopischen Sidamo. Der hat einen relativ hohen Fruchtanteil, man schmeckt Zitrone, Orange und auch ein bisschen Vanille.“

Kann er sich ein Leben ohne Kaffee überhaupt noch vorstellen? „Kann ich“, antwortet der Lüdinghauser ohne zu zögern. „Aber nur im Urlaub. Im Hotel trinke ich keinen Kaffee, weil er mir nicht schmeckt und ich davon Magenprobleme bekomme. Im Urlaub trinke ich nur Tee.“

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Zum „Tag des Kaffees“ bietet die Kaffeerösterei an der Mühlenstraße am Montag (1. Oktober) eine vergünstigte Espressoverkostung an.

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