Tobi Katze liest auf Burg Vischering
Autor geht Tabuthema mit Humor an

Lüdinghausen -

Tobi Katze musste nicht lange überlegen. Der Autor und Kabarettist ist der Auffassung, dass man über das Thema Depressionen nicht nur Witze machen darf, sondern das sogar muss. Und er weiß, worüber er spricht. Denn er ist selbst von der Krankheit betroffen.

Montag, 01.10.2018, 12:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 12:00 Uhr
Hatte nach der Lesung aus seinem Buch, in dem er seine Depression verarbeitet, viele Signierwünsche zu erfüllen: der Autor und Kabarettist Tobi Katze.
Hatte nach der Lesung aus seinem Buch, in dem er seine Depression verarbeitet, viele Signierwünsche zu erfüllen: der Autor und Kabarettist Tobi Katze. Foto: Inga Kasparek

Darf man über ein solches Schicksal Witze machen? Eine Frage, die der Autor bei seiner Lesung auf Burg Vischering am Freitagabend gleich selbst beantwortete: „Nein – man muss“, unterstrich Tobi Katze vehement. Der Verein zur Förderung der psychosozialen Dienste im Kreis Coesfeld beschritt im Zuge seiner jährlichen „Tage der seelischen Gesundheit“ in Kooperation mit dem Kreis Coesfeld jetzt einen ungewöhnlichen Weg. Wie Anne Willing-Kertelge vom Vorstand des Vereins erzählte, wurde die Idee, Katze zu dem Thema Depression auftreten zu lassen, sehr kontrovers diskutiert. Letztendlich setzten sich aber die Befürworter durch. Und der Autor des Buches „Morgen ist leider auch noch ein Tag“, selbst Betroffener und somit Experte in eigener Sache, war gerne bereit, seine Erfahrungen zum Besten zu geben.

Eine ungewöhnliche Lesung erwartete die Besucher. Gleich zu Anfang stellte der Autor und Kabarettist zwei entscheidende Fragen: Wer hatte sein Buch bereits gelesen? Keiner. Wer hat schon mal psychotherapeutische Hilfe in Anspruch genommen, weil er von einer Depression betroffen oder mitbetroffen ist? Zögernd meldeten sich einige der Zuhörer. Und damit war er mittendrin in seinem Thema.

Einige Besucher gehen in der Pause

Katze beschrieb auf höchst amüsante Weise, wie er vor Jahren so ganz allmählich die Feststellung machen musste, an einer Depression erkrankt zu sein. Sehr eindringlich erzählte er davon, wie er unfähig war, selbst kleinste Tätigkeiten auszuführen, welche Plan- und Perspektivlosigkeit ihn vollkommen antriebslos werden ließ. Bis zu seinem Comingout, zunächst nur innerhalb der engsten Familie, war es dann immer noch ein großer Schritt. Die Reaktionen dort waren typisch für die der Gesellschaft im Allgemeinen. Hilflosigkeit und Unverständnis schlugen ihm entgegen. Selbst von seinem Therapeuten fühlte sich Katze nicht so richtig ernst genommen oder gar verstanden.

Er hat dann einen Weg für sich gefunden, mit dieser Krankheit umzugehen. Katze fing an, über sich und seine Befindlichkeiten zu bloggen und merkte sehr schnell, dass er keineswegs alleine damit war. Auch eine große Zeitschrift wurde auf ihn und sein Thema aufmerksam und ermunterte ihn, darüber eine Art Tagebuch zu schreiben, das dann sehr bald auf den Markt kam und zum Bestseller wurde.

Ein Außenstehender wäre mit dem Thema wohl fehl am Platz.

Doch der Autor wollte wissen, wie seine „Beichte“ bei anderen Betroffenen ankommt. Also trug er sein Anliegen und sein Buch in Form von Lesungen direkt ins Publikum. Katze ist in seinem Element, wenn er von der tatsächlichen Lesung zur Erzählung und zeitweise schon zur kabarettistischen Darbietung wechselt.

Die Reaktionen am Freitagabend waren überwiegend positiv, teilweise aber auch zwiegespalten. Einige Besucher gingen in der Pause, von anderen wurde Katze ermuntert und bewundert ob seines Umgangs mit der Erkrankung. Hier und da wurde er sogar nach persönlichen Ratschlägen gefragt

Zurück zur Eingangsfrage. Victoria Koestel, eine der Zuhörerinnen, brachte ihre Meinung dazu auf den Punkt: „Als Betroffener hat Tobi Katze wohl die Berechtigung dazu. Er kann ein Tabuthema in die Öffentlichkeit bringen. Ein Außenstehender wäre mit dem Thema wohl fehl am Platz.“

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