Konzert der Musica Camerata zum Partnerschaftsjubiläum
Diktatur und Krieg klingen an

Lüdinghausen -

Das Thema Leiden unter Diktatur und Krieg zog sich wie ein roter Faden durch das Jubiläumskonzert zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Lüdinghausen und dem polnischen Nysa. Unter der Leitung von Hans-Georg Jaroslawski vollbrachten die Musiker des Ensembles Musica Camerata Westfalica teils grandiose Leistungen.

Montag, 01.10.2018, 05:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 01.10.2018, 05:00 Uhr
Spielten teils grandios: die Musiker des Ensembles Musica Camerata Westfalica unter der Leitung von Hans-Georg Jaroslawski.
Spielten teils grandios: die Musiker des Ensembles Musica Camerata Westfalica unter der Leitung von Hans-Georg Jaroslawski. Foto: Justus Zentek

Keine leichte Kost bot das Festkonzert zum 25-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Lüdinghausen und Nysa in der Aula des Gymnasiums Canisianum am Freitagabend. Die Musica Camerata Westfalica und ihr Leiter Hans-Georg Jaroslawski hatten sich als Thema das Leiden unter Diktatur und Krieg gewählt und dafür die Kammersymphonie op. 110a von Dmitri Schostakowitsch und die Metamorphosen für 23 Solostreicher von Richard Strauss auf das Programm gesetzt, ergänzt durch das Klavierkonzert in A-Dur, KV 488 von Wolfgang Amadeus Mozart.

Nach den Hymnen von Polen, Frankreich, Deutschland und Europa sowie einer erfrischend kurzen Begrüßung durch Bürgermeister Richard Borgmann erklang als erstes Hauptwerk die düstere Kammersymphonie op. 110a von Schostakowitsch. Dieses höchst eindrucksvolle Werk basiert auf dem VIII. Streichquartett des sowjetischen Komponisten, das dieser 1960 in der Nähe von Dresden unter dem Eindruck von Augenzeugenberichten über die Zerstörung der Stadt komponiert hatte. Die Camerata Westfalica brachte die vom Komponisten autorisierte Fassung für Streichorchester von Rudolf Barschai zu Gehör, die fast noch intensiver und beeindruckender klingt als das Original.

Festkonzert zum Partnerschaftsjubiläum in Lüdinghausen

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  • Mit einem festlichen Konzert trug das Ensemble Musica Camerata Westfalica zum Programm des Städtepartnerschaftsjubiläums bei.

    Foto: Justus Zentek
  • Mit einem festlichen Konzert trug das Ensemble Musica Camerata Westfalica zum Programm des Städtepartnerschaftsjubiläums bei.

    Foto: Justus Zentek
  • Mit einem festlichen Konzert trug das Ensemble Musica Camerata Westfalica zum Programm des Städtepartnerschaftsjubiläums bei. Im Folgenden weitere Impressionen der Veranstaltung.

    Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
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  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
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  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek
  • Festkonzert des Ensembles Musica Camerata Foto: Justus Zentek

Dem Streicherensemble gelangen zeitweise beeindruckend homogene und aufregende Klänge. Das immer wieder auftauchende musikalische Monogramm D (E)S C H für Dmitri Schostakowitsch, das alle Sätze durchzieht, wurde deutlich hörbar, ob als breites Fugenthema oder als sarkastischer Walzer. Beeindruckend auch die solistischen Passagen des ersten Geigers und der ersten Cellistin, die ihr Solo am Ende des vierten Satzes überirdisch zart über dem ganzen Orchester schweben ließ. Nur bei den aufgewühlten Stellen wäre etwas mehr rhythmische Präzision wünschenswert gewesen.

Die Arbeit mit Zitaten steht auch im Mittelpunkt der „Metamorphosen für 18 Solostreicher“, die der 80-jährige Strauss im März/April 1945 als persönliche Trauermusik auf das zerstörte München komponierte. Es ist der dritte Takt des Trauermarschthemas aus Beethovens dritter Symphonie „Eroika“ mit seinen seufzenden Abwärtsschritten, der beim ersten Bratscheneinsatz erstmals erklingt und das gesamte Werk durchzieht. Erst acht Takte vor Schluss, nach 25 Minuten intensiver harmonischer und kontrapunktischer Arbeit mit weiteren Zitaten (Bruckner, neunte Symphonie) wird der Beginn des Trauermarschs komplett zitiert und von Strauss mit der Bemerkung „in Memoriam!“ versehen. Hier konnte man hören, welches Potenzial in den Musikern der Camerata steckt, denn jeder hatte seine Solostellen in dem dichten und vielstimmigen Streichergewebe. Dennoch muss die Konzertmeisterin für ihre glasklaren Soli und ihre souveräne Leistung hervorgehoben werden.

Zugaben passend zum Programmmotto

Zwischen den beiden Trauermusiken wirkte das A-Dur-Klavierkonzert KV 488 von Mozart wie eine erfrischende Oase. Zum Streicherklang hinzu traten ein kleiner Bläsersatz und eine überragende Pianistin, Tamilla Guliyeva, die die perlenden Tonleiterketten des Soloparts brillant darbot und wunderbar die zarte Lyrik des melancholischen Mittelsatzes oder die zupackende Kraft des Rondo-Finales herausarbeitete. Das Orchester konnte stellenweise sehr einfühlsam begleiten, aber leider trübten der an manchen Stellen etwas zu laute Streichersatz oder der verschwommene erste Orchestereinsatz im Adagio den Gesamteindruck.

Sehr passend zum Motto des Programms waren die beiden Zugaben gewählt. Die Pianistin spielte grandios den „Valse triste“ von Jean Sibelius in der Klavierfassung des Komponisten, das gesamte Orchester schloss das Konzert nach reichem Beifall mit Johann Sebastian Bachs Choralvorspiel „O Mensch, bewein dein Sünde groß“ in der Streichorchesterfassung von Max Reger ab.

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