Hohe Temperaturen und anhaltende Trockenheit
Schönwetter – nicht für Landwirte

Lüdinghausen -

Des einen Freud ist des anderen Leid. Während viele Lüdinghauser die sommerlichen Temperaturen genießen, zum Beispiel bei einem Besuch im Eiscafé, hadern die Landwirte mit der anhaltenden Trockenheit. „Wir haben jetzt den siebten Monat in Folge ohne nennenswerte Niederschläge“, macht Hugo Kleuter, der in seinem Garten in der Bauerschaft Brochtrup eine Wetterstation betreibt, deutlich.

Mittwoch, 17.10.2018, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 17.10.2018, 11:00 Uhr
Den siebten Monat in Folge ohne nennenswerte Niederschläge verzeichnet Hugo Kleuter an der DWD-Wetterstation in der Bauerschaft Brochtrup. „Eine solche Trockenperiode habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Der Oktober verzeichnet bereits jetzt mehr Sonnenstunden als sonst im ganzen Monat.
Den siebten Monat in Folge ohne nennenswerte Niederschläge verzeichnet Hugo Kleuter an der DWD-Wetterstation in der Bauerschaft Brochtrup. „Eine solche Trockenperiode habe ich noch nie erlebt“, sagt er. Der Oktober verzeichnet bereits jetzt mehr Sonnenstunden als sonst im ganzen Monat. Foto: Ann-Kathrin Schriever

Wer in diesen Tagen durch die Lüdinghauser Innenstadt schlendert, könnte glatt meinen, dass gerade Sommer- und nicht Herbstferien sind. Einzig das bunte Laub erinnert daran, dass sich das Jahr langsam dem Ende entgegen neigt. Das warme Wetter lockt die Menschen auf die Straßen und füllt die Terrassen der Gastronomen. Während es zu dieser Jahreszeit sonst schon mal ein heißer Kakao oder Glühwein sein durfte, sind bei den aktuellen Temperaturen auch kühle Erfrischungen gefragt.

Ulla Schulte, Anneliese und Gerhard Nowack sowie Ingeborg und Hanson Schöneberg haben es sich zur Mittagszeit an einem Tisch vor dem Eiscafé „San Remo“ bequem gemacht, wie so oft nach ihrem Bummel über den Wochenmarkt. „Bei solch einem herrlichen Wetter sitzen wir immer draußen“, verrät Ingeborg Schöneberg. „Wenn wir denn einen Platz bekommen.“ Der kann selbst im Herbst noch knapp werden, wenn er so warm ist wie dieser. „In einer halben Stunde ist es hier voll“, weiß ihr Mann. Die Fünfer-Gruppe kehrt das ganze Jahr über im Eiscafé „San Remo“ ein. Aber niemand aus der Runde kann sich daran erinnern, auch Mitte Oktober noch an der frischen Luft Platz genommen zu haben.

In einer halben Stunde ist es hier voll.

Hanson Schöneberg

An die Tische unter freiem Himmel zieht es auch die Besucher des „Café Extrablatt“. „Sobald der erste Sonnenstrahl da ist, ist die Terrasse voll“, freut sich Betriebsleiter Christian Blazevic, auch für seine Mitarbeiter. „Da können alle noch einmal Sonne tanken.“

Die Steverstadt verzeichnete am vergangenen Wochenende mit die höchsten Temperaturen in Nordrhein-Westfalen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bedeuteten die 28,5 Grad, die am Samstag in Lüdinghausen gemessen wurden, Platz zwei, zusammen mit Waltrop. Wärmer war es nur in Tönisvorst am Niederrhein mit 28,6 Grad. Werte wie diese liefert die Wetterstation des DWD im Garten von Hugo Kleuter in der Bauerschaft Brochtrup. Doch während sich viele andere über den nicht enden wollenden Rekordsommer 2018 freuen, bereitet er Kleuter Sorgen. Nicht so sehr wegen der hohen Temperaturen, als vielmehr aufgrund des fehlenden Regens. Denn Kleuter ist Landwirt. „Wir haben jetzt den siebten Monat in Folge ohne nennenswerte Niederschläge“, macht er im Gespräch mit den WN deutlich. Und er fügte hinzu: „Eine solche Trockenperiode habe ich noch nie erlebt.“ Für diesen Monat verzeichnete die Wetterstation in seinem Garten bislang nicht einmal fünf Liter Regen pro Quadratmeter. In Kombination mit den hohen Temperaturen seien die wenigen Niederschläge der vergangenen Monate noch schneller verdunstet als sonst, so Kleuter.

In schweren Böden geht die Saat nicht so gut auf.

Hugo Kleuter

Die Auswirkungen auf die Ernte sind hinlänglich bekannt. Vor allem beim Mais mussten auch die Landwirte in Lüdinghausen und Seppenrade teils erhebliche Einbußen hinnehmen. Inzwischen richtet sich der Blick wieder verstärkt nach vorne: In den vergangenen drei Wochen haben Kleuter und seine Kollegen Wintergerste und -weizen sowie Roggen und Triticale ausgesät – mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen, wie Kleuter berichtet. „In schweren Böden geht die Saat nicht so gut auf, weil es dort schwieriger ist, an Wasser heranzukommen“, so der Landwirt. Der Rekordsommer 2018 könnte sich somit auch auf die Ernte im nächsten Jahr auswirken.

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