Konzert der Regensburger Domspatzen in St. Felizitas
Im Orbit der Stimmen

Lüdinghausen -

Sie waren nicht zum ersten Mal in Lüdinghausen, dennoch haben sie nichts an Anziehungskraft verloren. Am Freitagabend sorgten die Regensburger Domspatzen für eine volle St.-Felizitas-Kirche. Die vielen Zuschauer waren am Ende des Konzertes so begeistert, dass es minutenlange stehende Ovationen gab.

Montag, 29.10.2018, 15:52 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 28.10.2018, 17:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 29.10.2018, 15:52 Uhr
Genossen den Applaus der vielen Besucher: Domkapellmeister Roland Büchner und die Regensburger Domspatzen.
Genossen den Applaus der vielen Besucher: Domkapellmeister Roland Büchner und die Regensburger Domspatzen. Foto: Ulrich Coppel

Die Regensburger Domspatzen gelten als ältester Knabenchor und zugleich als einer der besten und berühmtesten Chöre weltweit überhaupt. Besonders groß waren deshalb am Freitagabend die Erwartungen an das Konzert des auch mit Männerstimmen gemischten Ensembles in der St.-Felizitas-Kirche. Sie sollten mehr als erfüllt werden.

Regionalkantor Thomas Kleinhenz begrüßte die bereits zum wiederholten Male in Lüdinghausen gastierenden Regensburger Domspatzen und das riesige Publikum im restlos besetzten Kirchenschiff. Ganz besonders aber hieß er seinen ehemaligen Lehrer in Studienzeiten, Domkapellmeister Roland Büchner, willkommen. Er leitet den Chor.

Kantor Thomas Kleinhenz spielte in der Chorpause Orgel.

Kantor Thomas Kleinhenz spielte in der Chorpause Orgel. Foto: Ulrich Coppel

Die „Spatzen“ begannen mit dem vierstimmig vertonten (Palmsonntags-) Antiphon: „Pueri Hebraeorum“ („Kinder der Hebräer“). Vorsichtig und behutsam, wie sich zarte Pflänzchen zum ersten Mal den Weg ans Licht bahnen, so fanden die edlen Knabenstimmen in dieser sakralen Renaissancemusik des Spaniers Tomás Luis de Victoria ihren Weg hinein in die Herzen ihrer Zuhörer. „Wunderschön“, murmelte es aus allen Ecken nach dieser ersten Kostprobe. Mit Orlando die Lassos „In Monte Oliveti“ („Ölberg“) und Marc’ Antonio Ingegnieris „Ecce Vidimus Eum“ („Hier sehen wir ihn“) folgten gleich noch zwei weitere Werke aus dieser Epoche, die im ersten Konzertteil einen Schwerpunkt bildete.

György Deák-Bárdos formte in „Eli, Eli“ („Mein Gott, Mein Gott“) nach einem renaissance-reminiszenten Antiphon ein homophones Klanggebäude bis hinein in höchste dynamische Gefilde. Auch hier vermochten die Domspatzen Maßstäbe zu setzen, etwa als sie, angekommen am Gipfelpunkt der Klage, buchstäblich mit ihren Stimmen in die Finsternis des Verlassenseins hinabglitten.

Mit punktuell verwandten großen Septimen geriet die Antiphon- und Psalm-1-Vertonung „Wohl dem, der nicht wandelt im Rat der Gottlosen“ des Zeitgenossen Ivan Moody ins äußere Orbit des klassisch-tonalen Tonsatzes. Der Rückweg, hinein in die Chorpause, gelang mit Giovanni Gabrielis „Jubilate Deo“ wieder im Renaissancestil.

Brahms „Wiegenlied“

Hochvirtuos gestaltete Organist Thomas Kleinhenz die Chorpause mit den Sätzen 3 und 4 aus Felix Mendelssohn-Bartholdys erster Orgelsonate, einem Monumentalwerk für dieses Instrument schlechthin.

Auch die zweite Konzerthälfte bestritten die Domspatzen ausschließlich á-cappella. Hier jedoch fanden zahlreiche Ausflüge hinein in die Romantik (zum Beispiel Anton Bruckners „Ave Maria“ sowie „Locus iste“) und die (tonale) Neuzeit statt (zum Beispiel Maurice Duruflés „Notre Père“ und „Ubi Caritas et amor“). Der runde programmliche Abschluss gelang mit Josef Gabriel Rheinbergers „Abendlied“, bei dem sich die Chorsänger und der über jeden Zweifel erhabene Dirigent Roland Büchner im Publikum verteilten.

Und – wie konnte es auch anders sein: Natürlich durfte ein hinreißendes Brahms „Wiegenlied“, besser bekannt als „Guten Abend, gut’ Nacht“, als Zugabe nicht fehlen. Was für ein großartiger Konzertabend mit minutenlangen stehenden Ovationen und Bravirufen!

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