Glasfaser im Außenbereich von Seppenrade schneller verlegt als geplant
Solidarisch buddelt’s sich schneller

Seppenrade -

Als die Initiatoren des „Buddelvereins“ loslegten, hätten sie nicht gedacht, dass sich ihre Idee in so kurzer Zeit umsetzen lässt: Eigentlich sollten die Erdarbeiten noch bis ins Jahr 2020 dauern, nun meldet der „Buddelverein“ in Seppenrade bereits Vollzug. Nach gerade einmal einem Jahr sind die Glasfaserleitungen im Außenbereich verlegt.

Mittwoch, 31.10.2018, 13:52 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.10.2018, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 31.10.2018, 13:52 Uhr
Beifall für diese beispiellose Solidaraktion: Jochen Wilms (r.) von der Wirtschaftsförderung des Kreises Coesfeld lobte den Einsatz der Seppenrader. Viele Anwohner fassten bei den Erdarbeiten mit an.
Beifall für diese beispiellose Solidaraktion: Jochen Wilms (r.) von der Wirtschaftsförderung des Kreises Coesfeld lobte den Einsatz der Seppenrader. Viele Anwohner fassten bei den Erdarbeiten mit an. Foto: mib

Da schwang auch eine Portion Stolz mit: „Der Kreis Coesfeld ist deutschlandweit bald der erste Kreis, der im gesamten Außenbereich mit der schnellen Glasfaser versorgt ist. Und unser ,Buddelverein‘ ist der größte Verein, der das im Außenbereich von Seppenrade in Eigenregie durchgeführt hat. Gleich vier Fernsehstationen haben über unser Vorhaben berichtet“, zeigten sich Antonius Vormann und Marcus Engbert , die beiden Vorsitzenden des Vereins „Teilnehmergemeinschaft für die Glasfaserverlegung im Außenbereich der Stadt Lüdinghausen für Seppenrade“, kurz „Buddelverein“, zum Ende der Erdarbeiten mit der Aktion zufrieden.

40 Multiplikatoren

  Foto: mib

Als vor gut drei Jahren die ersten Planungen anliefen, und vor einem Jahr die Erdarbeiten begannen, die bis ins Jahr 2020 dauern sollten, hatten die Verantwortlichen nicht im Traum daran gedacht, dass diese Maßnahme so einen Erfolg bringen würde. „322 Anschlüsse wurden gebucht. Das entspricht rund 90 Prozent der möglichen Anlieger. Unsere 40 Multiplikatoren in den Bauerschaften haben richtig gute Arbeit geleistet. Sie haben die Unterschriften für die Verträge und die Genehmigungen eingeholt, die Flächen zum Pflügen nutzen zu können“, betonte Vormann. Und Engbert fügte hinzu: „Ein ganz besonderes Dankeschön gilt nicht nur den Vorstandskollegen, sondern auch Bernd Heitmann, der zunächst alles grob geplant hatte und dann die Wünsche der Kunden in einer Karte erstellt hat. Diese Karte wurde von unserem Partner, der Muenet GmbH, eins zu eins übernommen.“ Die beiden Initiatoren haben viel Freizeit und Herzblut in das Projekt gesteckt.

Wenn das Wetter mitspielt, sind alle Arbeiten im ersten Quartal 2019 abgeschlossen.

Muenet-Geschäftsführer Partick Nettels

Sie lobten auch die gute Zusammenarbeit mit Marc Füstmann und der Firma Schrey & Lendermann, die die Federführung bei den Erdarbeiten über die 110 Kilometer hatten. „Doch ohne die großartige Hilfe der Landwirte und Anwohner im Außenbereich hätten wir das kaum geschafft. Bis zu 70 freiwillige Helfer packten an den Wochenenden mit an. Und wer zwei linke Hände hatte, der zauberte für uns ein tolles Frühstücksbuffet, kochte für die gesamte Helferschar ein mehrgängiges Mittagessen oder half als Fahrer für Besorgungen aus. Der Solidargedanke war riesig, und der Spaß auch“, so Vormann, der sich freute, dass seine Berufskollegen die Arbeiter auf ihre Flächen gelassen hatten, obwohl dort schon Getreide oder Mais standen. „Den kleinen Ausfall nehme ich gern in Kauf. Hauptsache, ich kann endlich mit dem schnellen Internet arbeiten“, so ein Kommentar. Die Anwohner in der Bauerschaft Ondrup arbeiten schon mit der neuen Technik. In Leversum und Emkum sind die Hausanschlüsse ebenfalls bald nutzbar.

Gemeinschaftsgefühl gelobt

Im Frühjahr, so hofft Vormann, sollte die Muenet GmbH alle Anschlüsse installiert haben. Dann hängt es von den laufenden Verträgen mit den alten Anbietern ab, wann der schnelle Anschluss ans weltweite Netz endlich genutzt werden kann. Das bestätigte auch Patrick Nettels, einer der beiden Muenet-Geschäftsführer. „Wenn das Wetter mitspielt, sind alle Arbeiten im ersten Quartal 2019 abgeschlossen. Die Zusammenarbeit mit dem ,Buddelverein‘ war viel schneller und besser als gedacht“, sagte Nettels, der die Stimmung und gute Laune auf den Baustellen und das große Gemeinschaftsgefühl lobte.

Vormann und Engbert gaben zu, dass es nicht immer reibungslos geklappt hat. So musste sich der Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann einschalten, um ein Leerrohr an der Grube-Brücke in Tetekum nutzen zu können, damit auch die Kunden östlich des Kanals versorgt werden. In Ondrup wurden die Anschlüsse von zwei Nachbarn vertauscht. Und in Tetekum sorgten Felsbänke in 40 Zentimetern Tiefe dafür, dass der Pflug seinen Geist aufgab, einer von insgesamt drei Schäden während der gesamten Maßnahme. Das Wetter sei für die Arbeiten zwar schön gewesen, doch der trockene Boden verlangte den starken Maschinen alles ab.

Silvesterraketen

Einig waren sich alle, als jetzt die letzten Meter Kabel in Tetekum – begleitet von einigen Silvesterraketen – verlegt wurden, dass sich das Abenteuer gelohnt hat. Zumal die Arbeiten ein Jahr früher als geplant abgeschlossen werden konnten. Jochen Wilms, Breitbandkoordinator der Wirtschaftsförderung Kreis Coesfeld GmbH, war beim Finale dabei. Auch er lobte das große Engagement und den Einsatz der Seppenrader.

„Wenn alle Anschlüsse verlegt und abgerechnet sind, wird zur ersten und letzten Mitgliederversammlung des ,Buddelvereins‘ eingeladen und dieser dann aufgelöst“, sagte Engbert. Und eine Helferparty wird auch noch folgen, versprach Vormann.  

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