Reihe des Theologischen Forums
Religionsvielfalt als großes Potenzial

Lüdinghausen -

Prof. Dr. Alexander-K. Nagel bezeichnete den „Pluralismus“ von Religionen beim Theologischen Forum der evangelischen Gemeinde als eine Werthaltung, die in der Konkurrenz von religiösen Gruppen viel Potenzial zur Neubelebung besitze. Zudem engagierten sich laut Nagel, in der Flüchtlingshilfe bisher doppelt so viele Muslime wie Christen.

Mittwoch, 31.10.2018, 04:30 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 31.10.2018, 04:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 31.10.2018, 04:30 Uhr
Prof. Alexander-K. Nagel
Prof. Alexander-K. Nagel Foto: privat

Von Marxloh war die Rede, von der durchaus problematischen Infrastruktur in diesem Duisburger Stadtteil mit seiner vermeintlichen Tendenz zu einer türkisch-muslimischen Parallelgesellschaft, aber auch von erfolgreichen Bemühungen der großen Moscheegemeinde und der christlichen Kirchen vor Ort, ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Religionsgemeinschaften zu organisieren.

Befürchtungen wurden angesprochen, die sich auf die religiöse und politische Radikalisierung gerade junger Muslime beziehen, und das auf dem Horizont sich allerorts leerender Kirchenbänke, eines sich schon lange abzeichnenden Glaubensverlustes und einer aus ökonomischen Gründen erzwungenen Fusionierung vieler christlicher Gemeinden.

Der Vortrag von Prof. Dr. Alexander-K. Nagel von der Uni Göttingen allerdings über die „Religionslandschaft Deutschland“, den er jetzt im Evangelischen Gemeindezentrum hielt, war optimistisch gestimmt. Rund 30 Personen waren gekommen, um sich anlässlich des Theologischen Forums über die Ergebnisse seiner wissenschaftlichen Analyse zu informieren und lebhaft zu diskutieren.

Nagel bezeichnete den „Pluralismus“ als eine Werthaltung, die in der Konkurrenz von religiösen Gruppen viel Potenzial zur Neubelebung besitze, weswegen die öffentliche Bedeutung von Religion sogar zunehmen könne. Antipluralistische Einstellungen dagegen – als Beispiel nannte er die hohen Zustimmungswerte für die AfD in Sachsen – entstünden bezeichnenderweise gerade dort, wo es kaum religiöse Pluralität und damit so gut wie keine konkreten und als positiv erfahrenen Kontakte mit Vertretern einer „fremden“ Religion geben kann.

Wir haben richtig dicke Bretter gebohrt.

Emeritierter Pfarrer über seine Tätigkeit in integrationspolitischem Arbeitskreis

Die Situation der ersten in den 1960er-Jahren von der deutschen Wirtschaft angeworbenen Arbeitsmigranten sei dadurch gekennzeichnet, dass die Muslime aus der Türkei hier keine passende religiöse Infrastruktur hätten vorfinden können, ganz im Unterschied zu muslimischen Migranten heute. Nagel belegte auch, dass es in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland fast doppelt so viele christliche Zuwanderer gegeben habe wie muslimische. Unfrieden entstehe immer wieder bei Auseinandersetzungen innerhalb der Islamverbände, unter denen die überwältigende Mehrheit der Sunniten den Ton angeben wolle und wo die Frage der öffentlichen Vertretung der Muslime immer wieder zu Streit führe.

„Wir haben richtig dicke Bretter gebohrt!“, meinte ein emeritierter evangelischer Pfarrer über seine Tätigkeit in einem integrationspolitischen Arbeitskreis in Hamm, dessen Erfolge er aber auch zu benennen wusste. Der Referent wies auf die Wichtigkeit interreligiöser Veranstaltungen vor Ort hin: Dazu zählten Dialogformate auf vielen Ebenen, bei denen manche Gemeinsamkeiten entdeckt werden könnten, aber auch Friedensgebete und nicht zuletzt „Events“ wie Fußballturniere, bei denen Fairness und Gastfreundschaft gefördert würden.

Überraschend für manche Zuhörer war sicher auch die statistische Auskunft von Nagel, in der Flüchtlingshilfe hätten sich bisher doppelt so viele Muslime wie Christen engagiert. Und das, obwohl in offiziellen kirchlichen Verlautbarungen immer wieder auf die vielen positiven Erfahrungen bei der Hilfe für geflüchtete Menschen hingewiesen worden sei.

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