Gedenkveranstaltungen zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht
Bürgerschaftliches Erinnern

Lüdinghausen -

In Gedenken an die Reichspogromnacht, die sich zum 80. Mal jährt, haben die katholischen und evangelischen Kirchengemeinden zusammen mit der Stadt Lüdinghausen, den beiden Gymnasien sowie der Gruppe Pax Christi und dem Theologischen Forum für den 9. November (Freitag) zwei Veranstaltungen organisiert, die zum bürgerschaftlichen Erinnern einladen sollen.

Freitag, 02.11.2018, 05:00 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 02.11.2018, 05:00 Uhr
Wollen unter anderem mit Steinen an die Ereignisse der Reichspogromnacht erinnern: (v.l.) Michael Kertelge (St. Felizitas), Anja Kleykamp (Stadt Lüdinghausen), Sabine Düstersiek, Sarah Krause und Jarno Hellkuhl (St.-Antonius-Gymnasium) und Karl-Heinz Kocar (Pax Christi/Theologisches Forum). Es fehlt die evangelische Pfarrerin Silke Niemeyer.
Wollen unter anderem mit Steinen an die Ereignisse der Reichspogromnacht erinnern: (v.l.) Michael Kertelge (St. Felizitas), Anja Kleykamp (Stadt Lüdinghausen), Sabine Düstersiek, Sarah Krause und Jarno Hellkuhl (St.-Antonius-Gymnasium) und Karl-Heinz Kocar (Pax Christi/Theologisches Forum). Es fehlt die evangelische Pfarrerin Silke Niemeyer. Foto: Heidrun Riese

Synagogen und Bethäuser wurden in Brand gesteckt, Friedhöfe verwüstet, Wohnungen und Geschäfte geplündert und zerstört. In der Reichspogromnacht richteten sich vom nationalsozialistischen Regime organisierte und gelenkte Gewaltmaßnahmen gegen Juden im gesamten Deutschen Reich. 80 Jahre danach wollen die katholische und die evangelische Kirchengemeinde in Kooperation mit der Stadt Lüdinghausen, den beiden Gymnasien sowie der Gruppe Pax Christi und dem Theologischen Forum an die Vorgänge insbesondere in der Steverstadt erinnern. Hierzu finden am 9. November (Freitag) zwei ökumenische Gedenkveranstaltungen statt.

Um 12 Uhr sind alle Interessierten auf den Platz vor der Volksbank an der Wilhelmstraße eingeladen. „Dort soll so etwas wie ein bürgerschaftliches Erinnern passieren“, beschreibt Michael Kertelge, Pastoralreferent der St.-Felizitas-Gemeinde, die Idee hinter dieser Zusammenkunft. Er wird eingangs einen Blick auf die Geschichte werfen. In der Nacht vom 8. auf den 9. November 1938, die vier Lüdinghauser zur Schreckensnacht für viele jüdische Einwohner machten. Sie wüteten zuerst in der Wohnung der Familie Kaufmann an der Olfener Straße, schlugen dann im Haus der Familie Strauss an der Bahnhofstraße alles kurz und klein und nahmen sich schließlich die Synagoge in der Hermannstraße vor, aus der sie die Kultgegenstände stahlen und diese auf dem Marktplatz anzündeten. „Die Taten sind zehn Jahre später juristisch verfolgt und dadurch dokumentiert worden“, informiert Kertelge.

Auch heute werden Menschen verfolgt.

Michael Kertelge

Bürgermeister Richard Borgmann hält im Anschluss eine Ansprache. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von der Cucumber-Brassband der evangelischen Kirchengemeinde. Schüler tragen außerdem Zeitzeugen-Berichte vor und ordnen die Ereignisse aus der heutigen Sicht ein. Zur Vorbereitung des Themas fanden am St.-Antonius-Gymnasium vorab Lesungen und Rezitationen statt, das Canisianum hat Gedenkgänge entlang der Stationen der Pogromnacht in Lüdinghausen veranstaltet. Mit dem Ablegen von Kieselsteinen am Denkmal in der Hermannstraße und einem weiteren Textvortrag endet die Veranstaltung am Mittag.

Um 19 Uhr beginnt am Platz der ehemaligen Synagoge ein Gedenkgang zum jüdischen Friedhof, zu der die beiden Kirchengemeinden alle Interessierten einladen. Es werden Fürbitten zu hören sein, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beleuchten. „Auch heute werden Menschen verfolgt“, betont Kertelge. „Auch für Psalme und Gebete ist Platz“, kündigt er an.

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