Salomon Perel überlebte die Nazi-Diktatur und mahnt die Jugend
Beklemmend aktuell

Lüdinghausen -

Seine Geschichte – 1990 unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt – klingt so unglaublich, dass sie aus der Feder eines Hollywoodregisseurs stammen könnte. Und doch ist sie wahr. Der heute 93-jährige Salomon Perel erzählte Schülern der beiden Gymnasien, wie er als jüdischer Junge die Nazi-Diktatur überlebte.

Mittwoch, 05.12.2018, 17:54 Uhr aktualisiert: 06.12.2018, 15:52 Uhr
Gebannt lauschten die über 200 Zehntklässler von Anton und Cani den Erzählungen des jüdischen Autors Salomon Perel.
Gebannt lauschten die über 200 Zehntklässler von Anton und Cani den Erzählungen des jüdischen Autors Salomon Perel. Foto: ben

Man hätte die berühmte Stecknadel fallen hören können, so mucksmäuschenstill war es in der großen Aula des St.-Antonius-Gymnasiums, als Salomon, genannt Sally, Perel seine Lesung vor den mehr als 200 Schülern der zehnten Stufe von Anton und Canisianum am Mittwochnachmittag beendete. Wobei, eine Lesung war es nicht wirklich. Der 93-Jährige Autor der Autobiografie „Ich war Hitlerjunge Salomon“ sprach die eineinhalb Stunden beinahe ohne einen Blick in seine Aufzeichnungen. Seine Erlebnisse während der Nazi-Diktatur, die er nur überleben konnte, weil es ihm gelang, sein Jüdischsein zu verheimlichen, sind Perel auch heute noch so präsent, dass er sie frei aus dem Gedächtnis erzählt. Mal mit einem wehmütigen Lächeln, wenn er von den noch glücklichen Kindertagen im niedersächsischen Peine spricht, wo er als Sohn eines streng gläubigen Rabbiners aufwuchs. Mal mit zittriger Stimme, als er den Abschied von seinen Eltern schildert, die ihn und seinen Bruder 1939 vor dem Gang ins Ghetto von Lodz bewahrten und die er niemals wiedersehen sollte.

An jedem einzelnen Tag hatte ich Angst, entdeckt und umgebracht zu werden.

Salomon Perel

Seine Geschichte – 1990 unter dem Titel „Hitlerjunge Salomon“ verfilmt – klingt so unglaublich, dass sie aus der Feder eines Hollywoodregisseurs stammen könnte. Die Stationen seiner Odyssee, ein polnisches Kinderheim, die deutsche Gefangenschaft, der Dienst als Dolmetscher in der Wehrmacht und schließlich 1943 von einem Hauptmann an eine Eliteschule der Hitlerjugend in Braunschweig geschickt – das alles ist keine Fiktion, sondern seine ganz reale Lebensgeschichte, die ihn bis heute nicht loslässt. „An jedem einzelnen Tag hatte ich Angst, entdeckt und umgebracht zu werden“, schildert Perel die Not dieser Jahre. Mit einer gespaltenen Seele lebe er seitdem, sagt Perel. Und damit schließt er auch an seine dringendste Botschaft an das junge Publikum vor ihm an. „Ich selbst habe erlebt, wie sehr Propaganda, diese tägliche Indoktrination, einen jungen Menschen beeinflussen kann.“ Obwohl er doch selbst als Jude der Todfeind der Nazis gewesen sei, hätten ihn ihre Ideen eines 1000-jährigen Reiches, ihre Uniformen und Fahnenaufmärsche begeistert. „Ich war zugleich der verängstigte kleine Judenjunge Sally und der euphorische Hitlerjunge ‚Jupp‘ in einer Person.“

Ich war zugleich der verängstigte kleine Judenjunge Sally und der euphorische Hitlerjunge ‚Jupp‘ in einer Person.

Salomon Perel

Als er viele Jahre später die Gedenkstätte Auschwitz besucht und dort in einer Baracke die gestapelten Schuhe der vergasten und verbrannten Kinder gesehen habe, da sei ihm klar gewesen: „Solange mich meine Schuhe tragen, werde ich die wahre Geschichte erzählen. Die Tränen jener getöteten Kinder sollen die Jugend heute dagegen impfen, jemals diesen von Hass geprägten Hetzparolen zu folgen, die wir bereits wieder auf den Straßen hören können.“

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