Familie Berning hegt ihre Erbstücke der Prinzessin von Lobkowicz
Die Krippe im Aquarium

Lüdinghausen -

Sie ist nicht die einzige Krippe im Hause Berning, aber eine mit einer ganz besonderen Geschichte. Die reicht zurück in die 1960er Jahre. Damals fertigte Christine Prinzessin von Lobkowicz auf Burg Vischering jene drei Figuren an, die Hedwig Berning Jahrzehnte später geerbt hat. Ein Aquarium spielt dabei auch eine gewisse Rolle.

Montag, 24.12.2018, 11:00 Uhr
Komplett in Handarbeit entstanden: In den Jahren 1963 bis 1966 fertigte Christine Prinzessin von Lobkowicz auf Burg Vischering die dreiteilige Krippe, die Hedwig Berning vor einiger Zeit geerbt hat.
Komplett in Handarbeit entstanden: In den Jahren 1963 bis 1966 fertigte Christine Prinzessin von Lobkowicz auf Burg Vischering die dreiteilige Krippe, die Hedwig Berning vor einiger Zeit geerbt hat. Foto: Anne Eckrodt

Es ist das Gesicht, das es ihr angetan hat. Das Gesicht eines Kindes, nicht das eines Babys. Obwohl die kleine Figur, die vor Hedwig Berning auf dem Küchentisch liegt, ein Neugeborenes darstellt. Das Jesuskind. Freimütig gesteht sie: „Ich nehme es oft in die Hand, weil es mich dann so nett anlächelt.“ Das verschmutzte Gesicht stört sie dabei überhaupt nicht, im Gegenteil. „Ich mache es bewusst nicht sauber“, sagt die 77-Jährige. Denn die Figur hat eine lange Geschichte.

Sie gehört zu einer dreiteiligen Krippe, die in den 1960er Jahren auf Burg Vischering entstand. Christine Prinzessin von Lobkowicz fertigte sie zwischen 1963 und 1966 an. Mitte der 1930er Jahre aus ihrer Heimat Böhmen nach Westfalen gekommen, lebte die Prinzessin bis zu ihrem Tod 1972 als Gesellschafterin und Betreuerin der Kinder in der Familie Droste von Vischering. „Sie war ein hochherrschaftliches Fräulein und eine Künstlerin, deren Hobby das Krippenmachen war“, weiß Hedwig Berning aus Erzählungen sowie aus dem Buch „Szenen aus dem Leben Lüdinghauser Frauen“, das die KFD St. Felizitas zu ihrem 100-jährigen Bestehen 1996 veröffentlicht hat. Edith Stienert und Dr. Ilona Tobüren-Bots haben der Prinzessin darin ein Kapitel gewidmet. Sie beschreiben ihre Arbeit als „stillen, lautlosen Protest gegen die Oberflächlichkeit, die Verflachung des Lebens“.

Unser Josef beispielsweise hat eine deutlich sichtbare Macke im Gesicht und einen demütigen Blick.

Hedwig Berning

Dabei haben alle Figuren stets etwas Menschliches. „Unser Josef beispielsweise hat eine deutlich sichtbare Macke im Gesicht und einen demütigen Blick“, erzählt Hedwig Berning, während sie die Figur vorsichtig in die Hand nimmt. Dabei falle sofort auf, wie leicht diese ist. „Das ist halt Pappmaché, ein mit Papier umwickeltes Drahtgestell. Die Prinzessin hat aus einfachsten Materialien etwas ganz Tolles gemacht“, ist die Lüdinghauserin immer wieder begeistert. Vom Gestell über die Kleidung bis hin zu den Gesichtern sind die Krippenfiguren komplett in Handarbeit entstanden.

Apropos Gesichter: Die seien das Schwierigste, weiß Hedwig Berning aus eigener Erfahrung. „Ich habe mal eine Fahne für die Feuerwehr gestickt. Das hat eineinhalb Jahre gedauert und das mit Abstand Schwierigste war das Gesicht des St. Florian. Alleine dafür habe ich 23 verschiedene Farben gebraucht“, erinnert sie sich. Dabei ist sie vom Fach, hat als junge Frau eine Handarbeits- und Kunstgewerbeausbildung absolviert. Prinzessin von Lobkowicz modellierte die Gesichter der Krippenfiguren aus Wachs. Hedwig Berning: „Jeder Tropfen muss einzeln getropft werden. Das dauert, zumal man immer wieder etwas verbessert, verfeinert.“ Daher wundert sie sich nicht, dass „ihre“ Krippe über einen Zeitraum von drei Jahren entstanden ist.

Das Jesuskind hat es Hedwig Berning besonders angetan.

Das Jesuskind hat es Hedwig Berning besonders angetan. Foto: Anne Eckrodt

Die Künstlerin selbst hat sie nie kennengelernt. Die drei Figuren sind Erbstücke von Regina Bagert. Hedwig Berning hat die Schwester des langjährigen Pfarrers von St. Felizitas, Alois Bagert, in deren letzten Lebensjahren bis zum Tod im Dezember 2013 betreut. „Regina Bagert hatte die Krippe von ihrem Bruder geerbt“, so Hedwig Berning. Und der Geistliche wiederum bekam sie seinerzeit von der Prinzessin geschenkt.

Während die Künstlerin früher Stammgast bei den Krippenschauen in Telgte war, ist Familie Berning mit der Präsentation ihrer Erbstücke sehr zurückhaltend. „Sie sind halt empfindlich und können das Anfassen nicht mehr gut haben“, sagt die Besitzerin. Vor ein paar Jahren jedoch hat sie eine Ausnahme gemacht: Bei der Krippenausstellung im Rahmen des Adventsmarktes waren die Figuren in Lüdinghausen zu sehen. „Als wir im Vorfeld überlegt haben, wie wir sie schützen können, kam die Idee, die Krippe in einem leeren Aquarium aufzubauen. Durch die Glasscheiben ist sie von allen Seiten zu sehen.“ Das sei gut angekommen, erzählt Hedwig Berning. „Es waren Leute da, die die Prinzessin noch erlebt haben. Sie haben sich gefreut, die von ihr geschaffene Krippe zu sehen. Damit holt man ja auch ein Stück Vergangenheit in die Gegenwart.“

So leben wir das ganze Jahr mit dieser Krippe.

Hedwig Berning

Die Ausstellung soll jedoch eine Ausnahme bleiben, so der Tenor innerhalb der Familie Berning. Das Aquarium hingegen ist seitdem der „Stall“ für die drei Figuren. Pünktlich zum ersten Advent halten sie damit Einzug in der Berningschen Küche. Bis zum 2. Februar – mit dem Festtag Mariä Lichtmess endet offiziell die Weihnachtszeit – bleibt die Krippe in der Küche. Dann kehrt sie zurück in den Kellerflur, wo sie den Rest des Jahres steht. Gut sichtbar. Hedwig Berning: „So leben wir das ganze Jahr mit dieser Krippe.“ Das Aquarium macht’s möglich.

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