Sekundarschüler zehn Tage ohne Internet
Verzicht wird schwerfallen

Lüdinghausen -

Zehn Tage wollen einige Sechst- und Achtklässler der Sekundarschule auf die Nutzung des Internet verzichten. Und das gänzlich freiwillig. Alle sind aber motiviert, es auch zu schaffen. Initiiert wurde das Projekt von Schulsozialarbeiter Tobias Höning.

Freitag, 11.01.2019, 09:00 Uhr
So richtig einschätzen können Finn Trautvetter (v.r.), Kimberley Chiara Heitmann, Lorena Matschei und Alicia Kremer nicht, was in den nächsten zehn Tagen auf sie zukommt. Solange wollen sie auf die Internetnutzung ihrer Handys verzichten.
So richtig einschätzen können Finn Trautvetter (v.r.), Kimberley Chiara Heitmann, Lorena Matschei und Alicia Kremer nicht, was in den nächsten zehn Tagen auf sie zukommt. Solange wollen sie auf die Internetnutzung ihrer Handys verzichten. Foto: wer

„Kein Schwein ruft mich an, keine Sau interessiert sich für mich“, heißt es in einem Lied von Max Raabe im Sound der 1920er Jahre. Ein kleine Gruppe Sechst- und Achtklässler der Sekundarschule trifft es in den kommenden zehn Tagen noch härter: Sie verzichten auf die Nutzung des Internet – und das freiwillig. „Telefonieren dürfen sie“, sagt Tobias Höning , „aber die anderen Kontaktmöglichkeiten bleiben abgeschaltet.“ Der Schulsozialarbeiter hat das Projekt initiiert und fünf Sechst- und Achtklässler zum Mitmachen gewonnen. Offizieller Start ist am heutigen Freitag.

Ich will es einfach mal ausprobieren.

Kimberley Chiara Heitmann

Finn Trautvetter kann noch gar nicht abschätzen, worauf er sich bei diesem Experiment eingelassen hat. „Ich habe bei der Abfrage einfach im Reflex die Hand gehoben“, sagt der Achtklässler. Seine Klassenkameradin Kimberley Chiara Heitmann hat sich gedacht: „Ich will es einfach mal ausprobieren.“ Sie nutzt ihr Handy sonst gleich mehrere Stunden am Tag. „Ich bin auf WhatsApp, Instagram und Snapchat“, sagt sie und weiß auch gleich: „Der Verzicht wird mir schwerfallen.“ Davon geht auch die Sechstklässlerin Lorena Matschei aus. Sie ist vorwiegend auf WhatsApp unterwegs.

Dass das Ganze keine leichte Aufgabe sein wird, davon ist auch der Schulsozialarbeiter überzeugt. Denn Freundschaften würden heutzutage ja nicht selten übers Internet geschlossen und gepflegt. Überhaupt sei der Begriff „Freund“ gänzlich anders definiert als in früheren Tagen. Selbst Verabredungen würden meist über WhatsApp-Gruppen oder -Kontakte getroffen. Keine leichte Aufgabe also, darauf zehn Tage zu verzichten, sagt Höning. Begleitet wird das Projekt zudem durch verschiedene Fragebögen, die die beteiligten Jugendlichen beantworten sollen.

Ich werde wohl öfter mit unserem Hund rausgehen.

Leona Matschei

Was sie mit ihrer gewonnenen Zeit in den nächsten zehn Tagen anfangen wollen, wissen die Schüler auch schon. Sie haben durchaus hehre Ziele. „Ich schreibe demnächst drei Arbeiten, darauf will ich mich vorbereiten“, sagt Kimberley. Auch Finn will sich „mehr mit der Schule beschäftigen“. Und Leona sagt: „Ich werde wohl öfter mit unserem Hund rausgehen.“ Alicia Kremer hat sich vorgenommen, mehr mit ihrem Bruder zu spielen und ihrer Mutter im Haushalt zu helfen.

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