Sexueller Missbrauch an Patientinnen
Gericht reduziert Bewährungsstrafe

Lüdinghausen/Coesfeld -

Wegen sexuellen Missbrauchs an zwei ehemaligen Patientinnen ist ein Psychotherapeut aus Coesfeld, der auch schon in Lüdinghausen tätig war, in zweiter Instanz verurteilt worden. Der 62-Jährige hatte einen Freispruch haben wollen – ein solcher kam für das Gericht aber nicht in Frage.

Mittwoch, 16.01.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 16.01.2019, 07:10 Uhr
Vor dem Landgericht Münster wurde der Psychotherapeut am Dienstag rechtskräftig verurteilt. 
Vor dem Landgericht Münster wurde der Psychotherapeut am Dienstag rechtskräftig verurteilt.  Foto: dpa

Einen Freispruch, wie er ihn gefordert hatte, hat ein 62-jähriger Psychotherapeut aus Coesfeld, der früher auch schon in Lüdinghausen tätig war, am Dienstag vor dem Landgericht Münster nicht bekommen. Dafür hielt ihm das Gericht zugute, dass er sich im Berufungsverfahren auf eine Berufsbeschränkung eingelassen hatte.

So fiel das Urteil wegen sexuellen Missbrauchs unter Ausnutzung eines Behandlungsverhältnisses diesmal milder aus als in erster Instanz beim Amtsgericht Coesfeld . Dieses hatte den Psychotherapeuten Anfang 2017 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung und einem Berufsverbot von drei Jahren verurteilt. In Münster erhielt er nun eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. Die Dauer des Berufsverbots wurde auf zwei Jahre verkürzt.

Berufsbeschränkung zugestimmt

Das Gericht hielt dem Psychotherapeuten zugute, dass die Berufsbeschränkung einem Schuldeingeständnis gleichkomme. Außerdem habe der Angeklagte zwei ehemaligen Patientinnen dadurch erspart, noch mal vor Gericht als Zeuginnen aussagen zu müssen. „Dennoch ist das Geständnis des Angeklagten nicht von Reue getragen“, machte der Vorsitzende Richter deutlich.

Dennoch ist das Geständnis des Angeklagten nicht von Reue getragen.

Der Vorsitzende Richter

Der Staatsanwalt hatte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten gefordert. Am dreijährigen Berufsverbot für den Psychotherapeuten wollte er festhalten. Die Anwälte der beiden Opfer sprachen sich beide dafür aus, die Berufung zu verwerfen und am Urteil des Amtsgerichts Coesfeld festzuhalten.

Bei Entspannungsübungen Brüste massiert

Das Gericht in der Kreisstadt sah es bereits damals als erwiesen an, dass der Verurteilte über zwei Jahre in mindestens 35 Fällen zwei Patientinnen sexuell missbraucht hat, indem er während der Entspannungsübungen die Brüste der Frauen massierte oder deren Hände in seinen Schritt legte. Inzwischen hätten sich zwei weitere ehemalige Patientinnen gemeldet, denen bei dem Psychotherapeuten Ähnliches widerfahren sei, so der Vorsitzende Richter am Dienstag. Bei einer Frau gehe es sogar um 62 Fälle des sexuellen Übergriffs.

Die Verteidigerin führte ins Feld, dass sich die Patientinnen abgesprochen haben könnten. Schließlich sei es unwahrscheinlich, dass sie beide unabhängig voneinander innerhalb von nur einer Woche Strafanzeige gegen den Psychotherapeuten erstattet hätten. Außerdem seien die Patientinnen wegen psychischer Auffälligkeiten in Behandlung gewesen. Das könne dazu führen, dass man „manchmal sehr böse werden könne“, sagte die Verteidigerin. Sie gehe außerdem davon aus, dass die Frauen im Hinblick auf ihre Aussagen manipuliert worden seien.

Die Zeuginnen hätten nicht die Wahrheit gesagt, so der Angeklagte selbst. Weitergehend äußerte er sich nicht zu den Vorfällen.

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