Spaziergängerin und Jäger kommen sich am Klutensee ins Gehege
Knallen kann es (fast) überall

Lüdinghausen -

Sabine Himstedt geht mit ihrem Hund am Klutensee spazieren und trifft dabei zufällig auf einen Jäger, der ohne Vorwarnung vor ihren Augen mit einem gezielten Schuss eine Taube vom Baum holt. Darf der das? Die WN haben nachgefragt.

Donnerstag, 31.01.2019, 10:00 Uhr
Während der Jagdsaison müssen Spaziergänger stets damit rechnen, ungewollt Zeuge eines Jagdgeschehens zu werden. Eine Pflicht, die Bevölkerung mit Warnschildern vorab zu informieren, gibt es dabei für die Jäger nicht.
Während der Jagdsaison müssen Spaziergänger stets damit rechnen, ungewollt Zeuge eines Jagdgeschehens zu werden. Eine Pflicht, die Bevölkerung mit Warnschildern vorab zu informieren, gibt es dabei für die Jäger nicht. Foto: Christiane Nitsche

Diesen Spaziergang wird Sabine Him­stedt wohl nicht so schnell vergessen. Am Vormittag des 5. Januar macht sie sich – wie schon so oft zuvor – mit ihrem spanischen Hütehund an der Leine auf den Weg von ihrer Wohnung im Schilfgürtel zu einem Spaziergang am Klutensee. Unterwegs begegnet sie dabei einem Jäger. „Der junge Mann überquerte einen alten Bolzplatz und kreuzte dabei meinen Weg“, erinnert sich die Hundebesitzerin. Und nur wenige Augenblicke später habe dieser dann – ohne Vorwarnung – sein Gewehr gehoben und mit einem gezielten Schuss eine Ringeltaube vom Baum geholt. „Das war kaum 20 Meter von uns entfernt. Ich habe mich total erschrocken und auch mein Hund war nach dem Schuss völlig verängstigt. Ich konnte nicht glauben, dass da direkt vor meinen Augen geschossen wurde“, zeigt sie sich noch immer geschockt und zudem auch verwundert. Letzteres vor allem, nachdem sie von den zuständigen Stellen erfahren hat, dass dort alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Kann das sein?

„Der Jäger hat lediglich Gebrauch von seinem Jagdrecht gemacht“, erklärt Detlev Terlisten, Leiter der Unteren Jagdbehörde beim Kreis Coesfeld, auf Nachfrage der WN . „Das Gebiet um den Klutensee gehört zu einem Jagdrevier, so wie fast alle Flächen außerhalb der bebauten Bereiche im Münsterland.“ Darum müssten Spaziergänger immer damit rechnen, dass sie ungewollt Zeuge eines Jagdgeschehens werden könnten. „Natürlich dürfen die Jäger dabei nicht fahrlässig handeln, also zum Beispiel ohne freies Sichtfeld schießen oder die Waffe in Richtung eines Menschen halten“, betont Terlisten. Beides sei bei dem genannten Vorfall nicht der Fall gewesen. Grundsätzlich aber gebe es keine gesetzlichen Vorgaben, in welcher Entfernung von unbeteiligten Personen die Jagd ausgeübt werden dürfe.

„Die meisten Jäger verhalten sich da schon sehr sensibel und nehmen Rücksicht“, sagt Bernd Kurth , Vorsitzender des Hegerings Lüdinghausen. „Wenn ich weiß, dass da direkt hinter mir Spaziergänger kommen, sollte ich schon Fingerspitzengefühl beweisen und die Gelegenheit zum Schuss dann mal auslassen“, rät Kurth.

Spaziergängerin Himstedt hätte sich dagegen gewünscht, vorab – zum Beispiel durch ein aufgestelltes Hinweisschild – über ein mögliches Jagdgeschehen informiert gewesen zu sein. „Dann hätte ich mich immer noch entscheiden können, ob ich dort trotzdem lang gehe oder lieber nicht.“ Allerdings gibt es auch dafür keine gesetzliche Regelung. „Das Aufstellen von Warnschildern erfolgt auf freiwilliger Basis“, so Kurth. Vor allem bei größeren Treibjagden würde auf diese Art das Umfeld informiert. Und das geschehe im beiderseitigen Interesse. Schließlich würden damit beispielsweise Autofahrer auf einen möglichen Wildwechsel hingewiesen. Grundsätzlich müssten Spaziergänger in der Jagdsaison allerdings immer damit rechnen, einem Jäger bei der Ausübung seiner Arbeit zu begegnen. „Aber wenn beide mit der Situation vernünftig umgehen und sich mit gegenseitiger Rücksichtnahme begegnen, gibt es auch keine Probleme“, so der Hegeringvorsitzende.

Eine Einschätzung, die, so scheint es, auch von der Statistik gedeckt wird. „Wir hatten in den vergangenen Jahren hier im Kreis Coesfeld keinen Jagdunfall, bei dem Personen zu Schaden gekommen sind", so Polizei-Pressesprecher Rolf Werenbeck-Ueding gegenüber den WN. Da Schussverletzungen grundsätzlich meldepflichtig seien, sei man als zuständige Waffenbehörde über jeden Fall informiert. „Bei der Vielzahl an Revieren im Kreis und der im Jahr durchgeführten Jagden können wir da von einer unproblematischen Situation sprechen.“

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