Prozess am Landgericht
Früherer Steuerfahnder sagt aus

Lüdinghausen/Münster -

Ein 67-jähriger Olfener und eine 58 Jahre alte Frau aus Celle müssen sich derzeit vor dem Landgericht Münster verantworten. Ihnen wird Steuerhinterziehung mit einer früheren Lüdinghauser Firma vorgeworfen. Jetzt sagte ein ehemaliger Steuerfahnder aus.

Mittwoch, 13.03.2019, 19:00 Uhr
(Symbolbild) 
(Symbolbild)  Foto: dpa

Den Richtern möchte der wegen Steuerhinterziehung mit einer Lüdinghauser Firma angeklagte 67-Jährige aus Olfen nichts sagen. Er verweigert die Aussage. Das Landgericht wählt deshalb andere Wege, um an Informationen zu gelangen, die der Mann früher schon gegeben hat, etwa gegenüber Finanzbehörden.

Im Verfahren gegen den 67-Jährigen und eine 58 Jahre alte Frau aus Celle, die bei Geschäften ihrer Firma MHS Ruhrmetall mit Silbergranulat knapp drei Millionen Euro Umsatzsteuer hinterzogen haben sollen, sagte jetzt ein früherer Steuerfahnder aus Dortmund aus.

Edelmetall-Bereiche sind strafrechtlich häufiger im Visier.

früherer Steuerfahnder

Im Januar 2012 habe er den Olfener vernommen. „Edelmetall-Bereiche sind strafrechtlich häufiger im Visier", sagte er. Einen möglichen Umsatzsteuerbetrüger hätten „Berliner Kollegen“ in dem 67-Jährigen gesehen und um Amtshilfe ersucht. Doch auch nach vier Stunden Gespräch in dessen Wohnung habe sich „kein Anfangsverdacht“ gegen den Olfener ergeben, „um selbst ein Strafverfahren einzuleiten“. „Erst im Nachhinein“, erklärte der Beamte, „als wir die kompletten Rechnungen durchgesehen haben und ermittelt wurde, wie die einzelnen Rechnungsbeträge entstanden sind“, hätten sich Indizien verdichtet.

Der 67-Jährige habe in der Vernehmung geschildert, dass eine Gesellschaft aus Berlin ihm vorgeschlagen hatte, Silbergranulat an- und an eine Scheideanstalt (für Edelmetallrecycling- und handel) in Pforzheim weiter zu verkaufen. Der Erlös ging demnach auf das Geschäftskonto in Lüdinghausen, von dem er dann Geld abhob, um es für die nächste Fuhre Silber mit nach Berlin zu nehmen.

Umsatzsteuerbetrug

Einer der Geschäftsführer, mit denen der Olfener in Kontakt war, sollte am letzten Verhandlungstag vernommen werden. Er wurde bereits in Berlin wegen Umsatzsteuerbetruges in dieser Sache verurteilt. Weil eingestellte Teile des Verfahrens wieder aufgenommen werden könnten, machte er am Landgericht keine Angaben.

Der Anwalt des 67-Jährigen bemängelte bei Gericht, dass sein Mandant vom Steuerfahnder „als Zeuge“ vernommen wurde. Er habe anders über seine Rechte und Pflichten belehrt werden müssen, falls er schon „als Beschuldigter“ gegolten habe. Denn dann hätte er womöglich anders ausgesagt. Das Gericht wies den Einwand zurück, weil der Fahnder ihn nicht willkürlich falsch belehrt habe.

 

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