Denkmal: Wirtschaftsgebäude aus dem Jahr 1875 an der Hermannstraße
Kleinod im Hinterhof erhalten

Lüdinghausen -

Was macht man mit einem alten, scheinbar überflüssigen Hinterhofgebäude aus dem Jahr 1875? Man kann es abreißen. Dr. Henning Friesicke sieht das anders: Er hat es unter Denkmalschutz stellen und sanieren lassen.

Samstag, 16.03.2019, 09:00 Uhr
Architektin Sabine Scherra hat im Auftrag von Henning Friesicke die denkmalgetreue Sanierung des rückwärtigen Gebäudes des Hauses Markt 13 – die Markt-Apotheke – übernommen. Der Anbau mit Blick zur Hermannstraße stammt aus dem Jahr 1875 und diente der damaligen Drogerie als Lager und Laboratorium.
Architektin Sabine Scherra hat im Auftrag von Henning Friesicke die denkmalgetreue Sanierung des rückwärtigen Gebäudes des Hauses Markt 13 – die Markt-Apotheke – übernommen. Der Anbau mit Blick zur Hermannstraße stammt aus dem Jahr 1875 und diente der damaligen Drogerie als Lager und Laboratorium. Foto: wer

Der Gedanke, das Gebäude abreißen zu lassen, sei ihm eigentlich nie wirklich gekommen. Aber: „Ich hätte es tun können“, sagt Dr. Henning Friesicke . Letztlich habe er sich aber für den Erhalt entschieden. Und so initiierte er nicht nur den Eintrag in die Denkmalliste, sondern sorgte zudem für die Sanierung des alten Wirtschaftsgebäudes an der Hermannstraße – von innen und außen. Es ist das Hinterhaus der Markt-Apotheke (Markt 13) und wurde 1875 als Laboratoriums- und Speichergebäude des damaligen Inhabers Heinrich Schnieder errichtet. Dieser betrieb dort eine Drogerie. Seit 1974 ist das Haus Sitz der Markt-Apotheke.

Die Aufgabe der denkmalgerechten Sanierung übernahm die Lüdinghauser Architektin Sabine Scherra. Die betont, dass es in der gesamten Phase von Vorbereitung bis Umsetzung ein „konstruktives Miteinander“ zwischen Bauherr, Stadt und Denkmalbehörde des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) gegeben habe.

Die Handwerker hatten sichtlich Spaß, daran hier mitzuarbeiten.

Sabine Scherra

Eine längere Diskussion habe es lediglich bei der Frage des Erhalts der ursprünglichen Fenster im ersten Stock des Gebäudes – dem Bereich des Denkmalschutzes – gegeben. Die seien allerdings derart marode gewesen, dass die Denkmalschützer schließlich auf deren Aufarbeitung verzichtet hätten. Scherra, der das Thema Denkmalschutz schon seit ihrem Architekturstudium am Herzen liegt, fand engagierte Lüdinghauser Unternehmen, die ähnlich denken. „Die Handwerker hatten sichtlich Spaß, daran hier mitzuarbeiten“, beschreibt sie.

Im Zuge der Arbeiten sei das alte Fachwerk des Obergeschosses – das Erdgeschoss ist ein massiver Mauerbau – sichtbar gemacht worden. Zudem wurden die Türen mit ihren alten Griffen aufgearbeitet. Auch die schmale, gewundene Holztreppe sei geblieben. Auf die Wände sei schließlich ein atmungsaktiver Kalkputz aufgetragen worden, „um ein optimales Raumklima zu schaffen“, sagt Scherra. Die besondere Herausforderung sei gewesen, „mit der vorgefundenen Substanz kreativ umzugehen. Ich liebe alte Materialien, die haben Geschichte. Es wäre schade, wenn das verloren ginge“, so die Architektin. Dazu gehörten auch „Fundstücke“ an den Wänden – farbige Tapeten, alte Zeitungsseiten, Lederbespannungen an den Holzbalken.

Die Auflagen in den Niederlanden in Sachen Denkmalschutz sind noch strikter als bei uns.

Henning Friesicke

Die Sanierung sei natürlich nicht reiner Selbstzweck gewesen, erklärt Friesicke. Die Räumlichkeiten – gut 50 Quadratmeter im Obergeschoss – werden von den Mitarbeitern der Markt-Apotheke als Sozialräume genutzt. Sein Faible für alte Gemäuer rührt schon aus früheren Jahren. Die Familie hat ein Haus auf Ameland – denkmalgeschützt. „Die Auflagen in den Niederlanden in Sachen Denkmalschutz sind noch strikter als bei uns“, erzählt er von seinen Erfahrungen im Nachbarland.

Friesickes Initiative für das Hinterhaus der Apotheke ist auch dem Lüdinghauser Heimatverein nicht verborgen geblieben. Bei der Feier des Stadtgeburtstags 2018 wurde er für seine Verdienste um das Stadtbild mit der „Goldenen Glocke“ ausgezeichnet. Freuen würden sich Bauherr und Architektin, wenn auch künftig der Blick auf das alte Wirtschaftsgebäude erhalten bliebe und die in der unmittelbaren Nachbarschaft geplante Bebauung dies zuließe.

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