Vortrag: „Altstadtlust? – Baukultur in Lüdinghausens Innenstadt“
Das Vorhandene wertschätzen

Lüdinghausen -

Gut 100 Besucher lockte Dr. Ludger Schröer zu seinem Vortrag „Altstadtlust – Baukultur in Lüdinghausens Innenstadt“ am Dienstag ins Pfarrheim St. Felizitas. Sein Plädoyer für die Wertschätzung historischer Gebäude fand breite Unterstützung. Harsche Kritik gab es an Politik und Verwaltung.

Donnerstag, 28.03.2019, 09:00 Uhr
Ludger Schröer hatte mit seinem Vortrag zum Thema Altstadt einen nerv getroffen. Rund 100 Besucher kamen am Dienstagabend ins Pfarrheim St. Felizitas.
Ludger Schröer hatte mit seinem Vortrag zum Thema Altstadt einen nerv getroffen. Rund 100 Besucher kamen am Dienstagabend ins Pfarrheim St. Felizitas. Foto: wer

„Altstadtlust? – Baukultur in Lüdinghausens Innenstadt“ hatte Dr. Ludger Schröer seinen Beitrag überschrieben. Dass viele Lüdinghauser seine Frage nach der Lust auf Altstadt zweifelsohne mit einem energischen „Ja“ beantworten würden, zeigte die Resonanz. Gut 100 Zuhörer fanden sich am Dienstagabend im Pfarrheim St. Felizitas ein, um dem Vortrag des Vorstandsmitglieds des „Vereins für historische ländliche Baukultur im Münsterland“ zu lauschen. Untermalt durch Fotos unternahm er einen Streifzug durch das Zentrum der Steverstadt, um an markanten Punkten auf historisch wertvolle Bausubstanz, erhaltenswerte Objekte, aber auch auf misslungene wie gelungene Architektur in der Altstadt hinzuweisen. Dabei stellte Schröer fest: „Lüdinghausen ist nicht das Quedlinburg des Münsterlands oder Rothenburg an der Stever.“ Aber: In der Stadt habe sich nach dem letzten großen Brand 1832 mit 154 zerstörten Gebäuden ein bunter Stilmix entwickelt. „Unsere Altstadt ist ein Produkt des 19. Jahrhunderts“, sagte der Historiker.

Lüdinghausen ist nicht das Quedlinburg des Münsterlands oder Rothenburg an der Stever.

Ludger Schröer

Ausdrücklich beklagte er, dass „durch ignorante Anschlussbebauung Altes entwertet“ werde. Als erhaltenswertes Objekt nannte er ausdrücklich das Fachwerkensemble an der Ecke Ostwall/Mühlenstraße, das seit Jahren vernachlässigt werde. „Wer Altstadt fordert, muss Altstadt fördern“, erklärte er in Richtung Stadt und Politik. Dabei dürfe man die Eigentümer nicht alleine lassen. Dringend erforderlich sei eine Erhaltungssatzung für die Altstadt, so seine Einschätzung. Es gehe darum, alte Bausubstanz wertzuschätzen. Denn: „Altes muss alt sein. Wir brauchen keine Maskerade, keinen Kitsch.“ Zugleich verwies er auf gelungene bauliche Anklänge an historische Vorbilder, etwa an der Hermannstraße. Dort seien erfolgreich „tradierte Bauformen aufgenommen worden“.

Altes muss alt sein. Wir brauchen keine Maskerade, keinen Kitsch.

Ludger Schröer

Deutlich harscher als der Referent gingen einige der Besucher der Veranstaltung mit der Situation in der Altstadt sowie dem Umgang in Rat und Verwaltung mit dieser Frage um. „Man wird für verrückt erklärt, wenn man Altes erhalten will“, so ein Teilnehmer. Heftige Kritik gab es zudem am Hotelkomplex in der Borg. „Das ist ein Klotz“, hieß es, der so gar nicht ins Bild passe. Insgesamt, so die Einschätzung eines Zuhörers, „tut die Stadt zu wenig“.

Da half es auch nichts, dass einer der anwesenden Kommunalpolitiker darauf verwies, dass die Politik angesichts bestehender Bebauungspläne „wenig Einflussmöglichkeiten hat“. Die Politik müsse sich den Vorwurf gefallen lassen, dass vieles in der Stadt im Verborgenen geschehe, die Bürger fühlten sich in Entscheidungsprozesse nicht eingebunden, wurde ihm entgegen gehalten. Vehement fiel in diesem Zusammenhang zudem die Ablehnung für ein Parkhaus am Ostwall aus. Das sei vollkommen unnötig, so die Ansicht im Publikum. Der Eigentümer einer denkmalgeschützten Immobile in der Altstadt beklagte, dass es für den Einsatz zwar viel Lob gebe, man aber sonst allein gelassen werde: „Das sind alles nur Lippenbekenntnisse.“

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