„Wein & Wort“ mit Autorin Karen Duve
Aus dem Leben der Droste

Lüdinghausen -

In der Reihe „Wein & Wort“ las am Mittwochabend die Autorin Karen Duve aus ihrem Buch „Fräulein Nettes kurzer Sommer“. Darin erscheint die Dichterin Annette von Droste Hülshoff so gar nicht in die Etikette ihrer Zeit zu passen.

Freitag, 12.04.2019, 12:00 Uhr aktualisiert: 12.04.2019, 16:18 Uhr
Das Veranstalterteam von „Wein & Wort“ (v.l.) Erna Schwalbe, Melanie Schnaase und Jan Stork begrüßte die Autorin Karen Duve (kl. Foto) zur Lesung in der Burg Vischering.
Das Veranstalterteam von „Wein & Wort“ (v.l.) Erna Schwalbe, Melanie Schnaase und Jan Stork begrüßte die Autorin Karen Duve (kl. Foto) zur Lesung in der Burg Vischering. Foto: Inga Kasparek

Es hat sich einiges verändert im Veranstaltungsteam der Reihe „Wein & Wort – Erlesener Ort“. Anstelle von „Miss Marples“ aus Nordkirchen hat nun die Buchhandlung Schwalbe aus Senden den literarischen Teil übernommen. Die VHS wird durch deren Mitarbeiterin Melanie Schnaase vertreten, lediglich Jan Stork steht wie gewohnt für den Teil „Wein“ auf der Bühne. Er begrüßte Karen Duve , die zum Auftakt der traditionell drei Veranstaltungen am Mittwoch abend auf der Burg Vischering passend zum historischen Umfeld aus ihrem neuesten Roman „Fräulein Nettes kurzer Sommer“ las.

Sie passte nicht in ihre Zeit

Annette von Droste Hülshoff passte zunächst einmal so gar nicht in ihre Zeit. Geboren am 12. Januar 1797 erfüllte sie da schon nicht die Erwartungen der Eltern, die unbedingt auf einen Stammhalter setzten. Ihr Verhalten und ihre Interessen kamen einem Jungen da allerdings schon viel näher. „Nette“ wie sie allgemein genannt wurde, war weder zurückhaltend noch still und bescheiden. All diese Eigenschaften waren ihr fremd. Und auch die Tatsache, dass sie sich zur Dichterin berufen fühlte, machte sie innerhalb der Familie nicht gerade zur Vorzeigetochter.

Als sich dann im Frühsommer 1819 der vielversprechende Dichter Heinrich Straube für Annette interessierte, stieß das innerhalb der Familie nicht bei allen auf Wohlwollen. Annette jedoch fühlte sich sehr zu ihm hingezogen, nahm er sie doch nicht nur ernst, er ermunterte sie auch in ihrer Dichtkunst. Als Straube seinen Verpflichtungen nachgehen und das Anwesen seines Freundes August von Haxthausen, wo sich die jungen Leute in dem besagten Sommer vergnügten, verlassen musste, eilte dessen Freund „der schöne Arnswald“ auf den Hof und machte Annette Avancen, alles im Grunde gegen die seinerzeit übliche Etikette des Adels.

Gegen die Etikette des Adels

Zurück in der Heimat schrieb dieser Verehrer, der nicht recht zum Zuge kam, dann aber Briefe, in denen von „Vorkommnissen“ die Rede war, die in Windeseile Annettes Ruf ruinierten. Dabei spielte es keine Rolle, was wirklich dran war, die Gerüchteküche brodelte und die Familie Annettes war mehr von der korrekten Haltung der beiden Männer als von der Tugend der Tochter überzeugt. Was diese in eine jahrelange Sinnkrise stürzte. Sie schrieb über einen langen Zeitraum keine einzige Zeile mehr, glücklicherweise hat sich das später wieder gegeben.

Karen Duve recherchierte sehr akribisch für diesen umfangreichen Roman, vom ersten Gedanken daran bis zur Fertigstellung vergingen beinahe fünf Jahre. Erst nach der Herausgabe des Buches hatte sie Gelegenheit, auch mit einigen Mitgliedern der Familie Droste Hülshoff in Kontakt zu kommen. Die zahlreichen Zuhörer waren sichtlich beeindruckt von ihrem Werk und stellten am Ende der Lesung noch viele interessierte Fragen, auf die die Autorin gerne und ausführlich antwortete. Eine Antwort jedoch blieb sie schuldig, nämlich die nach ihrem nächsten Roman. „Das verrate ich nicht, nur soviel: Es wird wieder ein historisch angelegter Roman sein“.

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