KFD für Gleichberechtigung
„Die Geduld ist langsam zu Ende“

Lüdinghausen -

Seit Lydia habe sich nichts getan, klagen die Frauen der KFD-Region Lüdinghausen. Die Weggefährtin des Apostels Paulus sei praktisch Diakonin gewesen, nur ungeweiht. Dass Frauen in der katholischen Kirche nicht gleichberechtigt sind, sei nicht zu verstehen.

Dienstag, 16.04.2019, 08:00 Uhr
Freundliche Blicke, entschiedene Haltung: Mechtild Dömer (v.l.), Mechtild Ernst und Doris Wiemann kämpfen für die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche.
Freundliche Blicke, entschiedene Haltung: Mechtild Dömer (v.l.), Mechtild Ernst und Doris Wiemann kämpfen für die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche. Foto: Christian Besse

Schon vor Jahren habe sie sich gefragt, warum den Dienst am Altar nicht auch Frauen ausführen können, erinnert sich Mechtild Dömer . „Bei der Vorbereitung zur Erstkommunion haben wir die Arbeit gemacht, und am entscheidenden Tag kam der Priester“, so die Dülmenerin. Heute setzt sie sich aktiv für die Gleichberechtigung der Frauen in der katholischen Kirche ein, einschließlich des Zugangs zu allen Ämtern.

Dömer und fünf weitere Frauen sind Mitglieder der KFD-Region Lüdinghausen, die es Leid sind, zu warten. „Wenn wir nichts machen, passiert gar nichts“, sagt die Nordkirchenerin Mechtild Ernst, ein weiteres Mitglied aus dem Team. Doch was sie machen können, erinnert an den steten Tropfen, der am Ende den Stein höhlt. „Die Basis, auch die Männer, wollen die Veränderung“, sagt Doris Wiemann aus Lüdinghausen, die sich gemeinsam mit Dömer und Ernst engagiert. „Aber der Basis sind die Hände gebunden, denn die Amtskirche blockt.“

Also tun die Frauen, was sie tun können. Etwa zum „Tag der Diakonin“ einladen, der bereits Tradition hat. In der heimischen KFD-Region wird er das nächste Mal am 29. April (Montag) begangen, mit einem Wortgottesdienst um 19 Uhr in der Vinnumer St.-Marien-Kirche. Das Motto: „Macht Kirche zukünftsfähig!“

Der Basis sind die Hände gebunden, denn die Amtskirche blockt.

Doris Wiemann

Diakonninnen gibt es nicht in der katholischen Kirche. Stimmt nicht, betont Dömer: „Es gibt viele Frauen, die diakonische Dienste machen – ob im Hospiz, bei der Tafel oder der Caritas . . .“ Nur dass sie eben nicht geweiht seien. Genau wie schon ihre Vorgängerinnen aus der Bibel: Eine der ersten nichtoffiziellen Diakoninnen sei die griechische Purpurhändlerin Lydia gewesen, eine Weggefährtin des Apostels Paulus.

Dass Frauen weder zur Diakonin noch zur Priesterin werden können, verstehen die drei KFD-Frauen nicht. Und berufen sich dabei auf das Neue Testament: „Unter dem Kreuz waren am Ende nur die Frauen, und auch die Auferstehung hat als Erste eine Frau verkündet“, sagt Dömer.

An der Basis seien sie mit ihrer Forderung nach absoluter Gleichberechtigung alles andere als allein, erklärt Wiemann. „Wir werden von unseren Ehemännern unterstützt, auch von Freunden und Bekannten.“ Sie alle scharren gleichsam mit den Füßen – und das nicht erst, seit die Kirche vor allem wegen der vielen Missbrauchsfälle in der öffentlichen Kritik steht: „Schon seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil warten wir darauf, dass sich endlich etwas tut“, so Wiemann. „Aber es tut sich nichts . . .“

Dass Frauen am Altar etwas Selbstverständliches sein könnten, sehe man doch an der evangelischen Kirche, sagt sie und zeigt auf den Artikel in der WN-Lokalausgabe Lüdinghausen, die am Montag über die Einführung der neuen Pfarrerin Jenny Caiza Andresen berichtete.

Das ginge auch in der katholischen Kirche, so Dömer. Und ergänzt: „Die Geduld ist langsam zu Ende.“

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