Persönliche Erinnerungen
Brand in Notre-Dame nimmt Lüdinghauser sichtlich mit

Lüdinghausen -

Paris ist zwar fern, die Bilder der brennenden Kathedrale Notre-Dame gehen aber dennoch vielen Lüdinghausern sehr nahe. Mit zwei von ihnen haben sich die WN unterhalten: Maria Edelbusch und Thomas Kleinhenz. Letzteren verbindet ein ganz besonderes Erlebnis mit dem Wahrzeichen.

Mittwoch, 17.04.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 17.04.2019, 11:20 Uhr
Zu einem ungeplanten Chorauftritt kam das Ensemble crescendo unter der Leitung von Thomas Kleinhenz 2016 in der jetzt zerstörten Kathedrale Notre-Dame.
Zu einem ungeplanten Chorauftritt kam das Ensemble crescendo unter der Leitung von Thomas Kleinhenz 2016 in der jetzt zerstörten Kathedrale Notre-Dame. Foto: AFP

Die erschreckenden Fernsehbilder aus Paris vom Montagabend mit der weltberühmten Kathe­drale Notre-Dame in Flammen und tausenden Menschen, die das Inferno, teilweise singend und betend, vom Ufer der Seine aus verfolgen – diese Bilder haben auch in Lüdinghausen Eindruck hinterlassen. „Ich kam gerade erst aus der Felizitas-Kirche von der letzten Probe des Kirchenchors vor Ostern nach Hause zurück“, erzählt Maria Edelbusch, seit 16 Jahren Vorsitzende der Deutsch-Französischen Gesellschaft, den Westfälischen Nachrichten . „Ich konnte erst gar nicht glauben, was ich da sah. Es ist ein so tolles Bauwerk. Es war unglaublich bedrückend, mit anschauen zu müssen, wie dieses für Frankreich und auch das Christentum so wichtige Symbol in Flammen aufgeht“, beschreibt die 65-Jährige ihre Gefühle.

Sie selbst hat Notre-Dame als Teenager zum ersten Mal besucht. „Seitdem bin ich unzählige Male dort gewesen, in den letzten Jahren meist im Rahmen einer Partnerschaftsreise nach Taverny“, berichtet Edelbusch. Noch vor einem Jahr habe sie die Krypta unterhalb der Kathedrale besucht, wo die beeindruckende Geschichte des Bauwerks auf Monitoren dargestellt werde. „Das war hochinteressant.“ Nun hofft sie, dass zumindest die wichtigsten Reliquien und Kunstschätze vor den Flammen gerettet werden konnten.

Der Lüdinghauser Chor „crescendo“ durfte 2016 spontan in der Kathedrale singen.

Der Lüdinghauser Chor „crescendo“ durfte 2016 spontan in der Kathedrale singen. Foto: privat

Eine Hoffnung, die auch von Thomas Kleinhenz geteilt wird. Der Regionalkantor, der auch die verschiedenen Chöre der St.-Felizitas-Gemeinde leitet, hat zu dem Pariser Wahrzeichen ein ganz besonderes Verhältnis. „Ich war im Oktober 2016 mit den Mitgliedern unseres Vokalensembles ,crescendo‘ zu einer Konzertreise in Taverny. Notre-Dame haben wir da eigentlich nur als Touristen besucht.“

Doch dann sei etwas Unglaubliches passiert: „Unser Chor durfte tatsächlich in der Kathedrale singen, ein unglaubliches Erlebnis und eine große Ehre, wenn man die Geschichte dieses Gebäudes bedenkt.“

Zustande gekommen ist das Überraschungskonzert damals quasi aus einer spontanen Idee heraus. „Einige Chormitglieder sagten während der Besichtigung, wie schade es sei, dort nicht auch singen zu können“, erinnert sich der Kantor. „Ich habe ihnen gesagt, dass wir sofort rausfliegen, wenn wir hier einfach zu singen anfangen.“

Das werde ich nie vergessen.

Thomas Kleinhenz

Doch losgelassen hat die Idee ihn nicht. Gemeinsam mit einem Begleiter aus Taverny machte er schließlich eine Ansprechperson ausfindig und siehe da: Zwei Tage später hatten die Lüdinghauser ihren Auftritt. „Und das im sonst für Besucher abgeriegelten Chorraum unmittelbar vor dem Hochaltar. Das werde ich nie vergessen, das war absolut beeindruckend“, blickt Kleinhenz mit einer großen Portion Wehmut angesichts der aktuellen Brandkatastrophe zurück. „Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was die Flammen alleine schon mit der berühmten historischen Kirchenorgel angestellt haben. Ich befürchte, da sind unzählige Schätze für immer zerstört worden.“

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