Ingenieurbüro prüft Stützen der Leistungssporthalle
Es geht um Zehntel-Millimeter

Lüdinghausen -

Seit vier Wochen herrscht Baustopp auf dem Gelände der künftigen Leistungssporthalle an der Konrad-Adenauer-Straße. Spezialisten eines Fachbüros aus Gotha prüfen dort zurzeit die Traglast der 131 Zugankerstützen für die Bodenplatten der Halle. Beim Ortstermin am Mittwoch waren rund 50 Pfeiler überprüft.

Donnerstag, 18.04.2019, 12:00 Uhr
„Schreibtisch“ der etwas anderen Art: Ingenieur Ulrich Wente prüft mit seinen Kollegen die Traglast der 131 Zugankerstützen in der Baugrube der Leistungssporthalle.
„Schreibtisch“ der etwas anderen Art: Ingenieur Ulrich Wente prüft mit seinen Kollegen die Traglast der 131 Zugankerstützen in der Baugrube der Leistungssporthalle. Foto: Anne Eckrodt

Der Blick von Ulrich Wente wandert zwischen dem Display des mobilen Prüfgeräts zu seiner Rechten und dem Monitor des Laptops vor ihm hin und her. Als „Schreibtisch“ dienen ihm zwei quergelegte Stahlträger. Denn: Der Di­plom-Ingenieur des Fachbüros WPing (Gotha) sitzt in keinem Büro, sondern in der Baugrube der Leistungssporthalle an der Konrad-Adenauer-Straße. Zusammen mit Kollegen prüft er dort die 131 rund zehn Meter langen Zugankerstützen auf deren Belastbarkeit.

Rund 50 der tief ins Erdreich eingelassenen Pfeiler sind am Mittwochmittag bereits kontrolliert. „Zwei Drittel davon entsprechen den vorgeschriebenen Normen, ein Drittel hat die Prüflast nicht erreicht“, berichtet der Beigeordnete Matthias Kortendieck bei einem Ortstermin. Seit vier Wochen ruhen die Arbeiten auf der Großbaustelle, da bei einer ersten Kontrolle einzelner Zugankerstützen die Ergebnisse laut Kortendieck „nicht befriedigend“ waren (WN berichteten).

Das ist seinerzeit durch Baugrundgutachten geprüft und abgesichert worden.

Arno Meyer

Daraufhin hatte sich die Stadt in Absprache mit dem Architekten der Halle, Arno Meyer , entschlossen, alle 131 Pfeiler prüfen zu lassen. Sie dienen als zusätzliche Sicherheit für den Extremfall eines Hochwassers und sollen verhindern, dass der Hallenkubus – ähnlich einem Schiff – Auftrieb bekommt, erläutert Meyer. Dabei wirken die Zugankerstützen, die mit einem Betonfundament in die Erde gerammt wurden, wie eine Art Dübel. „Da der Boden mit seiner Mergelschicht hier sehr unterschiedlich beschaffen ist, sitzen die Stützen an den jeweiligen Stellen auch unterschiedlich fest im Boden“, macht Kortendieck die Problematik deutlich.

Die Frage, ob es richtig war, mit dem Baukörper an der Stelle so tief in die Erde zu gehen, stellt sich in den Augen des Architekten und auch des Beigeordneten nicht. „Das ist seinerzeit durch Baugrundgutachten geprüft und abgesichert worden“, erläutert Meyer. Für Kortendieck spielt dabei auch der städtebauliche Aspekt eine Rolle, denn die Leistungssporthalle benötigt eine lichte Höhe von neun Metern. „Wären wir da nicht ein Stück in den Boden gegangen, hätte das bedeutet, dass der Baukörper weit über zwölf Meter ab Erdoberfläche in die Höhe geragt hätte. Und das wäre in dem Umfeld viel zu hoch gewesen“, betont Kortendieck.

Wir müssen erst das Prüfergebnis und damit die Ursachen kennen, ehe wir dazu etwas sagen können.

Matthias Kortendieck

Im Hintergrund arbeiten die Hydraulikpressen derweil akribisch weiter. In acht verschiedenen Stufen wird jede Zugankerstütze nach und nach bis zu der Kraft belastet, die sie laut statischer Berechnung tragen soll. Dabei wird jede Stufe eine Zeit lang gehalten, so Wente, und ermittelt, ob und wenn ja um wie viele Zehntel-Millimeter sich der Pfahl herauszieht. Meyer: „Das nimmt natürlich Zeit in Anspruch.“ Ende April, spätestens Anfang Mai sollen alle Ergebnisse vorliegen. Die gehen dann an einen Prüfstatiker, einen vereidigten Sachverständigen.

„Es gibt einen genauen Plan, welche Last jede einzelne der 131 Zugankerstützen tragen muss. Nach Abschluss der Überprüfung wird man sehen, ob die ursprüngliche Planung ausreicht“, so Meyer. Falls nicht, müssten möglicherweise zusätzliche Stützen eingesetzt werden. Auch hinsichtlich der Kosten lasse sich erst dann etwas sagen, fügte Kortendieck hinzu: „Wir müssen erst das Prüfergebnis und damit die Ursachen kennen, ehe wir dazu etwas sagen können.“

Fest steht hingegen, dass sich der Termin für die Fertigstellung der Leistungssporthalle Anfang nächsten Jahres nicht wird halten lassen. Kortendieck: „Wir hoffen jetzt, dass die Halle Ende des ersten Quartals 2020 in Betrieb gehen kann.“

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6550324?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Zwischen Gelassenheit und Videokontrolle
Polizeipräsident Hajo Kuhlisch durfte gemeinsam mit jungen israelischen Sicherheitskräften am Memorial Day einen Kranz niederlegen: „Eine sehr emotionale Erfahrung“, zeigte sich Kuhlisch hinterher beeindruckt.
Nachrichten-Ticker