Soleier gab es früher in vielen Kneipen
In einem Rutsch runter

Lüdinghausen -

Früher standen die großen Gläser auch in vielen Lüdinghauser und Seppenrader Gaststätten auf der Theke. Wer heute nach Soleiern sucht, braucht Geduld. Die WN sind der Tradition auf den Grund gegangen und haben eine Gaststätte ausfindig gemacht, in der es die österliche Spezialität noch gibt.

Samstag, 20.04.2019, 08:00 Uhr
Früher auch in vielen Lüdinghauser Gaststätten zu finden: das Glas mit Soleiern auf dem Tresen. Mene Uhlenkott bietet ihren Gästen im „Hotel zur Post“ das österliche Traditionsessen auch heute noch an.
Früher auch in vielen Lüdinghauser Gaststätten zu finden: das Glas mit Soleiern auf dem Tresen. Foto: Anne Eckrodt

Die Eiersuche hat Tradition zu Ostern . Wer allerdings diese ganz bestimmte Form von Eiern sucht, braucht heute viel Geduld. Früher hingegen standen sie in großen Gläsern auf nahezu jeder Kneipentheke. Die Rede ist von Soleiern. Zum Teil Wochen vorher gekocht und in Salzlake samt Gewürzen eingelegt, hatten sie an den Feiertagen Hochkonjunktur. „Echte Profis sagen, je länger sie stehen, desto besser schmecken die Soleier“, sagt Mene Uhlenkott . Dabei verrät der Gesichtsausdruck der Wirtin des „Hotels zur Post“, dass sie diese Auffassung nicht teilt. „Ich finde immer, je länger sie stehen, desto fieser werden sie.“ Dennoch: Unabhängig von eigenen Vorlieben setzt sie die selten gewordene Tradition fort und serviert ihren Gästen zu Ostern Soleier.

Früher, so erinnert sich die Gastronomin, standen die Gläser mit den Eiern nicht nur auf dem Tresen, sondern auch in den Hungertürmen. Eine Art Vitrine, die in die Theke eingebaut war. Darin lockten zudem Frikadellen und Käse­sticks. „Die Türme hießen so, weil man Hunger bekam, wenn man ihren Inhalt sah“, erzählt Uhlenkott mit einem Schmunzeln.

Vorher dötsche ich die Schale an, damit der Geschmack in die Eier ziehen kann.

Mene Uhlenkott

Heute werden die Soleier wieder ganz klassisch in großen Gläsern dargeboten, hergestellt nach einem alten Familienrezept. Nach dem Kochen – zehn Minuten – und Abschrecken kommen sie ins Glas. Uhlenkott: „Vorher dötsche ich die Schale an, damit der Geschmack in die Eier ziehen kann.“ Was für diesen Geschmack sorgt, listet sie aus dem Effeff ohne Nachzudenken auf: Salz, Piment, Lorbeer, Pfefferkörner und etwas Zucker. Ein oft verwendetes Traditionsrezept eben. All das wird aufgekocht und über die Soleier gegossen. „Damit das Wasser bräunlich wird, gebe ich noch eine Zwiebelschale dazu, die anschließend weggeworfen wird“, verrät die Fachfrau.

Mene Uhlenkott serviert ihren Gästen im „Hotel zur Post“ auch noch das österliche Traditionsessen Soleier.

Mene Uhlenkott serviert ihren Gästen im „Hotel zur Post“ auch noch das österliche Traditionsessen Soleier. Foto: Anne Eckrodt

Immer wieder fragen auch Gäste, denen der Inhalt der großen Gläser mit Soleiern fremd ist, nach, was das denn für eine Spezialität sei. „Einige Mutige probieren dann auch“, erzählt die Wirtin mit einem Augenzwinkern. Gibt es doch eine ganz bestimmte Verzehrzeremonie dafür. Und die geht so: Das Ei wird nach dem Pellen halbiert, mit einem Löffel werden dann die beiden Dotterhälften vorsichtig herausgeholt. Anschließend gilt es, die Kuhle mit Senf, Essig, Öl sowie Pfeffer und Salz zu füllen. Zum Schluss wird das Eigelb wieder eingesetzt. Und dann heißt es genießen – „aber unbedingt in einem Rutsch“, sagt Uhlenkott. Die Profis unter den Soleier-Fans trinken dazu das klassische Gedeck: ein Bier und einen Schnaps.

Der Rekord eines einzelnen Gastes im „Hotel zur Post“ liegt bei sieben Soleiern. „Da mussten es dann zwei Schnäpse sein“, erinnert sich die Wirtin.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6551838?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Staatsanwaltschaft Münster erhebt Anklage wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs
Drei Beschuldigte aus dem Münsterland: Staatsanwaltschaft Münster erhebt Anklage wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs
Nachrichten-Ticker