Neues vom Osterhasen
Hinten kurz und vorne lang 

Lüdinghausen -

Geliebtes Symbol und gefährdete Art: Der Feldhase steht immer zu Ostern besonders im Fokus. Warum seine Art in freier Wildbahn so gefährdet ist und wie man ihm helfen könnte – das erzählt Stephan Niesert.

Freitag, 19.04.2019, 08:00 Uhr
Hegeringsleiter Stephan Niesert hat neben „Meister Lampe“ auch gleich seinen kleinen Bruder mitgebracht. Wobei, wirklich verwandt sind die beiden Arten nicht. Allerdings gelten Kaninchen ebenso wie Feldhasen als gefährdet. Diese ausgestopften Exemplare gehören eigentlich in die „rollende Waldschule“ des Hegerings.
Hegeringsleiter Stephan Niesert hat neben „Meister Lampe“ auch gleich seinen kleinen Bruder mitgebracht. Wobei, wirklich verwandt sind die beiden Arten nicht. Allerdings gelten Kaninchen ebenso wie Feldhasen als gefährdet. Diese ausgestopften Exemplare gehören eigentlich in die „rollende Waldschule“ des Hegerings. Foto: ben

Die Ohren spitz und beeindruckend lang. Das Heckruder, auch „Blume“ genannt, dagegen eher überschaubar. Und doch ist es der schwarz-weiße Stummelschwanz, der in der Dämmerung weit sichtbar aufblitzt, wenn der Feldhase mit hohem Tempo über die Äcker und Wiesen jagt. Bis zu 70 Stundenkilometer schnell kann Meister Lampe werden. „Ein Fluchttier halt“, wie Hegeringsleiter Stephan Niesert es fachmännisch ausdrückt. Doch trotz seiner Schnelligkeit und den beinahe zwei Meter hohen Sprüngen, die er hinlegen kann, ist der Feldhase seinen Feinden nicht gewachsen.

Das grelle Licht der großen Scheinwerfer macht die Tiere völlig orientierungslos.

Stephan Niesert

Neben den Autos auf den Landstraßen sind das vor allem die Landmaschinen der Bauern. „Besonders wenn im Dunkeln auf den Feldern gearbeitet wird, haben sie keine Chance. Das grelle Licht der großen Scheinwerfer macht die Tiere völlig orientierungslos“, erklärt Niesert das Problem. Da Hasen – anders als Kaninchen – ihre Jungen nicht unter der Erde zur Welt bringen, sondern in flachen Mulden, den sogenannten Sassen, sind die Jungtiere extrem gefährdet.

Doch nicht nur die intensive Landwirtschaft hat der Population der Feldhasen so stark zugesetzt, dass sie mittlerweile auf der roten Liste der bedrohten Arten stehen. Auch aus der Luft droht dem Langohr zunehmend Gefahr – in Form von Krähen, die sich über die Jungtiere hermachen.

„Feldhasen brauchen vor allem zwei Dinge zum Leben“, weiß der Waidmann, „Grasflächen und Wasser.“ Das Gras diene sowohl als Futter, aber genauso auch als überlebenswichtige Deckung. „Dafür muss es natürlich eine gewisse Höhe haben.“ Darum sei es auch ein Anliegen des Hegerings, möglichst viele Landwirte davon zu überzeugen, zwischen ihren Äckern Altgrasstreifen stehen zu lassen. „Das kommt nicht nur dem Feldhasen zugute, davon profitieren auch andere Tierarten, wie beispielsweise Fasane, Rehe oder Wildkaninchen.“ Doch auch mit solchen Maßnahmen bleibe eine Feldhasenpopulation wie vor 50 Jahren eine Wunschvorstellung. „Dann müssten wir auch die Uhren in der modernen Landwirtschaft wieder auf frühere Zeiten zurückdrehen. Das kann niemand ernsthaft wollen“, ist Niesert überzeugt.

Wir schießen nicht einfach wahllos auf Feldhasen.

Stephan Niesert

Wenn aber der Feldhase so bedroht ist, warum wird er dennoch weiter bejagt? „Wir schießen nicht einfach wahllos auf Feldhasen“, erklärt der Hegeringsleiter, „wenn das so wäre, hätten wir schon lange keine Feldhasen mehr.“ Die Jagdaufseher würden vielmehr zunächst die Gebiete abfahren und den aktuellen Bestand zählen. Erst dann werde entschieden, wie viele Tiere in der Jagdsaison – die dauert beim Feldhasen von Mitte Oktober bis Ende Dezember – geschossen werden können, ohne die Population zu gefährden. „Außerdem bemühen wir uns darum, nur Alttiere zu entnehmen, die für die Fortpflanzung nicht mehr von großer Bedeutung sind“, betont Niesert.

Selbstverständlich ist für den passionierten Jäger natürlich auch, dass jeder geschossene Hase anschließend verwertet wird und in der heimischen Kühltruhe und später dann auf dem Teller landet. „Noch mehr Bio geht nicht“, schmunzelt der mittlerweile zweifache Großvater. Seine Kinder seien schon mit dieser Tradition groß geworden und auch die Enkel dürften ihn später gerne auf der Pirsch begleiten. „Natürlich nur, wenn sie wollen“, betont der 56-Jährige. Wie der junge Nachwuchs allerdings zum Schießen auf Osterhasen stehen wird, bleibt noch offen. Gerade jetzt, wenn Meister Lampe in Sachen bunter Ostereier wieder unterwegs ist.

Zum Thema

► Wissenschaftlicher Name: Lepus europaeus

► Größe: 50 bis knapp 60 Zentimeter

► Gewicht: bis zu acht Kilogramm

► Geschwindigkeit: bis zu 70 Stundenkilometer

► Lebenserwartung: in freier Wildbahn vier bis fünf Jahre, sonst bis zu zwölf Jahre

► Lebensraum: Europa, Amerika, Neuseeland,, Australien

► Ernährung: Gräser, Kräuter, Knollen, Kohl und Getreide

► Bei Einbruch der Dämmerung wird der Feldhase aktiv und geht auf Nahrungssuche. Tagsüber ist er meist während der Paarungszeit zu beobachten. Der Feldhase ist ein Säugetier. Er gehört nicht zu den Nagetieren, wie das Kaninchen, sondern zu den „Hasenartigen“.  

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