„Maria 2.0“: Interview mit Pfarrer Benedikt Elshoff
„Es gilt, neue Lösungen zu finden“

Lüdinghausen -

Die Mitglieder der drei Frauengemeinschaften St. Felizitas, St. Ludger und St. Dionysius haben sich mit einem einwöchigen Kirchenstreik an der Aktion „Maria 2.0“ beteiligt. Im WN-Interview nimmt Pfarrer Benedikt Elshoff Stellung zu der bundesweiten Initiative und den Forderungen der Frauen.

Samstag, 18.05.2019, 13:00 Uhr
Setzt auf „Einheit in der Vielfalt“ – auch bei der Frage des Priestertums der Frau: Pfarrer Benedikt Elshoff.
Setzt auf „Einheit in der Vielfalt“ – auch bei der Frage des Priestertums der Frau: Pfarrer Benedikt Elshoff. Foto: Anne Eckrodt

Eine Woche haben viele der Frauen, die sich ehrenamtlich in der Pfarrgemeinde St. Felizitas engagieren, gestreikt. Im Zuge der Aktion „Maria 2.0“ fordern sie unter anderem eine gleichberechtigte Kirche und die Öffnung der Ämter für Frauen. Unser Redaktionsmitglied Anne Eckrodt hat mit Pfarrer Benedikt Elshoff darüber gesprochen, was er während der Streikwoche vermisst hat, wie Gemeindepriester die Forderungen der Frauen unterstützen können und welche Rolle er künftig dem Zölibat beimisst.

Was haben Sie in der Woche, in der die Frauen gestreikt haben, vermisst?

Benedikt Elshoff: Es handelte sich ja um einen Streik der ehrenamtlichen Kräfte. In der Woche hatten wir lediglich eine Kirchenvorstandssitzung, an der haben die Frauen nicht teilgenommen. Sie hatten jedoch vorher sichergestellt, dass die Arbeit des Gremiums und die Gemeinde dadurch keinen Schaden nehmen. Anders hätte es ausgesehen, wenn die Erstkommunionvorbereitung und die Gottesdienste davon betroffen gewesen wären, denn die Arbeit dafür wird bei uns zu 95 Prozent von Frauen geleistet.

Männer würden übrigens genauso fehlen, wenn sie streiken würden.

Benedikt Elshoff

Das ist ein gutes Stichwort: Wie sähe der Alltag in der Pfarrgemeinde St. Felizitas aus, wenn die Frauen längerfristig streiken würden?

Elshoff: Wenn sich alle ehrenamtlich engagierten Frauen bei uns in der Gemeinde daran beteiligen würden, sähe es schlecht aus. Die Erstkommunionvorbereitung hatte ich ja schon angesprochen, doch das ist nur ein Bereich von ganz vielen, in denen die Frauen fehlen würden. Sei es, weil sie ganz konkret Aufgaben übernehmen, oder aber als eine Art Motor wirken, zum Beispiel bei der Gestaltung von Gottesdiensten. Männer würden übrigens genauso fehlen, wenn sie streiken würden.

Welche Anliegen der Initiatorinnen der Aktion „Maria 2.0“ können Sie nachvollziehen?

Elshoff: Da geht es ja im Wesentlichen um den hauptamtlichen Bereich, also die Öffnung von Kirchenämtern für Frauen. Dass diese Forderung gestellt wird, kann ich nachvollziehen. Darüber muss man nachdenken, und es ist wichtig, diese Frage immer wieder zu stellen. Wobei es nicht leicht ist, eine Antwort darauf zu finden, ohne dass damit weitere Spaltungen entstehen. Ich maße mir nicht an, zu wissen, was gut für die Kirche ist.

Es ist ein deutlicher Ruf an die Verantwortlichen, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

Benedikt Elshoff

Was könnte das Fass zum Überlaufen gebracht haben, dass die Frauen auf diese Weise die Initiative ergriffen haben?

Elshoff: Ich glaube nicht, dass hier ein Fass übergelaufen ist, sondern dass die Frauen gemerkt haben, dass das Thema bislang immer wieder zur Seite geschoben worden ist. Mit der Aktion „Maria 2.0“ geht es in meinen Augen darum, Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit für das Thema herzustellen und am Ball zu bleiben. Es ist ein deutlicher Ruf an die Verantwortlichen, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen.

In welcher Form können Gemeindepfarrer wie Sie die Frauen in ihren Forderungen an die Deutsche Bischofskonferenz beziehungsweise die Weltkirche unterstützen?

Elshoff: Über die Vertretung im Priesterrat und den damit verbundenen engen Kontakt zu den Bischöfen können die Pfarrer deutlich machen, dass das Thema nicht ausgestanden ist und ein Verharren in bisherigen Strukturen nicht funktionieren wird. Allerdings glaube ich auch nicht, dass eine kurzfristige Öffnung aller Ämter für Frauen zu einem dauerhaften Frieden in der Kirche führen würde. Dafür sind die Sichtweisen einfach zu verschieden. Die deutschen Bischöfe könnten hier weltkirchlich gesehen jedoch eine wichtige Funktion haben, weil viele der brennenden Fragen hier in Deutschland gestellt werden. Das zeigt sich unter anderem bei dem Missbrauchsskandal.

Im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal fällt immer wieder das Stichwort Zölibat. Und die Forderung nach Öffnung der Kirchenämter für Frauen ist eng verbunden mit der Forderung nach Abschaffung des Zölibats. Hat der Zölibat für Sie eine existenzielle Bedeutung für das Amt des Priesters?

Elshoff: Der Zölibat hatte in den vergangenen Jahrhunderten immer eine wichtige Bedeutung, wurde aber nie als Voraussetzung für das an sich Priesteramt betrachtet. Die katholische Kirche hat sich nur das Recht herausgenommen, ausschließlich ledige Männer zum Priester zu weihen. Das kann ein großes Gut sein, wenn es jedoch nur als Last gesehen wird, haben wir ein Problem. Meiner Meinung nach gilt es nun, neue Lösungen zu finden, ohne sich ganz vom Zölibat trennen zu müssen. Ich bin überzeugt davon, dass es immer auch ehelos lebende Priester geben wird, das sollte nur nicht mehr als verpflichtend angesehen werden. Und da hat die Aktion „Maria 2.0“ einen aufrüttelnden Charakter gehabt. Ich finde es gut, dass die Ehrenamtlichen die Initiative ergriffen haben, gleichzeitig hat mich das auch sehr nachdenklich gemacht.

Inwiefern?

Elshoff: Nachdenklich deshalb, weil ich mich ein wenig um die Einheit der Kirche sorge. Dabei haben wir gerade in Deutschland so viele Erfahrungen mit dem Thema Einheit in der Vielfalt – nicht zuletzt durch die Ökumene – gesammelt, dass wir der Weltkirche damit regelrecht etwas schenken könnten.

Genau diese „Einheit in der Vielfalt“ zuzulassen, müssen wir vielleicht ganz neu lernen.

Benedikt Elshoff

Hätten Sie ein Beispiel dafür?

Elshoff: Wenn ich mit meiner Kollegin Silke Niemeyer einen Gottesdienst feiere, fühlt sich das für mich nicht an wie zwei Kirchen, sondern wie eine Kirche. Das lässt sich am ehesten mit zwei Zweigen vergleichen, die letztlich zu einem Baum gehören. Genau diese „Einheit in der Vielfalt“ zuzulassen, müssen wir vielleicht ganz neu lernen. Das betrifft dann nicht nur den Bereich der Ökumene, sondern auch Fragen innerhalb unserer Kirche, wie die Frage des Priestertums der Frau. Auch da dürfen wir vielleicht lernen, mit verschiedenen Überzeugungen zu leben. Dass das in der Frage der Öffnung der kirchlichen Ämter für Frauen besonders heikel ist, liegt auf der Hand. Aber wenn wir es schaffen, hier Vielfalt in der Einheit zuzulassen, ergeben sich daraus große Möglichkeiten für die Einheit der Christen aller Konfessionen.

Aktion „Maria 2.0“ in Lüdinghausen

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  • Mit einer Mahnwache an der Felizitaskirche und einer Abschlussandacht an der Borg endete der einwöchige Kirchenstreik im Rahmen der Aktion "Maria 2.0".

    Foto: Arno Wolf Fischer
  • Mit einer Mahnwache an der Felizitaskirche und einer Abschlussandacht an der Borg endete der einwöchige Kirchenstreik im Rahmen der Aktion "Maria 2.0".

    Foto: Arno Wolf Fischer
  • Mit einer Mahnwache an der Felizitaskirche und einer Abschlussandacht an der Borg endete der einwöchige Kirchenstreik im Rahmen der Aktion "Maria 2.0". Im Folgenden weitere Impressionen.

    Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
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  • Abschluss der Aktion „Maria 2.0“ Foto: Arno Wolf Fischer
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