Prozess wegen Steuerhinterziehung
Olfener muss ins Gefängnis

Lüdinghausen/Münster -

Ein langwieriger Prozess vor dem Landgericht Münster wegen gemeinschaftlicher Steuerhinterziehung von 2,7 Millionen Euro endete am Dienstag mit dem Urteil. Einer der Angeklagten muss für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Dienstag, 28.05.2019, 19:00 Uhr
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(Symbolbild)  Foto: dpa

Wegen gemeinschaftlicher Steuerhinziehung in Höhe von 2,7 Millionen Euro hat das Landgericht Münster am Dienstag einen 68-Jährigen aus Olfen und eine 58-Jährige aus Celle belangt. Zusammen betrieben sie eine Firma namens „ MHS “ Ruhrmetall“ in Lüdinghausen.

In dem Wirtschaftsstrafverfahren – die WN berichteten – verurteilte die Kammer den Olfener zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis, seine ehemalige Geschäftspartnerin zu einem Jahr auf Bewährung.

Online-Gewinnspiel

Der Vorsitzende Richter erklärte, dass die beiden „sich keineswegs das gesamte Geld in die Tasche gesteckt haben“. Sie hätten „1,5 bis zwei Prozent“ der Summe als Marge für sich für den Lebensunterhalt verwendet. Die „Erlöse aus dem Geschäft“ hätten sie aber „gerne mitgenommen“, so der Richter, damit es wirtschaftlich „irgendwie weitergeht“.

Nachdem sich ein Online-Gewinnspiel mit SMS als Anbieter wirtschaftlich nicht mehr lohnte, hätten die Angeklagten die Firma „MHS Ruhrmetall“ gegründet. Dabei sei vor allem Silbergranulat von drei Firmen aus Berlin weitergereicht worden an eine Scheideanstalt in Pforzheim. Hierbei kam es, sagte der Richter, zur „Vorspiegelung einer Rechnungskette, die der Steuerhinterziehung diente“.

Gegen die Berliner Firmen wurden nach Ermittlungen der Steuerfahndung dort teils selbst Steuerstrafverfahren eingeleitet. Die Weiterverwertungsfirma in Pforzheim überwies die Rechnungsbeträge ganz legal nach Lüdinghausen. Dort hätten die Angeklagten „hohe sechsstellige Beträge“ abgehoben und das Geld „direkt nach Berlin“ gebracht.

Der Sinn lag darin, zu verschleiern, wo das Metall herkam.

Der Richter

Das Edelmetall allerdings stammte nicht einmal von den Berliner Firmen, sondern von einem unbekannten Dritten, der selbst nicht habe in Erscheinung treten wollen, so der Richter. „Der Sinn lag darin, zu verschleiern, wo das Metall herkam.“

Der Anwalt des Olfeners mutmaßte in seinem Plädoyer, dass das Silber gestohlen sein könnte und der eigentliche Drahtzieher „heute in der Türkei von seinem Call-Center aus“ weiter illegale Geschäfte tätige. Dennoch: Die Angeklagten hätten sich zwar „vor den Karren spannen lassen“, sagte der Richter in der Urteilsbegründung, aber auch „billigend in Kauf genommen“, dass steuerlicher Schaden entstehe.

Wegen überlanger Verfahrensdauer – die Fälle bezogen sich auf die Jahre 2011 und 2012 – gelten für beide Strafen jeweils sechs Monate als bereits vollstreckt.

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