Stimmen von Lüdinghauser Sozialdemokraten
Nahles-Rücktritt: Erwartet bis ersehnt

Lüdinghausen -

Als Andreas Nahles am Sonntag ihren Rückzug von allen Ämtern angekündigt hat, hielt sich die Überraschung bei den Lüdinghauser Sozialdemokraten in engen Grenzen. Der Ortsvereinsvorsitzende und der Fraktionschef würden jetzt auch lieber heute als morgen die Große Koalition beendet sehen.

Montag, 03.06.2019, 19:00 Uhr
Kündigte am Wochenende ihren Rücktritt von allen Ämtern an: die bisherige Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles.
Kündigte am Wochenende ihren Rücktritt von allen Ämtern an: die bisherige Partei- und Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles. Foto: dpa

Überrascht hat der Rückzug von Andrea Nahles die Führung der Lüdinghauser SPD nicht. Im Gegenteil: „Ich habe ihn erwartet, da sie keinen Rückhalt in Partei und Fraktion mehr hatte“, sagte Niko Gernitz , Vorsitzender des Ortsvereins, auf Anfrage der WN . Fraktionschef Michael Spiekermann-Blankertz wurde noch deutlicher: „Dass ich über den Rücktritt von An­drea Nahles nicht traurig bin, dürfte niemanden überraschen.“

In der Tat hatte Spiekermann-Blankertz zuletzt in seiner Reaktion auf das Abschneiden der Sozialdemokraten bei der Europawahl vor gut einer Woche klipp und klar gesagt, dass er die bisherige Partei- und Fraktionschefin für die falsche Person an der SPD-Spitze hält und es höchste Zeit für personelle Konsequenzen sei. „Ich will dabei gar nicht verhehlen, dass Andrea Nahles innerhalb der Fraktion gute Arbeit geleistet hat, allerdings ist das nicht nach außen gedrungen“, so Spiekermann-Blankertz. Der Umgang mit ihr – und da ist er sich mit Gernitz einig – sei sicherlich nicht immer fair gewesen. „Das hatte ganz bestimmt keine Vorbildfunktion“, räumte er ein.

Es ist besser, als wenn das jetzt eine einzelne Person machen würde.

Michael Spiekermann-Blankertz zum kommissarischen Führungstrio

Das Trio Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel, das die SPD nun kommissarisch führen soll, halten die beiden Lüdinghauser Sozialdemokraten für eine gute Lösung. „Es ist besser, als wenn das jetzt eine einzelne Person machen würde“, so Spiekermann-Blankertz. Gernitz räumte ein, dass er sich über Schäfer-Gümbel ein wenig wundere, schließlich habe der doch erst kürzlich ebenfalls seinen Rückzug angekündigt. „Dass zwei taffe Frauen dabei sind, finde ich gut“, sagte der Parteivorsitzende. Mit Blick darauf, wer die SPD künftig dauerhaft führen könnte, steht für ihn fest, dass das nicht der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert sein werde. Denn: „In meinen Augen fehlt ihm in vielerlei Hinsicht das Gespür dafür, die ganze Partei mitzunehmen.“

Ich kann mir gut vorstellen, dass der oder die nächste Parteivorsitzende per Mitgliederentscheid gewählt wird.

Niko Gernitz

Das Kapitel Große Koalition würden übrigens beide SPD-Kommunalpolitiker lieber heute als morgen beenden. Nach Auffassung von Fraktionschef Spiekermann-Blankertz kann der „dringend notwendige Erneuerungsprozess nur in der Opposition gelingen“. Gernitz verhehlt nicht, dass einige gute Inhalte entwickelt worden seien. „Der große Wurf war das jedoch nicht. Was sich auch darin zeigt, dass die Groko für die SPD in der Wählergunst rein gar nichts gebracht hat.“ Seiner Meinung nach muss die SPD deutlich basisdemokratischer werden – auch im Hinblick auf die Findung ihres Führungspersonals. „Ich kann mir gut vorstellen, dass der oder die nächste Parteivorsitzende per Mitgliederentscheid gewählt wird“, machte Gernitz deutlich.

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