Mindestlohn für Auszubildende
„Problem ist nicht die Vergütung“

Lüdinghausen -

Ein Mindestlohn für Auszubildende soll kommen. Doch eine kleine Umfrage unter Lüdinghauser Ausbildungsbetrieben ergab, dass zumeist schon mehr Geld für Lehrlinge bezahlt wird. Dennoch sei das Interesse an handwerklichen Berufen bei Schulabgängern gering.

Mittwoch, 19.06.2019, 09:00 Uhr
Kendi Nijewan macht im Salon Denter eine Ausbildung zum Friseur und ist überzeugt, einen schönen Beruf zu lernen.
Kendi Nijewan macht im Salon Denter eine Ausbildung zum Friseur und ist überzeugt, einen schönen Beruf zu lernen. Foto: Marion Fenner

Mindestens 515 Euro soll ein Auszubildender im ersten Lehrjahr künftig erhalten. Das sieht eine jetzt vom Bundeskabinett beschlossene Reform des Berufsbildungsgesetzes vor. Nach dem von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek ( CDU ) geplanten Gesetzesvorschlag soll die Mindestvergütung weiter steigen: Wer 2021 eine Ausbildung beginnt, soll mindestens 550 Euro bekommen, 2022 sollen es 585 Euro sein und im Jahr darauf 620 Euro.

„Das Problem ist nicht die Vergütung“, sagt Michael Geiping von der Bäckerei Geiping. „Das eigentliche Problem ist, überhaupt Auszubildende zu finden, die ein Handwerk lernen wollen.“ Die meisten Branchen, die Tariflöhne bezahlen, lägen ohnehin schon über dem geforderten Betrag von 515 Euro. „Wir zahlen im ersten Lehrjahr ab September 615 Euro“, sagt Geiping.

Weiterbildung

Auch im Friseursalon Angelika von Serpil Erbay und im Salon Denter von Renate Höhmann werden Tariflöhne bezahlt. Doch auch dort klagen die Inhaberinnen darüber, dass es viel zu wenig wirklich interessierte Bewerber gebe. Dabei, so versichern beide, sei es ein schöner Beruf, den Kunden auch zu schätzen wüssten. Schließlich verlasse der Kunde das Geschäft in der Regel schöner als bei seinem Eintreffen.

„Bei einer Ausbildung investiert der Arbeitgeber in eine künftige Fachkraft“, sagt Ulrich Müller , Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Kreis Coesfeld. „Der Lohn ist eher als Aufwandsentschädigung zu sehen.“ Dafür erhalte der Lehrling umfangreiches Fachwissen, ein zusätzliche Weiterbildung und in vielen Fällen noch Zusatzleistungen, zu denen auch die Finanzierung des Auto-oder Anhänger-Führerscheins gehören könne, erklärt Müller.

Bei einer Ausbildung investiert der Arbeitgeber in eine künftige Fachkraft.

Ulrich Müller, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Kreis Coesfeld

„Wer studiert oder einen Ausbildung zum Physiotherapeuten macht, erhält überhaupt kein Geld, sondern muss seine Ausbildung selbst bezahlen“, erklärt der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Jeder Ausbildungsbetrieb investiere jährlich rund 20- bis 25 000 Euro in seine Nachwuchskräfte.

Geld könne nicht allein die Motivation sein, eine Ausbildung zu ergreifen. Die Arbeit müsse Spaß machen und das Interesse daran vorhanden sein. Im Übrigen werde in den meisten Ausbildungsberufen schon jetzt mehr bezahlt, als der geforderte Mindestlohn.

Zusatzleistungen

„Wir bieten unseren Lehrlingen umfangreiche Zusatzleistungen“, berichtet Geiping. „Jeder bekomme einen Paten zur Seite gestellt, wir veranstalten gemeinsame Aktionen und geben finanzielle Anreize wie Kilometergeld für die Fahrt zum Arbeitsplatz oder zahlen vermögenswirksame Leistungen.“ Aber auch Geiping ist davon überzeugt, dass die Bezahlung in der Ausbildung kein Kriterium für den Grund einer Ausbildung sein könne.

Ähnlich sieht das Kerstin Nehls von der Fleischerei Kern. „Der Mindestlohn bringt uns keine neuen Auszubildenden.“ Davon abgesehen, werde in ihrer Branche zumeist tariflich – und damit oft mehr als der geforderte Mindestlohn – bezahlt. Fleischer oder Fleischereifachverkäufer wolle heute einfach kaum noch jemand werden. „Dabei ist das ein wirklich cooler Beruf, mit vielen Chancen“, ist Nehl überzeugt. „Wir arbeiten kreativ, experimentieren mit neuen Rezepten, beraten Kunden, können neue Ideen einbringen und arbeiten in einem tollen Team.“ Nach der Ausbildung gebe es viele Möglichkeiten, auch gutes Geld zu verdienen. Aber ein Mindestlohn, davon ist auch Nehls überzeugt, sei nicht der entscheidende Punkt, um junge Menschen von einer Ausbildung zu überzeugen.

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