„Anton“-Schülerinnen gewinnen Geschichtswettbewerb
Mit Zeitreisen beeindruckt

Lüdinghausen -

Zwei Teenager machen sich auf und tauchen tief in die Historie des Heimatortes und der eigenen Familie ein. Und das tun die beiden so gut, dass es am Ende für gleich zwei Landessiege beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten reicht.

Mittwoch, 03.07.2019, 17:37 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 16:08 Uhr
Patricia Fink (l.) und Julie Middelmann mit ihren Urkunden, mit denen sie für ihre Landessiege ausgezeichnet wurden
Patricia Fink (l.) und Julie Middelmann mit ihren Urkunden, mit denen sie für ihre Landessiege ausgezeichnet wurden Foto: Christian Besse

Darauf sind wir richtig stolz“, sagt Jörg Schürmann, stellvertretender Leiter des St.-Antonius-Gymnasiums. 2017 war die „Anton“-Schülerin Emma Edelbusch mit der Arbeit „Religion – ein Trost im Krieg“ Landessiegerin beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten geworden. Nun haben gleich zwei Schülerinnen beim alle zwei Jahre ausgetragenen Wettbewerb nachgelegt: Auch Julie Middelmann und Patricia Fink landeten NRW-weit ganz vorne. Im Haus der Geschichte in Bonn wurden sie nun mit Urkunden für ihre ersten Plätze ausgezeichnet.

Die 14-jährige Middelmann hatte die Juroren mit ihrer Arbeit „Der Zweite Weltkrieg in Lüdinghausen und Umgebung“ beeindruckt, ihre 15-jährige Mitschülerin mit „Der Aufbruch in die neue Heimat“, einem Text über die ersten Jahre von russlanddeutschen Aussiedlern in der Bundesrepublik. Ein Dreivierteljahr haben die beiden auf die Recherche und das anschließende Schreiben verwendet. „Ich finde es toll, das die Mädchen das durchgezogen haben. Das erfordert sehr viel Ausdauer und Selbstdisziplin“, so Schürmann, auch Geschichtslehrer von Middelmann. Sein Kollege Johannes Kretschmer, am „Anton“ für Erinnerungs- und Gedenkkultur zuständig, ergänzt: „50 Seiten zu formulieren sind Schüler dieses Jahrgangs noch nicht gewohnt.“

Fiktives Tagebuch spiegelt Kriegsjahre wider

Middelmann hatte für den Wettbewerb ein fiktives Tagebuch über die Jahre von 1939 bis 1945 geschrieben und sich dafür in ein Mädchen hineinversetzt, das beim Kriegsausbruch 14 Jahre alt ist und den Zusammenbruch des Dritten Reichs als 20-Jährige erlebt. Viel Raum für Fantasie blieb dabei nicht: Ihr Text orientiert sich streng an historischen Fakten – wie etwa den Rohstoffmangel im Münsterland, Goebbels‘ im Rundfunk übertragene Rede im Berliner Sportpalast 1943 oder die Bombardierungen von Lüdinghausen und Köln, wo eine Brieffreundin der Tagebuchschreiberin wohnt.

„Wie haben Jugendliche im Zweiten Weltkrieg gelebt?“, hatte sich Julie Middelmann gefragt, als sie das Thema für den Geschichtswettbewerb wählte. Antworten fand sie im Lüdinghauser Stadtarchiv und in vielen Gesprächen mit ihrer Großmutter, die den Krieg selbst als junges Mädchen erlebt hatte.

Familiengeschichte zwischen zwei Welten

Gleich mit mehreren Verwandten sprach Patricia Fink für ihre Arbeit. Die Urgroßeltern, Großeltern und Eltern der „Anton“-Schülerin waren in den späten 80er- und in den 90er Jahren aus Kasachstan, damals noch Teil der Sowjetunion, nach Deutschland ausgewandert. Ihre Eltern waren damals genauso alt wie die 15-Jährige Fink heute.

„Es war schwierig, loszulassen und sich ein neues Leben aufzubauen“, sagt die Schülerin. Sprachliche und finanzielle Probleme sowie Schwierigkeiten, eine Arbeitsstelle zu finden, hätten die ersten Jahre ihrer Familie in der Fremde begleitet. „Es war nicht das Schlaraffenland, das sie sich vorgestellt hatten.“

Mit den Jahren jedoch wurden die Probleme kleiner, inzwischen sind die ehemaligen Russlanddeutschen in Lüdinghausen angekommen. Mit Ausnahme von Finks Eltern: „Sie fühlen sich noch heute, als würden sie zwischen zwei Stühlen sitzen“, sagt die 15-Jährige. Vor allem der Zusammenhalt sei in der Sowjetunion größer gewesen, notgedrungen: „Da musste man sich einfach gegenseitig helfen.

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