Bei Megagruppe an den Drums
Ein Schlagzeuger mit 1001 Kollegen

Lüdinghausen -

Charlie Watts und Udo Arntzen haben eines gemeinsam: Sie haben schon für die „größte Band der Welt“ getrommelt – der Engländer im übertragenen, der Lüdinghauser im Wortsinn.

Mittwoch, 10.07.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 10.07.2019, 09:54 Uhr
Beeindruckend die Bandgröße, beeindruckend die Kulisse – bevor der Opener „Highway to Hell“ ertönte, musste Schlagzeuger Udo Arntzen jedoch mächtig schleppen.
Beeindruckend die Bandgröße, beeindruckend die Kulisse – bevor der Opener „Highway to Hell“ ertönte, musste Schlagzeuger Udo Arntzen jedoch mächtig schleppen. Foto: privat

Schlagzeuger bei der größten Band der Welt – da denken die meisten Rockfans sofort an Charlie Watts . Irrtum: Gemeint ist der Lüdinghauser Udo Arntzen . Nur saß der 59-Jährige nicht bei den Rolling Stones an den Drums, sondern bei der tatsächlich „mitgliederstärksten“ Musikgruppe auf diesem Planeten: den „Rockin‘ 1000“. Am Sonntagabend spielte sie in der Frankfurter Commerzbank-Arena.

Ihren ersten Auftritt hatten die „Rockin‘ 1000“ vor vier Jahren in Cesana, damals noch ohne den Lüdinghauser. Mehr als 1200 Musiker spielten damals gemeinsam „Learn to fly“ von den Foo Fighters und nahmen ihren Coversong gleich auf Video auf. Sie wollten damit die US-amerikanische Rockband auf sich aufmerksam machen und Dave Grohl und Co für ein Konzert in die italienische Stadt locken.

Projekt hat sich verselbstständigt 

Mittlerweile hat sich das Projekt „Rockin‘ 1000“ verselbstständigt und „schlägt seine Zelte“ nun auch im Ausland auf. Vor eineinhalb Wochen spielten mehr als 1000 Musiker im Pariser Stade de France. Für den folgenden Gig im Frankfurter Stadion hatte Arntzen frühzeitig seinen Hut in den Ring geworfen – und wurde genommen.

Die Erwartungen, mit denen der Lüdinghauser mitsamt seinem Schlagzeug in die Mainmetropole gereist war, wurden noch übertroffen – aber nicht nur in positiver Hinsicht: „Es war anstrengender, als ich erwartet habe“, sagt der 59-Jährige, der sonst für die heimische Band „blendWERK“ die Stöcke schwingt.

Das Konzert war eine Riesenherausforderung für die Toningenieure.

Udo Arntzen
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Schlagzeuger Udo Arntzen aus Lüdinghausen Foto: privat

Zwei Tage vor ihrem großen Auftritt probten die exakt 1002 Musiker „auf der grünen Wiese“ – eine Herausforderung nicht nur für die Organisatoren, sondern auch für die Muckis von Arntzen, der sein Set sukzessive von seinem Transporter an den Ort der Generalprobe schleppen musste. Eine wirkliche Generalprobe war dies aber nicht, denn erst am Samstagabend bekamen die Musiker, die nicht nur aus Deutschland und Europa, sondern auch aus den USA oder Japan kamen, die endgültige Setlist.

Improvisationstalent gefragt

Auch sonst musste viel improvisiert werden. „Es ist einem vorher gar nicht bewusst, welche Logistik dahintersteckt. Die Zeitpläne änderten sich fast stündlich“, sagt Arntzen. Und: „Das Konzert war eine Riesenherausforderung für die Toningenieure.“

Dann ging‘s endlich los. Die riesige Bühne war auf dem Spielfeld aufgebaut, dort, wo sonst die Eintracht auf Torejagd geht. Rund 15 000 Zuschauer waren in die Arena gekommen, um sich die Megaband anzuhören, darunter Arntzens Frau und seine beiden Töchter.

100 Schlagzeuge links, 100 rechts

Wirklich heraushören konnten sie den Lüdinghauser wohl nicht – der Ehemann und Vater saß hinter einem von 200 Schlagzeugen. 100 standen links, 100 rechts, insgesamt 20 Mikrofone brachten ihren Sound ins weite Rund der Arena. Dennoch war der Lüdinghauser nicht gefrustet: „Das Publikum ist von der ersten Minute an mitgegangen, die Stimmung war einmalig.“

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Mit 18 Songs fütterte die Megaband ihre Zuhörer – darunter natürlich „Learn to fly“, „Smoke on the Water“ von Deep Purple, „Hier kommt Alex“ von den Toten Hosen und „Highway to Hell“ von AC/DC, mit dem die Show eröffnet wurde.

Glücklich, aber auch geschafft kehrte Udo Arntzen nach Lüdinghausen zurück. Ob er gerne noch einmal mit den „Rockin‘ 1000“ auf der Bühne stehen würde? „Kurz nach dem Konzert wäre ich mir da nicht so sicher gewesen, weil es doch sehr anstrengend war. Aber jetzt sage ich: Auf jeden Fall . . .“

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