Stadtverwaltung braucht zusätzliche Büros
Rathaus-Erweiterung ist der Favorit

Lüdinghausen -

Das Platzproblem der Stadtverwaltung beschäftigt die politischen Gremien schon länger. In der Ratssitzung am Donnerstagabend stellten Experten ihre Einschätzungen der möglichen Lösungsalternativen vor. Ihre Empfehlung fiel eindeutig aus.

Samstag, 13.07.2019, 09:00 Uhr
Ist als möglicher zweiter Verwaltungsstandort aus dem Rennen: die Burg Wolfsberg.
Ist als möglicher zweiter Verwaltungsstandort aus dem Rennen: die Burg Wolfsberg. Foto: Werth

Um das Raumproblem der Stadtverwaltung zu lösen, zeichnet sich eine Erweiterung des Rathauses als Lösung ab. Gegen die Stimmen von Grünen und UWG hat der Rat am Donnerstagabend einen städtebaulichen Wettbewerb für eine Rathauserweiterung beschlossen. In der Minimalvariante fehlen der kommune 23 Büroräume, in der Maximalvariante 32.

Das Thema beschäftigt die politischen Gremien schon seit geraumer Zeit. Architekt Christoph Ellermann , dessen Büro den Rathausneubau Ende der 1990er Jahre konzipiert hat, erläuterte in der Ratssitzung noch einmal seine im Auftrag der Stadtverwaltung erarbeiteten Erweiterungs- beziehungsweise Standortvarianten. Seine Empfehlung: eine Erweiterung des bestehenden Rathauses durch einen Anbau – entweder in der Verlängerungslinie des ehemaligen Amtsgerichts oder parallel zum Neubau.

Wir haben auch den Neubau eines zweiten Verwaltungsstandortes in Seppenrade betrachtet.

Christian Möhlheinrich

Die der Stadt gehörende Burg Wolfsberg hatte der Architekt ebenfalls noch einmal genauer unter die Lupe genommen. „Im nördlichen Teil ist eine Büronutzung durchaus möglich, im südlichen Bereich allerdings nicht. Dort haben wir es mit vier verschiedenen Raumhöhen zu tun“, so Ellermann. Trotz Einbaus eines Aufzuges sei in dem Gebäudeteil keine Barrierefreiheit herzustellen. Und es zeichnet sich ein zweites Problem ab: „In einer ersten Bewertung hat die Denkmalbehörde deutlich gemacht, dass ein Umbau für die erforderliche Infrastruktur zur Büronutzung einen so erheblichen Eingriff in die Denkmalstruktur bedeuten würde, dass der LWL dies nicht mehr als denkmalkonform bewerten würde“, berichtete der Architekt.

Neben ihm hat sich auch die Gemeindeprüfungsanstalt ( GPA ) mit dem Thema befasst und es unter dem Kosten-Nutzen-Aspekt analysiert. „Neben einer Erweiterung des Rathauses und der Nutzung der Burg Wolfsberg haben wir als dritte Option den Neubau eines zweiten Verwaltungsstandortes in Seppenrade betrachtet“, berichtete GPA-Mitarbeiter Christian Möhlheinrich. Das Ergebnis: Sowohl unter monetären Aspekten als auch vom Nutzwert her sei eine Erweiterung des Rathauses am jetzigen Standort die beste Variante.

Die heute gehörten Informationen zur Burg Wolfsberg hätte ich gerne gehabt, als wir über den Kauf entschieden haben.

Markus Kehl

Die Reaktionen der Politiker auf diese Einschätzung fielen ganz unterschiedlich aus. „Es ist zwar heute etwas mehr Licht ins Dunkel gebracht worden, aber es ist noch nicht so hell, dass ich mit gutem Gewissen sagen könnte, wir gehen den Weg des städtebaulichen Wettbewerbs, den die Verwaltung vorgeschlagen hat, mit“, sagte beispielsweise Eckart Grundmann, Fraktionssprecher der Grünen. Sein Fraktionskollege Jöran Kortmann gab zu bedenken, dass die Burg Wolfsberg – auch wenn sie nicht als Verwaltungsgebäude genutzt werden sollte – dennoch von der Stadt saniert werden müsse. Der UWG-Fraktionsvorsitzende Markus Kehl merkte an: „Die heute gehörten Informationen zur Burg Wolfsberg hätte ich gerne gehabt, als wir über den Kauf entschieden haben.“

In den Augen von Michael Spiekermann-Blankertz ist es „schade, dass die Analysen so ausgefallen sind. Es wäre schön gewesen, wenn wir die Burg Wolfsberg als Rathaus hätten nutzen können“, machte der SPD-Fraktionschef deutlich. Vor dem Hintergrund jedoch, dass „wir gute Arbeitsbedingungen für die Verwaltungsmitarbeiter schaffen müssen, tragen wir den Beschlussvorschlag mit“. Das sah auch FDP-Fraktionssprecher Gregor Schäfer so. „Das Ergebnis war ein Stück weit erwartbar, dennoch ist es schade, dass die Burg Wolfsberg ausscheidet“, sagte Schäfer. Und für die CDU-Fraktion betonte deren Vorsitzender: „Wir sind der Meinung, dass die Burg Wolfsberg komplett ausscheidet.“ Einer teilweisen Büronutzung durch die Verwaltung, wie sie Grundmann vorgeschlagen hatte, erteilte Möllmann eine klare Absage.

Kommentar

Nach den Einschätzungen der Fachleute und dem „Ja“ des Rates zum städtebaulichen Wettbewerb für eine Rathaus-Erweiterung dürfte die Burg Wolfsberg als zweiter Standort der Stadtverwaltung endgültig aus dem Rennen sein. Schade, denn die Idee, in dem denkmalgeschützten Gebäude städtische Büros unterzubringen, hatte Charme – trotz der einen oder anderen Unzulänglichkeit, die mehrere Standorte für eine Behörde unweigerlich mit sich bringen. Die Entscheidung, das bestehende Rathaus zu erweitern, bedeutet aber auch, dass Kosten für zwei Großprojekte anfallen. Denn die unter Denkmalschutz stehende Burg Wolfsberg muss saniert werden, ehe sie – als was auch immer – genutzt werden kann. Zwei Vorhaben, die weitere Millionen verschlingen werden. Die Stadt wird den Gürtel künftig deutlich enger schnallen müssen, zumal es für eine Rathaus-Erweiterung keine Fördermittel gibt.

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