Zweiwöchige Schließung in den Ferien
Bücherei zieht die Reißleine

Lüdinghausen -

Die Personalsituation lässt keine andere Wahl: In der vierten und fünften Woche der Sommerferien bleibt die Stadtbücherei St. Felizitas geschlossen. Einer Aufstockung der hauptamtlichen Kräfte erteilten die Pfarrgemeinde St. Felizitas und die Stadt, die die Kosten für die Einrichtung gemeinsam tragen, eine Absage.

Freitag, 19.07.2019, 08:00 Uhr
Kommt kaum nach mit dem Einpflegen neuer Medien: Büchereileiter Peter Mählmann. Aufgrund der Personalsituation bleibt die Stadtbücherei St. Felizitas in der vierten und fünften Sommerferienwoche geschlossen.
Kommt kaum nach mit dem Einpflegen neuer Medien: Büchereileiter Peter Mählmann. Aufgrund der Personalsituation bleibt die Stadtbücherei St. Felizitas in der vierten und fünften Sommerferienwoche geschlossen. Foto: Anne Eckrodt

Abgezeichnet hatte es sich bereits im Frühjahr, nun gibt es Gewissheit: Die Stadtbücherei St. Felizitas schließt in den Sommerferien für zwei Wochen. „Das geht uns natürlich gegen den Strich, denn gerade in den Ferien verbringen viele Kinder und Jugendliche viel Zeit hier bei uns“, machte Büchereileiter Peter Mählmann im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten deutlich. Dabei nutzen die jungen Besucher die Einrichtung nicht nur zur Ausleihe, sondern als „Treffpunkt zum Stöbern, Spielen und Quatschen“, weiß Mählmann.

In der vierten und fünften Ferienwoche fällt diese Anlaufstelle weg. Die letzte Ausleihmöglichkeit besteht am 3. August (Samstag). Erst am 20. August (Dienstag) öffnet die Bibliothek an der Steverstraße wieder ihre Tür. „Wir haben die Schließung bewusst nicht an den Anfang beziehungsweise das Ende der Ferien gelegt“, betonte Mählmann.

Wir haben um jeden Öffnungstag gerungen, kommen jedoch um diese zweiwöchige Schließung nicht herum.

Dr. Bernadette Hartmann

Der Grund für die Schließung ist die Personalsituation der Einrichtung, deren Trägerin die Pfarrgemeinde St. Felizitas ist. Diese stemmt die Kosten dafür jedoch nicht alleine: Die Stadt übernimmt zwei Drittel davon, im aktuellen Etat 2019 sind das 185 500 Euro. „Wir haben um jeden Öffnungstag gerungen, kommen jedoch um diese zweiwöchige Schließung nicht herum“, hob Dr. Bernadette Hartmann, Vorsitzende des Büchereiausschusses der katholischen Kirchengemeinde, gegenüber den WN hervor. Die Mitarbeiter hätten Anspruch auf Urlaub. Zudem seien während des Umbaus und durch den Umzug viele Überstunden entstanden.

Und nicht nur die: „Umbau und Erweiterung sorgen auch für gestiegene Gesamtkosten. Das Budget ist jedoch gedeckelt. So sehr wir auch die Notwendigkeit einer zusätzlichen hauptamtlichen Stelle sehen und uns über den großen Besucherzustrom freuen – im Moment können wir personell nicht aufstocken“, so Pfarrer Benedikt Elshoff.

Hoffen, dass die Schließung eine einmalige Ausnahme bleibt: Dr. Bernadette Hartmann und Pfarrer Benedikt Elshoff.

Hoffen, dass die Schließung eine einmalige Ausnahme bleibt: Dr. Bernadette Hartmann und Pfarrer Benedikt Elshoff. Foto: Anne Eckrodt

Neben Mählmann weist das Personaltableau der Bibliothek derzeit eine weitere hauptamtliche Stelle auf, die sich zwei Mitarbeiterinnen teilen. Die jetzt frei gewordene Ausbildungsstelle wird zum 1. August neu besetzt. Zudem gibt es ab dem 1. September erstmals einen „Bufdi“ in der Bücherei. Mählmann: „Das entlastet zwar, ist aber keine Dauerlösung.“ Zumal das Team von rund 30 Ehrenamtlichen nach Aussage des Büchereileiters schon lange nicht mehr ausreicht. Sein Wunsch: eine zweite Bibliothekarsstelle – „am liebsten ein Medienpädagoge“. Gerade wenn die Stadtbücherei den eingeschlagenen Weg der Bildungskooperationen mit Schulen fortsetzen wolle, sei eine Personalaufstockung unumgänglich.

„Die Schließung jetzt ist nämlich nur ein Punkt von vielen. Wir müssen beispielsweise Anfragen von Schulen für Führungen ablehnen. Da können wir derzeit nur unsere Bildungspartnerschulen bedienen. Wohlwissentlich, dass auch andere ein Recht auf Angebote von uns haben, aber es geht eben nicht“, erläuterte Mählmann. Aktionen wie das bislang sechs Mal pro Jahr veranstaltete „Kopf-Kino“ liegen ebenfalls derzeit auf Eis. Für die Einrichtung und Betreuung der Konsolenspiele fehlen ebenfalls Zeit und Personal. „Und beim Einpflegen neuer Medien haben wir einen Rückstau“, listete der Büchereileiter ein weiteres Beispiel auf. Zudem würde er gerne die Öffnungszeiten auf die Mittags- und Abendstunden ausdehnen – „dann haben die Leute Zeit“. Oder den neuen Garten bespielen . . . – „an Ideen mangelt es nicht“, so Mählmann.

„Die Schließung jetzt ist nur ein Punkt von vielen.

Peter Mählmann

Hartmann und Elshoff wissen das Engagement und die Kreativität des Büchereiteams zu schätzen. „Zusammen mit der Stadt haben wir uns jedoch darauf verständigt, zu schauen, wie das erste Jahr nach der Wiedereröffnung läuft. Dann sehen wir weiter“, sagte Elshoff. Und Hartmann fügte hinzu: „Wir arbeiten daran, dass eine Schließung im nächsten Jahr nicht mehr erforderlich ist.“

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Auch für die KöB St. Dionysius in Seppenrade gelten in den Sommerferien eingeschränkte Öffnungszeiten. Die Einrichtung ist nur sonntags von 9.45 bis 12 Uhr geöffnet.

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