KAKTuS-Sommerfestival
Lebenslust und Untergang

Lüdinghausen -

Das Lebensgefühl der wilden 1920 Jahre – irgendwo zwischen ungebremster Lebenslust und den Schatten der kommenden Weltwirtskrise – bestimmte den Abend im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen. Das „Wunderhorn-Quartett“ und „Mademoiselle Julie“ boten ein Programm der Extraklasse.

Sonntag, 21.07.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 22.07.2019, 18:42 Uhr
Das „Wunderhorn-Quartett“ brachte die 1920er Jahre musikalisch zurück.
Das „Wunderhorn-Quartett“ brachte die 1920er Jahre musikalisch zurück. Foto: ik

Nein, schwarz war der Freitag nicht, den die Zuschauer am Abend im Kapitelsaal der Burg Lüdinghausen miterleben durften. Ganz im Gegenteil. Das KAKTuS-Sommerfestival ging in die zweite Runde und hatte das Wunderhorn-Quartett eingeladen, ergänzt um „Mademoiselle Julie“ alias Jutta Seifert . Sie brachte die Geschichte durch ihre Wort- und Musikeinlagen voran, erzählte anfänglich voller Inbrunst davon, wie sie mit den Männern in den gewissen Etablissements umging, wie wenig ihr alles äußere Gehabe imponieren konnte, aber wie wichtig es auch war, den Schein zu wahren.

Schein und Glitzer Abend für Abend

Das fiel aber zunehmend schwerer, je schlechter und unsicherer die Zeiten wurden bis hin zum schwarzen Freitag, dem Tag in den 1920er Jahren, an dem die Weltwirtschaft zusammenbrach. Und spätestens da wurde endgültig klar, wie weit Schein und Sein auseinanderklafften. Die Damen des Unterhaltungsgewerbes wussten kaum noch über die Runden zu kommen, und dennoch musste Abend für Abend mit Schein und Glitzer eine ganz andere Welt verkörpert werden.

Diese Stimmungen darzustellen gelang den Künstlern einmalig gut. Katharina Betten, als Revuegirl Charlotte am Sopran-Saxofon, Lena Schäfer als Miss Lucy am Alt-Saxofon, Olivia Alam mit dem Tenor-Saxofon und Viktor Wagner am Bariton-Saxofon untermalten die Geschichte musikalisch perfekt, einfühlsam, aber durchaus auch witzig mit einem Augenzwinkern. So bekannte Titel wie „Ich brech die Herzen der stolzesten Frau‘n“ oder „Summertime“ symbolisierten noch die anfänglich unbeschwerten Zeiten. Bald schon wechselte diese unbekümmerte Stimmung von „Veronica der Lenz ist da“ oder „Mein kleiner grüner Kaktus“ zu solcher, wo der Haifisch seine Zähne zeigte. Und auch der „Schöne Gigolo“ musste erkennen „Schöne Welt du gingst in Fransen. Wenn das Herz dir auch bricht, zeig ein lachendes Gesicht, man zahlt und du musst tanzen“.

Die Zuschauer jedenfalls erlebten einen heiteren, sehr besonderen Abend, für den sie sich mit anhaltendem Applaus bedankten.

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Deler Saber ist Kurde und Deutscher Staatsbürger und hat früher in Bagdad gelebt und studiert. Vor über 20 Jahren kam er nach Deutschland, seit 2000 lebt er in Münster. Die Stadt, sagt er, sei zu seiner Heimat geworden, die er nicht mehr verlassen will.
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