Schweißtreibende Arbeit
Der frühe Vogel entgeht der Hitze

Lüdinghausen -

Wenn die Temperaturen steigen, sinkt im Job die Leistungsfähigkeit – und die Gefahr gesundheitlicher Beeinträchtigungen nimmt zu. Um die Arbeit angenehmer zu gestalten, heißt es bei manchen Lüdinghauser Unternehmen: Der frühe Vogel entgeht der Hitze.

Mittwoch, 24.07.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 24.07.2019, 15:14 Uhr
Wasser marsch! Bei der Stadtranderholung in der Bauerschaft Westrup sorgen die 60 Kinder auch schon mal selbst für eine erfrischende Abkühlung
Wasser marsch! Bei der Stadtranderholung in der Bauerschaft Westrup sorgen die 60 Kinder auch schon mal selbst für eine erfrischende Abkühlung Foto: Kristian van Bentem

„Puuuh!“ Während alle, die gerade Urlaub oder Ferien haben, vom Wetter verwöhnt sind, erleben diejenigen, die weiter ihrer täglichen Arbeit nachgehen müssen, derzeit schweißtreibende Tage. Die Westfälischen Nachrichten haben sich umgehört, wie Chefs und Mitarbeiter damit umgehen.

Hochofentemperaturen in der Backstube

Weil in der auch bei Normaltemperaturen schon mollig warmen Backstube der Bäckerei Geiping in diesen Tagen Hochofentemperaturen herrschen, wird alles dafür getan, um für Erleichterung zu sorgen. „Wir können es zwar nicht kühler machen, stellen aber kostenlos Kaltgetränke, Eis und Obst zur Verfügung“, sagt Geschäftsführer Michael Geiping. Zudem seien Führungskräfte angehalten, auf das Wohlbefinden der Mitarbeiter zu achten und mehr Kurzpausen einzulegen.

Schatten ist ein Fremdwort

Damit denjenigen, die anderen aufs Dach steigen, nicht die Hitze zu Kopf steigt, gilt beim Dachdeckerbetrieb Felix Buse als oberste Devise: „Früh anfangen. Die Jungs fahren derzeit um Viertel nach sechs vom Platz. Und wir sehen zu, dass möglichst um Viertel nach drei Feierabend ist“, berichtet Geschäftsführer Christoph Hagen. Weil Schatten auf dem Dach ein Fremdwort ist, sollten zudem Hüte getragen und viel getrunken werden. „Wir sorgen gegebenenfalls für Getränke. Aber manchmal machen das auch die Kunden“, so Hagen.

Früherer Feierabend

Den Mitarbeitern des Bauunternehmens Austrup machen die Temperaturen auf den Baustellen ebenfalls zu schaffen – auch wenn sie mit ex­tremen Witterungsbedingungen Erfahrungen haben. „Im Winter ist es manchmal zu kalt, im Sommer manchmal zu heiß – das bringt der Job mit sich. Wir müssen es nehmen, wie es kommt“, sagt Geschäftsführer Bernhard Austrup. Allerdings gebe es Vorgaben der Berufsgenossenschaft, die einzuhalten seien. „Wenn tatsächlich die angekündigten 38 bis 40 Grad kommen, ist die Erschöpfung irgendwann zu groß. Dann wird die Arbeit gegen 13, 14 Uhr eingestellt“, kündigt Austrup an.

Frische Brise durch Ventilatoren

Kostenlose Getränke gibt es auch bei der Stadtverwaltung für die Mitarbeiter. „Zudem haben wir die Arbeitszeiten angepasst“, erklärt Pressesprecherin Anja Kleykamp. Im Rahmen der Gleitzeit kann die Arbeit gegebenenfalls früher beendet werden, sofern der Betrieb aufrechterhalten wird. Da es keine Klimaanlage gibt, können die Mitarbeiter auch Ventilatoren aufstellen, um für eine frische Brise zu sorgen. Noch mehr mit der Hitze zu kämpfen haben die Mitarbeiter des Bauhofs. Kleykamp: „Sie können deshalb früher anfangen und werden dazu angehalten, auf den Selbstschutz zu achten.“

Stadtranderholung-Programm angepasst

Dass das sprichwörtliche Einen-Sack-Flöhe-Hüten eine besondere Herausforderung darstellt, wenn das Thermometer steigt, merken auch die Betreuer bei der Stadtranderholung. „Das ist ganz schön anstrengend“, berichtet Björn Schnieder vom Orga-Team. „Wir behalten es im Auge, dass die Kinder genügend im Schatten sind, viel Wasser trinken, sich eincremen und Cappies tragen“, erzählt er. „Und – toi, toi, toi – bis jetzt ist alles gut gegangen.“ Die für Mittwoch geplante Tagesstaffel mit mehreren Posten, an denen Aufgaben zu erledigen sind, wird auf einen halben Tag verkürzt. „Das wäre sonst zu viel Lauferei“, ist Schnieder überzeugt, dass alle dafür Verständnis haben.

Hagen wirbt um Verständnis

Apropos Verständnis: Das würde sich Christoph Hagen häufiger für alle erhoffen, die bei Hitze draußen schuften müssen. „Wenn dann schon mal ab 6.30 Uhr gebohrt und gehämmert wird, kommen nicht selten Beschwerden von Nachbarn. Es wäre schön, wenn sich die Leute mal in die Lage der Handwerker versetzen würden“, gibt der Dachdeckermeister zu bedenken. Natürlich sei das nicht schön, wenn man Urlaub hat und früh geweckt werde. Aber es gibt eben auch Menschen, die arbeiten, wenn andere frei haben.

Kein Hitzefrei für Arbeitnehmer

Arbeitgeber müssen Arbeitsplätze nach der Arbeitsstättenverordnung so einrichten, dass keine Gefährdungen durch Hitze von ihnen ausgehen. Im Rahmen ihrer Fürsorgepflicht müssen sie für eine „gesundheitlich zuträgliche Raumtemperatur“ sorgen. Als „zuträglich“ gelten bis zu 26 Grad. Erst ab 30 Grad muss der Arbeitgeber „wirksame Maßnahmen“ ergreifen, um die Belastung zu reduzieren – etwa durch das Anbringen von Jalousien. „Auch Durstlöschen ist Chefsache“, sagt Michael Schulte, Vorsitzender des DGB-Ortsverbandes Lüdinghausen. Ideal seien kostenlose Wasserspender, freies Mineralwasser oder Tee. Gerade für die Beschäftigten auf dem Bau sei es wichtig, reichlich Flüssigkeit zu trinken. „Mindestens drei bis fünf Liter.“ Endgültig als nicht mehr adäquat gelten erst Räume mit Temperaturen ab 35 Grad. Der Arbeitgeber muss das Büro dann herunterkühlen oder für Ersatz sorgen. Allerdings: Anders als für schwitzende Schüler gibt es für Arbeitnehmer auch dann kein Hitzefrei. Ohne Erlaubnis einfach gehen dürfen Angestellte nicht. Sie müssen dem Chef Zeit geben, angemessene Bedingungen zu schaffen.

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