Spürnase rettet Hund das Leben
Drama um die verlorene Loulou

Lüdinghausen -

Plötzlich war Loulou weg. Angela Westermann, Pflegefrauchen der Mischlingshündin aus dem rumänischen Tierschutz, setzte alle Hebel in Bewegung, um das scheue Tier zu finden. Am zwölften Tag der Suche dann endlich der Erfolg – mit dramatischem Finale und glücklichem Ende.

Donnerstag, 01.08.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 01.08.2019, 17:30 Uhr
Angela Westermann ist erleichtert: Loulou ist wieder da! Fast zwei Wochen war die Lüdinghauserin auf der Suche nach der Mischlingshündin, die sich in einem Gestrüpp am Steverufer verfangen hatte.
Angela Westermann ist erleichtert: Loulou ist wieder da! Fast zwei Wochen war die Lüdinghauserin auf der Suche nach der Mischlingshündin, die sich in einem Gestrüpp am Steverufer verfangen hatte. Foto: Heidrun Riese

Das war ein Drama wie im Film. In der Hauptrolle: Loulou, eine scheue Mischlingshündin aus dem rumänischen Tierschutz. Nur zwei Wochen, nachdem Angela Westermann sie in Pflege genommen hatte, büxte die schwarz-weiße Fellnase aus. Ganze sieben Tage lang irrte sie zwischen Südwiese und Friedhof umher, im Umkreis von nur etwa 500 Metern, wurde sie mit großem Aufwand gesucht und immer wieder gesehen, ließ sich aber nicht einfangen. Und plötzlich war sie ganz verschwunden. Doch wie auf der Kinoleinwand gab es auch bei dieser Geschichte ein Happy-End. „Ich war einfach nur glücklich“, berichtet die Lüdinghauserin vom Wiedersehen mit ihrem Schützling.

Loulou trug Geschirr und eine sieben Meter lange Schleppleine, als sie aus dem Haus verschwand. „Da liegt der Verdacht nahe, dass das Tier irgendwo festhängt“, betont Mandy van den Borg vom Verein „Suchhund­einsatz“ aus Essen, die Loulou und ihr Pflegefrauchen schließlich wieder zusammenbringen konnte.

Die große Suche

Aber von Anfang an: Als die fünf Jahre alte Hündin plötzlich weg war, setzte Angela Westermann alle Hebel in Bewegung, um sie zu finden. Sie informierte den Verein „Ein Herz für Streuner“, der sich um Loulou kümmert und sämtliche Tierschutzvereine sowie -ärzte in der Region abtelefonierte. Selbst gab die Lüdinghauserin verschiedene Suchmeldungen auf und schaltete Andreas Fuld, einen Experten aus Bayern, ein. Bei ihm holte sie sich telefonisch Tipps. Er legte außerdem eine Karte mit den Sichtmeldungen an, erstellte einen Flyer und richtete eine Notrufnummer ein. Angela Westermann holte auch Ulf Löf­stedt von der Hundesuchhilfe Osnabrück, Steinfurt und Umgebung mit ins Boot, der eine Lebendfalle aufstellte. Auch ihr Bruder, Markus Westermann, und einige Freunde unterstützten sie bei der Suche nach Loulou. Besonders stolz ist Angela Westermann auf Vitus Koch: „Er hat geholfen, die Lebendfalle mit Lockfutter zu bestücken und war ständig in Bereitschaft, auch nachts.“ Darüber hinaus versuchten die Lüdinghauserin und ihre Helfer mit fünf Futterstellen, die mit drei Wildtierkameras beobachtet wurden, der scheuen Mischlingshündin auf die Spur zu kommen. Auch ein erster Versuch mit einem Suchhund führte nicht zum Erfolg.

Spürhund Feline

Schließlich kam der Verein „Suchhundeinsatz“ ins Spiel: Mandy van den Borg nahm sich zusammen mit Feline, ihrer zehnjährigen Australian-Shepherd-Hündin mit spezieller Ausbildung, und Nadine Hümmerich als Suchhelferin der Sache an. Schnell wurde die Spürnase an der Stever fündig und führte ihre zweibeinigen Kolleginnen zum dichten Ufergestrüpp. Sie hatte Loulou gefunden. Dann das Unglück: Als sie versuchte, die Mischlingshündin inmitten der Pflanzen aufzuspüren, trat Nadine Hümmerich in ein Erdwespennest, erlitt knapp 20 Stiche und musste ins Krankenhaus. Es erwischte auch Feline, da stand ein Besuch beim Tierarzt an.

Mit der Wathose zu Loulou

Zwischenzeitlich versuchte die Feuerwehr ihr Glück. Doch ein Erfolg wurde die Suchaktion erst, als der Mann von Mandy van den Borg, Michael, sich dem Gestrüpp vom Wasser aus näherte. „Er ist erst mit der Badehose reingegangen, steckte dann aber knietief im Schlamm und kam so nicht durch“, informiert die Vorsitzende des Vereins aus Essen. Er entdeckte am Uferrand aber bereits verdächtige Kratzspuren und Pfotenabdrücke, zog schließlich eine Wathose an und machte sich erneut auf den Weg durchs Wasser, um sich durch die Pflanzen zu Loulou vorzukämpfen, die sich mit ihrer Leine verfangen hatte. „Sie war völlig bewegungsunfähig und kam nicht mehr vor oder zurück“, berichtet Mandy van den Borg. Als ihr Mann den Hund befreit hatte, war die Freude bei allen Beteiligten riesig und es flossen sogar ein paar Tränen. „Wenn sie nicht gefunden worden wäre“, überlegt Angela Westermann, „wäre Loulou elendig zugrunde gegangen.“ Doch das Drama hat ein glückliches Ende genommen. Und so sitzt Loulou nach zwölftägiger Suche jetzt wieder auf dem Schoß ihres Pflegefrauchens und genießt die vielen Streicheleinheiten.

Was tun, wenn der Hund weg ist?

Wenn der vierbeinige Liebling weg ist, bricht schnell Panik aus. Angela Westermann hat ein paar Tipps für Hundebesitzer und alle, die bei der Suche helfen: „Gerade ängstliche Hunde sollten nicht verfolgt werden“, rät die erfahrene Hundebesitzerin, die auch schon einige Tiere zur Pflege hatte. „Besser ist, die Sichtungen zu melden.“ „Nicht öffentlich machen, wo Futterstellen oder Lebendfallen aufgestellt sind“, empfiehlt die Lüdinghauserin. Denn ihrer Erfahrung nach würden Menschen in guter Absicht genau an diesen Stellen nach dem verlorenen Tier gucken, könnten dieses durch ihre Anwesenheit aber leicht verschrecken. Angela Westermann steht für Rat und Hilfe unter 01 71/8 03 93 83 zur Verfügung.

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6818943?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F104%2F163%2F
Nachrichten-Ticker