Neue Hausleitung im Antoniuskloster
Mehr als eine Frau der Zahlen

Lüdinghausen -

Mehr als ein Jahr war die Stelle vakant, jetzt hat das Antoniuskloster mit Sonja Jannemann eine neue Hausleitung. Diese fällt – im Vergleich zu den 44 Schwestern, die in dem Kloster leben – gleich in zweifacher Hinsicht aus dem Rahmen.

Freitag, 02.08.2019, 13:00 Uhr
Einer von mehreren Lieblingsplätzen im Antoniuskloster: Die über 120 Jahre alte Holztreppe hat es Sonja Jannemann (l.) – hier zusammen mit Schwester Susann – angetan.
Einer von mehreren Lieblingsplätzen im Antoniuskloster: Die über 120 Jahre alte Holztreppe hat es Sonja Jannemann (l.) – hier zusammen mit Schwester Susann – angetan. Foto: Anne Eckrodt

Neues Gesicht im Antoniuskloster: Sonja Jannemann hat dort die Hausleitung übernommen – und fällt gleich in zweifacher Hinsicht aus dem Rahmen: Zum einen ist sie – im Gegensatz zu den 44 Schwestern, die im Anto­niuskloster wohnen – keine Ordensfrau, sondern lebt mit ihrem Mann und der sechsjährigen Tochter in Senden. Zum anderen ist sie wesentlich jünger als die Schwestern. „Mit 58 Jahren bin ich hier die Jüngste“, erzählt Schwester Susann beim Pressegespräch mit einem Schmunzeln. „Alle anderen sind – bis auf wenige Ausnahmen – über 80.“

Nach dem Tod der früheren Hausleiterin Hiltrud Wentzel im Mai 2018 hatte die Noviziatsleiterin vorübergehend auch die Hausleitung inne. Vor über sechs Jahren führten die Franziskanerinnen die Aufgabenteilung ein. Seitdem gibt es eine Hausoberin, der die Leitung der Schwestern obliegt, und eben die Hausleitung, die sich um das Gebäude und alles, was damit zu tun hat, kümmert.

Nicht nur die Zahlen müssen stimmen, auch die Mitarbeiter müssen zufrieden sein.

Sonja Jannemann

Für Letzteres bringt Jannemann das passende Rüstzeug mit. Sie hat eine Ausbildung zur Hotelfachfrau gemacht, ist Betriebswirtin und Controllerin. Vor dem Wechsel ins Antoniuskloster hat sie neun Jahre im Wirtschaftsbereich des St.-Franziskus-Hospitals in Münster gearbeitet.

Eine Frau der Zahlen also. „Auch“, sagt Jannemann und lacht. Dass ihr das Zwischenmenschliche sehr wichtig ist, müsste sie dabei nicht eigens betonen, das strahlt sie aus. „Nicht nur die Zahlen müssen stimmen, auch die Mitarbeiter müssen zufrieden sein“, lautet ihr Credo. Und davon gibt es einige im Antoniuskloster. „Aufgrund der Altersstruktur brauchen wir heute für alles Mitarbeiter“, macht Schwester Susann deutlich. Dabei geht es nicht allein um die Instandhaltung des Gebäudes, sondern vor allem um die Pflege. Derzeit sind 18 der 44 Ordensfrauen pflegebedürftig.

Apropos: In dem Zusammenhang hat Schwester Susann, die selbst ausgebildete Krankenschwester ist, ein großes Lob für die neue Hausleiterin parat. „Frau Jannemann kommt zwar nicht aus der Pflege, aber sie hat einen Blick für die Situation in dem Bereich.“

Hier herrscht ein familiäres Verhältnis.

Sonja Jannemann

Dabei macht der Pflegenotstand auch vor dem Antoniuskloster nicht halt. „Das ist die größte Herausforderung für mich als Hausleiterin“, betont Jannemann. Dagegen sei die Instandhaltung des tollen Gebäudes ein „schönes Problem“. Bei all dem setzt die 38-Jährige auf das enge Miteinander zwischen Ordensfrauen und Mitarbeitern. „Hier herrscht ein familiäres Verhältnis. Und ich bin sehr dankbar, dass der Druck nicht ganz so groß ist, wie in der freien Wirtschaft“, sagt Jannemann. An ihren bisherigen beruflichen Stationen sei sie auf jeden Fall nie mit einem Ständchen begrüßt worden. Dabei schwingt in ihren Worten eine gehörige Portion Rührung mit.

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