ADFC-Ortsgruppe steht Radreform positiv gegenüber, sieht aber noch Verbesserungsbedarf
Ein Schritt in die richtige Richtung

LÜDINGHAUSEN -

Einen guten Eindruck macht der Entwurf für eine fahrradfreundliche Novelle der Straßenverkehrsordnung auf die ADFC-Ortsgruppe Lüdinghausen, die sich vor allem über mehr Gleichberechtigung mit dem motorisierten Verkehr freut. Das Sprecherteam sieht aber auch noch Verbesserungsbedarf.

Mittwoch, 14.08.2019, 08:00 Uhr
Das ADFC-Sprecherteam mit (oben v.l.) Manfred Piotrowski, Lothar Kostrzewa-Kock und Wilhelm Beckmann freut sich über die Radreform, sieht aber auch Verbesserungspotenzial, etwa an der Steverstraße (kl. Bild).
Das ADFC-Sprecherteam mit (oben v.l.) Manfred Piotrowski, Lothar Kostrzewa-Kock und Wilhelm Beckmann freut sich über die Radreform, sieht aber auch Verbesserungspotenzial, etwa an der Steverstraße (kl. Bild). Foto: Bastian Becker

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Entwurf für eine fahrradfreundliche Novelle der Straßenverkehrsordnung vorgelegt. Der Entwurf, der im kommenden Jahr umgesetzt werden soll, beinhaltet insgesamt zwölf Vorschläge zur Verbesserung der Sicherheit der Radfahrer.

Auch in Lüdinghausen steigt laut Manfred Piotrowski aus dem Sprecherteam der ADFC-Ortsgruppe die Zahl der verletzten Radfahrer: „Es geht ungebremst so weiter, wir haben Handlungsbedarf.“ Daher meint Lothar Kostrzewa-Kock , Sprecher der Ortsgruppe: „Der Reform stehen wir positiv gegenüber.“ Sein Kollege Wilhelm Beckmann sieht einen ersten Schritt zu „mehr Gleichberechtigung, kein Vorrecht beim motorisierten Verkehr“.

Viele Radfahrer fühlen sich durch Autofahrer bedrängt.

Lothar Kostrzewa-Kock

Wichtig ist laut Kostrzewa-Kock unter anderem der festgeschriebene Überholabstand für Kfz – 1,5 Meter innerorts, zwei Meter außerorts. „Viele Radfahrer fühlen sich durch Autofahrer bedrängt“, weiß Kostrzewa-Kock aus Erfahrung. Grundsätzlich müsse es aber auf größeren Straßen ein Netz von Fahrradwegen geben, um solche Überholvorgänge zu vermeiden. Hauptunfallursache sei jedoch das Rechtsabbiegen von Autos. „Man kann sich jedes Jahr fünf Mal überfahren lassen“, bringt es Kostrzewa-Kock auf den Punkt. Das geplante Geschwindigkeitslimit für rechtsabbiegende Lkw von elf Stundenkilometern ist aus ADFC-Sicht ein zu zaghafter Schritt. Echte Schrittgeschwindigkeit müsse eingehalten werden.

„So eine Gebühr wirkt schon“, meint Kostrzewa-Kock zur Bußgelderhöhung für das Parken auf Schutzstreifen. Auch das Halten ist künftig verboten. Allerdings müsse die Regelung aus ADFC-Sicht auf Radfahrstreifen und bauliche Radwege ausgeweitet werden. „Teilweise werden Radwege einfach zugeparkt“, verdeutlicht Kostrzewa-Kock die alltäglichen Probleme vielerorts in Lüdinghausen. „Sehr sinnvoll“ sei laut Beckmann die Einführung eines neuen Verkehrszeichens für das Überholen an Engstellen, gerade in Wohngebieten. So könnte etwa an der Straße Am Feldbrand die Situation entspannt werden.

Jede Autofahrt, die nicht stattfindet, vermeidet CO².

Wilhelm Beckmann

Trotz der Reformpläne sieht das Sprecher-Trio weiterhin Verbesserungsbedarf: „Man vermisst mehr Handlungsfreiheit für Kommunen“, sagt Kostrzewa-Kock. In Deutschland herrsche gerade im Vergleich zu den Nachbarländern Niederlande und Dänemark im Hinblick auf die Straßen ein Kompetenz-Wirrwarr. „Gerade für Straßen.NRW ist nur der motorisierte Verkehr wichtig“, ärgert sich Beckmann. Radverkehrsanlagen müssten aus ADFC-Sicht immer Vorrang vor Kfz-Parkplätzen genießen. Eine Situation wie an der Steverstraße, wo der Schutzstreifen teilweise um Parkplätze herumführt, „führt immer zu Konflikten“, betont Beckmann.

Zudem wünscht sich der ADFC , an allen Straßen über Tempo 30 Radverkehrsanlagen einzurichten und die Ausweisung von Fahrradstraßen zu erleichtern. In Lüdinghausen müsse eine Fahrradachse von der Konrad-Adenauer-Straße bis zum Marktplatz eingerichtet werden. „Dadurch kann man das Parkplatzproblem verringern“, glaubt Beckmann. Und Piotrowski ergänzt im Zuge der Klima-Thematik: „Jede Autofahrt, die nicht stattfindet, vermeidet CO.“

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