Prozessauftakt nach Campingplatz-Brand
Gashahn aufgedreht: „Dann hat‘s geknallt“

Lüdinghausen/Münster -

Wegen versuchten Mordes ist ein 55-jähriger Mann aus Lüdinghausen vor dem Landgericht angeklagt. Er soll im März seinen Wohnwagen und eine angrenzende Holzhütte in die Luft gesprengt und damit in Kauf genommen haben, dass seine unmittelbaren Nachbarn ums Leben kommen. Der Angeklagte sagte beim Prozessauftakt, dass er niemanden habe umbringen wollen.

Dienstag, 03.09.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 03.09.2019, 19:09 Uhr
Justizwachtmeister brachten den Angeklagten am Dienstagmorgen in den Schwurgerichtssaal. Der 55-Jährige befindet sich seit seiner Festnahme an Tag der Explosion in Untersuchungshaft.
Justizwachtmeister brachten den Angeklagten am Dienstagmorgen in den Schwurgerichtssaal. Der 55-Jährige befindet sich seit seiner Festnahme an Tag der Explosion in Untersuchungshaft. Foto: klm

„Wehmut“ sei ein Grund gewesen, warum er seinen Wohnwagen am Dortmund-Ems-Kanal in die Luft gejagt habe. Die Lebensgefährtin wollte keinen Kontakt mehr zu dem Lüdinghauser, den gemeinsamen Sohn sah er ebenfalls kaum noch und Kontakt zu Freunden gab es nur wenig.„Blöd. Dumm. Ich weiß nicht richtig, warum ich es getan habe“, sagte der Mann am Dienstag am Landgericht in Münster .

Druckwelle

Der 55-Jährige ist angeklagt wegen versuchten Mordes, Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und Brandstiftung. Auf dem Campingplatz in der Bauerschaft Berenbrock hatte er am 10. März eine Gasflasche aufgedreht und den Wagen verlassen. Drinnen stand eine brennende Kerze. Die folgende Explosion zerstörte den Wagen mit einer „enormen, weit entfernt wahrnehmbaren Druckwelle“, sagte die Staatsanwältin beim Prozessauftakt. Ein weiterer, von ihm genutzter Wohnwagen brannte ab, zudem eine Holzhütte, die zu seiner Parzelle gehörte.

Blöd. Dumm. Ich weiß nicht richtig, warum ich es getan habe.

Angeklagter aus Lüdinghausen

Der in Seppenrade aufgewachsene Mann habe „billigend in Kauf genommen, mindestens seine drei unmittelbaren Nachbarn an Leib und Leben zu gefährden“, erklärte die Staatsanwältin. Nebenan wohnten ein 55-Jähriger, eine 46-Jährige und ein zwölf Jahre alter Junge. Sie kamen glücklicherweise nicht zu Schaden.

Brand auf Campingplatz

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  • Auf dem Campingplatz an der Kanalküste in der Bauerschaft Berenbrock standen ein Campingwagen und ein Holzhaus in Flammen.

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  • Auf dem Campingplatz an der Kanalküste in der Bauerschaft Berenbrock standen ein Campingwagen und ein Holzhaus in Flammen.

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  • Auf dem Campingplatz an der Kanalküste in der Bauerschaft Berenbrock standen ein Campingwagen und ein Holzhaus in Flammen. Im Folgenden weitere Bilder vom Einsatzort.

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Er habe niemanden und auch sich selbst nicht durch die Explosion umbringen wollen, schilderte der Angeklagte. An dem Sonntagabend habe er mit einem Bekannten in dem Wohnwagen, in dem er lebte, Fotoalben angeschaut aus seiner Zeit auf den Philippinen. Dort hatte der Lüdinghauser nach der Elektriker-Lehre und einem Informatik-Studium in der Heimat rund 15 Jahre lang als Tauchlehrer gearbeitet. Seine Lebensgefährtin aus Lüdinghausen ebenfalls.

Keine Chance mehr

Als der Bekannte weg war, habe er „ein Bier nach dem anderen getrunken und geweint“, sagte er. „Beruflich war eh klar, dass ich keine Chance mehr habe.“ Er sei zu lange aus den gelernten Berufen „raus“ gewesen. „Dann war’s dunkel. Irgendwann hab’ ich nicht mehr nachgedacht. Ich war platt.“ Die Alben, Reisepass und seinen Ausweis packte er in einen Rollkoffer, drehte den Gashahn auf und verließ mit dem Koffer den Wohnwagen. „Dann hat‘s geknallt.“

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