Kabarettistin Inka Meyer gastiert
Zeitlose Schönheit des Denkens

Lüdinghausen -

Ihre Oma, Kant und auch Heinz Erhardt bemühte Inka Meyer bei ihrem Auftritt in Lüdinghausen, um die Beschreibung von Nützlichem und Unnützem aus dem weiten Feld der Mode beziehungsweise der Schönheitsindus­trie und all ihrer Konsequenzen für den Einzelnen greifbar zu machen. Die Kabarettistin gastierte auf Einladung der Freunde der Kleinkunst in der Aula des Schulzentrums und unterhielt ihr Publikum auf anspruchsvolle Weise.

Sonntag, 29.09.2019, 18:00 Uhr
Unterhaltsam und anspruchsvoll: Inka Meyer präsentierte am Samstagabend ihr Programm „Der Teufel trägt Parka“.
Unterhaltsam und anspruchsvoll: Inka Meyer präsentierte am Samstagabend ihr Programm „Der Teufel trägt Parka“. Foto: Ira Middendorf

Das Tempo ist hoch am Samstagabend in der gut gefüllten Aula des Schulzentrums, als Inka Meyer dort auf Einladung der Freunde der Kleinkunst (FKK) ihr aktuelles Programm „Der Teufel trägt Parka“ gibt. „Es geht um Schönheit“ – davon setzt Inka Meyer ihr Publikum dann auch gleich zu Beginn in Kenntnis.

Kurz darauf finden sich die Zuschauer direkt in einem interaktiven Experiment wieder, indem sie den Vergleich zwischen der Darstellung von Tulpen auf einem Bild von Cezanne und einer echten (falschen) Tulpe anstellen können. Was ist schöner? Wie Inka Meyer daraus dann den Übergang zum Disput zwischen Idealismus und Materialismus, zwischen Hegel und Marx herleitet, ist schon sehr unterhaltsam, wenn auch anspruchsvoll.

Protein und Photosynthese

Mit dem Intro ist die Flughöhe für diesen Abend jedenfalls schon einmal relativ weit oben angesetzt, und Inka Meyer tobt sich vor diesem Hintergrund aus: Salafisten, Inka Meyers Oma, Kant und Heinz Erhardt tauchen auf, um die Beschreibung von Nützlichem und Unnützem aus dem weiten Feld der Mode beziehungsweise der Schönheitsindus­trie und all ihrer Konsequenzen für den Einzelnen greifbar zu machen.

Wenn Inka Meyer sich lauthals über die Anzeige von Trink-Kollagen in einer Frauenzeitschrift lustig macht – Anzunehmen, dass das Trinken des Proteins Kollagen eine Wirkung zeige, sei in etwa so absurd, als würde man davon ausgehen, nach dem Essen von Salat zur Photosynthese fähig zu sein –, geht es zumindest vordergründig um die unterhaltsame Beschreibung einer gewinn- und wachstumsorientierten Industrie, die potenzielle Kunden veräppelt.

Deutlicher Appell

Die zu Beginn aufgeworfene Frage nach dem Sein und dem Bewusstsein schimmert jedoch immer wieder durch und wirkt so letztlich auch wie ein subtiler und dennoch deutlicher Appell an das Publikum, sich von den Trivialitäten des derzeitigen Konsumrausches (Anleitung zum Duschen in „fünf Steps“) nicht am Denken hindern zu lassen. Damit löst Inka Meyer elegant und nach einer ziemlich lustigen Zugabe, dem Vortrag eines Eltern-E-Mail-Verkehrs als Brennglas zeitgenössischer Befindlichkeiten, ihre Ankündigung zu Beginn des Abends am Ende auch ein. Denn es geht tatsächlich um Schönheit an diesem Abend – der zeitlosen Schönheit des Denkens.

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