Anton-Schüler interviewen Zeitzeugen Johannes Suttrup
„Das ist erlebte Geschichte“

Lüdinghausen -

Zweimal haben Maja Potthink und Jan Drees, Schüler des St.-Antonius-Gymnasiums, den 98-jährigen Lüdinghauser Johannes Suttrup interviewt. Die Schilderungen des Zeitzeugen – vor allem im Hinblick auf die Zeit des Nationalsozialismus – sind nun im Internet festgehalten.

Dienstag, 01.10.2019, 06:00 Uhr
Gruppenbild mit Zeitzeuge (v.l.): Jan Drees, Schulleiterin Elisabeth Hüttenschmidt, Johannes Suttrup, Maja Potthink, Gerd Kuhlke, Gerda Koch, Thomas Suttrup und Jörg Schürmann.
Gruppenbild mit Zeitzeuge (v.l.): Jan Drees, Schulleiterin Elisabeth Hüttenschmidt, Johannes Suttrup, Maja Potthink, Gerd Kuhlke, Gerda Koch, Thomas Suttrup und Jörg Schürmann. Foto: Anne Eckrodt

Johannes Suttrup ist für die Schüler des St.-Antonius-Gymnasiums kein Unbekannter. Unter anderem bei der Gedenkfeier zu 70 Jahren Grundgesetz hat der 98-jährige Lüdinghauser die Jugendlichen an seinen Erlebnissen vor allem während des Nationalsozialismus teilhaben lassen. „Er hat soviel erlebt – das muss einfach mal festgehalten werden“, befand Jörg Schürmann, bis zu seinem Wechsel nach Recklinghausen vor einer Woche stellvertretender Leiter des Anton.

Gesagt, getan: Die beiden Schüler Maja Potthink und Jan Drees führten zwei ausführliche Interviews mit Suttrup. Und die sind nun – neben vielen anderen Zeitzeugenberichten – auf der Internetseite www.zeit-und-zweitzeugen.de zu hören. Initiiert haben sie Barbara Keimer und Gerd Kuhlke.

Im Geschichtsunterricht lernt man die reinen Fakten.

Jan Drees

Der Kontakt zu ihnen kam über Schürmann und Gerda Koch zustande, die sich beide in Recklinghausen für die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit sowie das Kinderlehrhaus engagieren. „Diese direkten Gespräche mit Zeitzeugen sowie mit Zweitzeugen, die über ihre Eltern Schilderungen aus der NS-Zeit kennen, sind durch nichts zu ersetzen“, machte Koch bei einem Pressegespräch im Anton am Montag deutlich.

Das haben auch die beiden Interviewer festgestellt. „Ich bewundere Herrn Suttrup dafür, dass er über das, was er erlebt hat, so sprechen kann“, machte Potthink deutlich. Und Drees ergänzte: „Im Geschichtsunterricht lernt man die reinen Fakten. Wenn man aber Menschen trifft, die ihre ganz persönlichen Erlebnisse schildern, ist das etwas ganz anderes. Das ist erlebte Geschichte, die ganz konkret hier vor Ort passiert ist.“ Im Falle von Suttrup, der keiner nationalsozialistischen Gruppierung angehörte, waren das nicht nur berufliche Diffamierungen, sondern auch Arbeitsdienst und später dann der Einsatz während des Krieges als Kraftfahrer in einer Transportkolonne.

Ich brauchte glücklicherweise nie zu schießen.

Johannes Suttrup

„Ich brauchte glücklicherweise nie zu schießen, auch deshalb kann ich frei vom Krieg erzählen“, betonte der 98-Jährige, der 1945 zu den Gründungsmitgliedern der Lüdinghauser CDU gehörte. Nach den Erlebnissen während des NS-Regimes sei es ihm wichtig gewesen, eine demokratische Partei mit ins Leben zu rufen.

Politisches Engagement ist in seinen Augen damals wie heute immens wichtig. „Angesichts der vielen Populisten und der neuen Nazis habe ich große Befürchtungen, dass sich die Europäer uneinig werden und zur Kleinstaaterei zurückkehren.“

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