Ergebnisse der Pestel-Studie für Lüdinghausen
Es fehlen kleine und bezahlbare Wohnungen

Lüdinghausen -

In Lüdinghausen wurden seit 2011 im Durchschnitt jährlich 34 Wohnungen zu wenig gebaut. Das ist ein Ergebnis der Pestel-Studie, die die Wohnungssituation im Münsterland untersucht hat. Wo in der Steverstadt ansonsten dringender Handlungsbedarf besteht, erläuterte Matthias Günther, Vorstand des Pestel-Instituts, am Dienstagabend im Planungsausschuss.

Donnerstag, 03.10.2019, 05:00 Uhr
Stellte die Ergebnisse der Pestel-Studie vor: Matthias Günther.
Stellte die Ergebnisse der Pestel-Studie vor: Matthias Günther. Foto: Anne Eckrodt

Eine Hoffnung machte Matthias Günther direkt zunichte: „Setzen Sie nicht auf Berlin, dort wird seit zehn Jahren keine Wohnungspolitik mehr betrieben“, so der Vorstand des Pestel-Instituts am Dienstagabend im Planungsausschuss. Er stellte den Kommunalpolitikern die Ergebnisse der Pestel-Studie „Gut Wohnen im Münsterland“ im Hinblick auf Lüdinghausen vor. Das Hannoveraner Institut hatte diese Untersuchung im Auftrag des Vereins Wohnbauoffensive Westmünsterland – ein Zusammenschluss der Stadt Münster, der Kreise, der Wohnbau-Unternehmensgruppe und der Sparkassen der Region – durchgeführt. Dabei nahm Günther die Politiker direkt in die Pflicht: „Wie sich die Bevölkerung entwickelt, entscheiden Sie. Denn Sie sind diejenigen, die über das Thema Wohnraum entscheiden.“

Wie sich die Bevölkerung entwickelt, entscheiden Sie.

Matthias Günther vom Pestel-Institut

Dass in der Hinsicht dringender Handlungsbedarf besteht, machten die Zahlen der Studie deutlich. Bestand in der Steverstadt 2011 ein Defizit von 76 Wohnungen, lag dieses 2017 bereits bei 239. Seit 2011 wurden im Durchschnitt jährlich 34 Wohnungen zu wenig gebaut. Das stellt nicht nur für die Menschen, die jetzt hier leben, ein Problem dar, sondern wirkt sich auch auf den Zuzug aus. In dem Punkt werde das Wohnungsangebot zunehmend zum limitierenden Faktor, machte Günther deutlich. Das stelle auch Arbeitgeber bei der Suche nach Fachkräften zunehmend vor Probleme.

Bereits heute gibt es in der Steverstadt einen ungedeckten Bedarf an kleinen, barrierearmen Wohnungen sowie an Mietwohnungen im unteren Preissegment. „Gegenwärtig gleicht der Zugang zu Sozialwohnungen in vielen Orten einer Lotterie. Auch in Lüdinghausen sind nur für einen Bruchteil der Berechtigten Sozialwohnungen verfügbar“, legte der Fachmann den Finger in die Wunde. So gab es Ende 2017 lediglich 409 Sozialwohnungen. Vor dem Hintergrund machte Günther noch einmal die Verantwortlichkeiten klar: „Über den Neubau von Sozialwohnungen wird vor allem politisch entschieden.“

Bodenspekulationen einen Riegel vorschieben

Das Fazit des Fachmanns fiel am Ende eindeutig aus: Er empfahl vor allem den Bau kleinerer Wohnungen. Ein zentrales Thema wird in seinen Augen auch in Lüdinghausen in der weiteren Baulandentwicklung liegen. Um Bodenspekulationen einen Riegel vorzuschieben, hilft laut dem Vorstand des Pestel-Instituts eine langfristig angelegte Bodenpolitik mit Vorkaufssatzungen, so dass langfristig nur kommunale Flächen überplant werden. „Da es bisher noch keine Förderung des Neubaus ,bezahlbarer‘ Wohnungen außerhalb des sozialen Wohnungsbaus gibt, können hier nur die Kommunen direkt oder über die Bereitstellung bezahlbarer Grundstücke aktiv werden“, unterstrich Günther.

Nach über einer Stunde Vortrag gespickt mit jeder Menge Zahlen fasste der CDU-Fraktionsvorsitzende Bernhard Möllmann den gewonnenen Eindruck mit den Worten zusammen: „Ich nehme mit, dass wir das Heft des Handelns in der Hand haben.“ Sein Pendant von der SPD, Michael Spiekermann-Blankertz, befand: „Wir müssen stärker darauf achten, dass es mehr bezahlbaren und sozialen Wohnungsbau gibt.“

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