Besser nicht dran schnüffeln . . .
Eichenprozessionsspinner: Warnung vor gefallenen Nestern

Lüdinghausen -

Auch wenn die Hochzeit des Eichenprozessionsspinners vorbei ist, bergen die an den Bäumen zurückgebliebenen Nester noch immer Gefahren – für Mensch wie Tier. Der Wind befördert die Nester auf den Boden. Besonders für Hunde kann es lebensgefährlich werden, wenn sie an ihnen schnüffeln.

Freitag, 11.10.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 11.10.2019, 08:41 Uhr
Auch die Nester des Eichenprozessionsspinners sind nicht ungefährlich – für Mensch wie Tier.
Auch die Nester des Eichenprozessionsspinners sind nicht ungefährlich – für Mensch wie Tier. Foto: Matthias Ahlke

Der warme, trockene Sommer 2019 ist vorbei, mit seinen hohen Temperaturen, der langen Dürre – und dem Eichenprozessionsspinner. Doch der winzige Plagegeist, der nicht nur den Bäumen, sondern auch den Menschen gefährlich werden kann, ist noch nicht vollständig verschwunden. Seine Nester sind geblieben und seit einigen Tagen auf vielen Feldwegen und Straßen zu finden. Vor allem bei stürmischen Wetter befördert der Wind die herrenlosen Nester von den Eichen nach unten.

Wo sie durchaus für Probleme sorgen können: „Nicht nur die Raupen, auch die Nester sind gefährlich“, weiß Claudia Böttcher . Die Seppenraderin ist Vorsitzende der Tiertafel für Lüdinghausen und Dülmen und war eine der ersten, die heruntergefallene Nester beim Spaziergang mit ihren Hunden bemerkt hat. Und sofort Alarm schlug, per Facebook: „Wir sind untereinander vernetzt – mit unseren Kunden und anderen Hundehaltern“, sagt die Tierfreundin. „Wir warnen uns gegenseitig.“

Gefahr durch Kontaktallergien

Dass dieser Alarm alles andere als blind war, bestätigt Anna Korte , die in der Bauerschaft Brochtrup in einer Tierklinik arbeitet: „Hunde schnüffeln gerne. Wenn sie das Nest oder etwas davon ins Maul nehmen, kann der Rachen anschwellen. Das kann schnell lebensgefährlich werden, das Tier kann ersticken.“

Doch nicht nur Tiere sollten sich vor den Hinterlassenschaften des Eichenprozessionsspinners in Acht nehmen, so wiederum Böttcher, die sich auf Fortbildungen über das Thema schlau gemacht hat: „Jeder Kontakt ist gefährlich – nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen, vor allem für Kleinkinder.“ Schon das Einatmen, natürlich erst recht das Berühren der Nester könne Folgen haben, etwa eine langwierige Kontaktallergie. „Das ist nicht von schlechten Eltern, dieses Zeug“, sagt Böttcher.

„Das kann ein paar Tage dauern, manchmal ein paar Wochen“, weiß Tierärztin Korte über die Dauer von Kontaktallergien durch die Nester etwa bei Hunden. „Über 30 Tiere“ seien wegen der Nester schon in der Brochtruper Praxis behandelt worden.

Was man über den Eichenprozessionsspinner wissen sollte

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  • Im Münsterland breitet sich der Eichenprozessionsspinner in diesem Jahr besonders aus. Der Körper der bis zu fünf Zentimeter langen Raupe ist mit gefährlichen Brennhaaren übersät. Die Raupe ist an einem schwarz-braunen Streifen auf dem Rücken zu erkennen.

    Foto: Patrick Pleul (dpa)
  • Hauptsächlich an Eichen, manchmal aber auch an Hainbuchen spinnen die Raupen ihre Nester.

    Foto: Michael Schwakenberg
  • Aus Gelegen von 100 bis 200 Eiern schlüpfen Anfang Mai kleine Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Stadien durchlaufen. Nach der Verpuppung ist das Tier ein brauner, unscheinbarer Nachtfalter.

    Foto: Bodo Marks (dpa)
  • Im „Gänsemarsch“ gehen die Raupen auf die Suche nach Nahrung – bevorzugt Eichenblätter. Durch diese „Prozession“ sind die Tiere zu ihrem Namen gekommen.

    Foto: Peter Roggenthin (dpa)
  • Ab dem dritten Stadium entwickeln sich bei den Larven Brennhaare mit Widerhaken, die ein Nesselgift (Thaumetopoein) enthalten. Bei unmittelbarem Kontakt kann das zu Hautentzündungen führen, bei empfindlichen Menschen auch zu allergischen Reaktionen. Typische Symptome sind Juckreiz, Hautrötung und Bläschen. Die Beschwerden klingen meist nach wenigen Tagen ab.

    Foto: Bernd Schäfer
  • Wer ein Nest entdeckt, sollte es deshalb nicht anfassen, sondern eine Fachfirma mit der Entfernung beauftragen, raten Behörden.

    Foto: hbm
  • So sieht ein entferntes Nest aus. Hohe Temperaturen und wenig Regen im Mai und Juni begünstigen die Verbreitung der Raupen.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde

Für die Menschen ist die Lage aber zumindest vorerst nicht akut. „Ich habe seit dem Sommer keinen einzigen Patienten wegen des Eichenprozessionsspinners in Behandlung gehabt“, so Dr. Rainer Drerup, Allgemeinmediziner und Sprecher der niedergelassenen Ärzte in Lüdinghausen.

Was geschieht nun mit den Nestern auf Wegen und Straßen? „Sie verrotten bei dem aktuell warmen und feuchten Wetter relativ schnell“, sagt Anja Kleykamp, Pressesprecherin der Stadt Lüdinghausen auf Nachfrage der WN. „Der Bauhof entfernt sie auf den öffentlichen Flächen. Wie lange das dauert, liegt natürlich auch an den Kapazitäten.“

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